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Fabian Bünker im Finish | © FBG

Feedback statt Wiederholung: So lernt Ihr Schwung wirklich

Der eine Satz, der alles erklärt: Übung macht nicht den Meister. Übung macht dauerhaft – und ob das gut oder schlecht ist, entscheidet die Rückmeldung. Eine Bewegung wird durch Wiederholung stabiler, die gute wie die fehlerhafte. Wer über Jahre denselben Ausfallschlag wiederholt, wird darin zuverlässig. Der einzige Mechanismus, der eine Bewegung in eine andere Richtung lenkt, ist Information darüber, was tatsächlich passiert ist – und zwar Information, die von dem abweicht, was Sie geglaubt haben. 

 

Genau darin liegt die Schwäche des klassischen Range-Trainings: Sie sehen den Ball fliegen, haben aber keine Information darüber, warum er so geflogen ist. Und Sie haben keine Möglichkeit zu prüfen, ob Ihre Vorstellung von der Bewegung mit der tatsächlichen Bewegung übereinstimmt. „Die Erfahrung aus jeder Videoanalyse: Sie tut es fast nie", sagt Fabian Bünker, PGA Golf Professional und Leiter der Fabian Bünker Golfakademie. „Das ist keine Kritik am Golfer, das ist normal. Nur trainieren Sie eben nichts, solange diese Lücke nicht sichtbar wird."

Drei Ebenen von Feedback

Es hilft, Rückmeldung nicht als eine Sache zu behandeln, sondern als drei Ebenen, die unterschiedliche Fragen beantworten.

 

  • Die Ergebnisebene. Wo ist der Ball gelandet? Wie weit ist er geflogen? Ist die Aufgabe erfüllt? Diese Ebene zählt im Spiel und wird im Training am häufigsten unterschätzt, weil sie so selbstverständlich scheint. Wer seine Trainingsaufgaben nicht zählt, verzichtet auf die einfachste Rückmeldung überhaupt.
  • Die Bewegungsebene. Was hat der Körper getan? Das beantworten Video, Trainer und in Teilen die Zahlen eines Launch Monitors. Diese Ebene ist beim Verändern von Technik die wichtigste – und beim Spielen die unwichtigste.
  • Die Gefühlsebene. Was haben Sie wahrgenommen? Sie wird am häufigsten vergessen, obwohl sie das Bindeglied ist. Auf dem Platz haben Sie weder Video noch Zahlen. Alles, was Sie dort haben, ist Ihr Gefühl – und das ist nur brauchbar, wenn Sie im Training gelernt haben, es mit der Realität abzugleichen.

Erst raten, dann nachsehen

Daraus folgt die vielleicht wirkungsvollste Trainingsregel überhaupt, und sie kostet nichts: Schätzen Sie, bevor Sie nachschauen. Schlagen Sie den Ball. Sagen Sie sich – am besten laut –, wie weit er geflogen ist, ob Sie ihn sauber getroffen haben, in welche Richtung er gestartet ist. Erst danach sehen Sie auf das Display oder das Video. „Diese zwei Sekunden entscheiden darüber, ob Sie das Spüren trainieren oder das Ablesen", sagt Bünker. „Wer sofort auf die Zahl schaut, überspringt den Abgleich – und genau der Abgleich ist der Vorgang, der aus Wahrnehmung Können macht."

 

Die Bewegungsforschung stützt das aus einer zweiten Richtung: Wer nach jedem Versuch externes Feedback bekommt, zeigt während der Einheit oft bessere Werte, behält aber langfristig weniger. Rückmeldung in größeren Abständen und in eigener Verantwortung ist der nachhaltigere Weg. Für die Praxis heißt das: nicht nach jedem Ball auf den Bildschirm, sondern nach Serien.

Diese drei Zahlen reichen

Launch Monitore sind in den letzten Jahren erschwinglich geworden, und viele Anlagen haben inzwischen Geräte auf der Range. Damit stellt sich die Frage, welche der zwanzig angezeigten Werte für einen Amateur überhaupt relevant sind. Für die allermeisten reichen drei.

 

  • Fluglänge. Nicht die Gesamtlänge, sondern wie weit der Ball fliegt. Das ist die Zahl, die auf dem Platz über Bunker und Wasser entscheidet. Die meisten Amateure überschätzen ihre Fluglänge um zehn bis zwanzig Meter, weil sie sich an ihren besten Schlag erinnern statt an den Durchschnitt.
  • Smash Factor. Das Verhältnis von Ball- zu Schlägerkopfgeschwindigkeit, also im Kern: wie sauber Sie treffen. Diese Zahl ist so nützlich, weil sie unabhängig von der Kraft ist. Ein Golfer mit wenig Schlägerkopfgeschwindigkeit und gutem Treffpunkt schlägt weiter als einer mit viel Geschwindigkeit und schlechtem Treffpunkt.
  • Eintreffwinkel. Ob der Schläger im Treffmoment nach unten oder nach oben läuft. Beim Eisen ist der abwärts gerichtete Treffer die Voraussetzung für sauberen Kontakt, beim Driver vom Tee gilt das Gegenteil. Wer hier Klarheit hat, versteht plötzlich, warum Eisenschläge dünn werden oder Driver zu tief fliegen.

 

Alles andere ist für Amateure meist Ablenkung. Und selbst diese drei Zahlen taugen nur als Durchschnitt über eine Serie. Ein einzelner Wert sagt nichts, außer dass ein Ball geschlagen wurde.

Die Falle der Zahlenjagd

Gute Messtechnik hat eine typische Nebenwirkung, die Sie kennen sollten: „Sie beginnen, für die Zahl zu spielen statt für den Schlag", warnt der Trainingsexperte. „Das äußert sich zum Beispiel darin, dass jemand den Ball mit dem Driver immer steiler von unten trifft, weil der Startwinkel dann besser aussieht – und dabei die Kontrolle über die Schlagfläche verliert." Oder darin, dass nur noch die Schlägerkopfgeschwindigkeit maximiert und die Trefferqualität aus dem Blick verloren wird. 

 

Der Schutz dagegen ist einfach: „Die Zahl ist nie das Ziel. Das Ziel ist immer ein Ergebnis auf dem Platz." Deshalb gehöre laut Bünker an das Ende jeder messtechnisch begleiteten Einheit eine Phase ohne Display, in der nur zählt, ob der Ball dort landet, wo er soll.

Video: sparsam und mit klarem Auftrag

Für Video gilt dasselbe wie für Zahlen, nur verschärft. Es ist ein starkes Werkzeug, weil es die Lücke zwischen Vorstellung und Wirklichkeit sichtbar macht – und zugleich das Werkzeug, mit dem Sie sich am gründlichsten selbst blockieren, wenn Sie es falsch dosieren.

Drei Regeln haben sich bewährt. Erstens: zwei Perspektiven, von der Seite auf Höhe der Hände und von vorne, sonst lässt sich kaum etwas seriös beurteilen. Zweitens: nicht nach jedem Schwung ansehen, sondern nach einer Serie – und vorher benennen, was Sie glauben, gerade gemacht zu haben. Drittens: ein Fokuspunkt pro Aufnahme. Wer sich alles ansieht, sieht nichts.

Dazu kommt ein Punkt aus der Aufmerksamkeitsforschung, der im Golf oft übersehen wird: Ein Fokus auf die eigene Körperbewegung führt in der Regel zu schlechteren Ergebnissen als ein Fokus auf etwas außerhalb des Körpers – auf den Schlägerkopf, auf das Ziel, auf die Bewegung des Schlägers durch den Ball. Am Ende einer Videosequenz sollte deshalb nie eine Körperanweisung stehen, sondern eine Aufgabe, die nach außen zeigt.

Was kein Gerät ersetzt

Bei aller Technik gehört ein Punkt dazu: Die wertvollste Rückmeldung im Golf kommt weiterhin von einem Menschen, der zusieht. „Ein Launch Monitor sagt Ihnen, was der Ball getan hat. Ein Video zeigt, was der Körper getan hat. Die eigentliche Frage beantwortet beides nicht: warum", sagt Bünker. „Eine offene Schlagfläche kann am Griff liegen, in der Handgelenkstellung, im Set-up – oder schlicht darin, dass Sie unbewusst ausgleichen, was zwei Schritte vorher passiert ist. Für diese Ursachenkette gibt es kein Messgerät."

 

Sinnvoll ist deshalb eine Arbeitsteilung. Der Trainer klärt die Richtung: woran gearbeitet wird, warum, und wie die Zwischenstufe aussieht. Die Technik übernimmt die Begleitung im Alltag: Sie kontrolliert, ob das Vereinbarte auch geschieht, und liefert die Zahlen für das nächste Gespräch. 

 

Der Kern bleibt der Satz vom Anfang: Nicht die Wiederholung lernt, sondern die Rückmeldung. Wer im Training konsequent erst rät und dann nachsieht, hat mehr gewonnen als mit jedem neuen Gerät. „Und jetzt viel Spaß beim Umsetzen dieser Tipps – und einen sauberen Treffmoment!" – wünscht Ihnen Fabian Bünker und das Team von Golf.de.

 

Zur Person: Fabian Bünker ist PGA Golf Professional und leitet die Fabian Bünker Golfakademie mit dem Online-Coaching-Programm „Golf in Leicht". Seine App Sweetspot Golf verbindet sich mit Launch Monitoren wie dem Garmin R10 oder Flightscope und gibt Rückmeldung zu genau den Werten aus diesem Beitrag: Smash Factor, Fluglänge und Eintreffwinkel. Die Funktion „Ballreihe" kontrolliert Fluglängen von 20 bis 100 Metern systematisch.
Im App Store unter „Sweetspot Golf" oder auf www.fabianbuenker.de/app

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