Viel geübt, wenig besser: So wird aus Bälleschlagen echtes Training
Die Range ist eine Wohlfühlzone
Sie kennen das Bild vermutlich von Ihrer eigenen Anlage: Ein Golfer kauft an einem Mittwochabend einen Korb mit hundert Bällen, stellt ihn neben sich, greift zum Eisen 7 und schlägt los. Nach zwanzig Bällen wird es besser, nach vierzig richtig gut, nach sechzig lässt die Konzentration nach, die letzten zwanzig gehen irgendwohin. Er packt ein mit dem Gefühl, gut trainiert zu haben. Am Samstag auf dem Platz ist davon nichts übrig.
Für Fabian Bünker, PGA Golf Professional und Leiter der Fabian Bünker Golfakademie, ist das kein Einzelfall, sondern der Normalzustand im Amateurgolf. Und es liege nicht an mangelndem Fleiß: „Auf der Range passiert etwas, das mit Golfspielen wenig zu tun hat: derselbe Schläger, dieselbe Distanz, dieselbe Lage, keine Konsequenz für einen schlechten Schlag, sofort ein neuer Ball." Der Körper stelle sich darauf in wenigen Minuten ein, so Bünker weiter. „Genau deshalb wird es nach zwanzig Bällen besser – und genau deshalb hält das nicht bis Samstag."
Die Range belohnt Wiederholung mit einem guten Gefühl. Auf dem Platz gibt es diese Wiederholung nicht. Dort kommt jeder Schlag genau einmal, aus einer neuen Lage, mit einer neuen Distanz, nach einer Pause von fünf Minuten. Wer nur den Wohlfühlmodus trainiert, trainiert nicht das Spiel.
Vier Bausteine, die eine Einheit braucht
Den Unterschied zwischen Bälleschlagen und Training bricht Bünker auf vier Punkte herunter. Fehlt einer davon, wird aus der Einheit ein netter Zeitvertreib.
- Ein Ziel. Nicht „besser werden", sondern etwas, das an diesem Abend erreichbar ist. „Ich will die Länge meines Pitching Wedge auf 70 Meter zuverlässiger treffen" ist ein Ziel. „Ich arbeite am Schwung" ist keines.
- Eine Aufgabe. Das Ziel muss sich in etwas Konkretes übersetzen: eine bestimmte Anzahl Bälle, eine bestimmte Vorgabe, eine bestimmte Reihenfolge. Ohne Aufgabe wird jeder Ball zum Neuanfang.
- Eine Rückmeldung. Woran erkennen Sie, ob es geklappt hat? Ein Ergebnis, das Sie zählen können. Ein Video. Eine Zahl vom Launch Monitor. Das Gefühl allein reicht nicht – es ist ausgerechnet dann am unzuverlässigsten, wenn Sie gerade etwas verändern.
- Eine Konsequenz. Trifft die Aufgabe nicht, passiert etwas: Sie fangen von vorn an, gehen eine Stufe zurück oder zählen Punkte. Konsequenz erzeugt Spannung, und Spannung ist das, was auf dem Platz herrscht.
Diese vier Punkte zu klären kostet zwei Minuten. Für Bünker sind es die wichtigsten zwei Minuten der ganzen Einheit.
Stellen Sie sich drei Fragen
In der Praxis funktioniert es am besten, wenn Sie sich auf dem Weg zum Platz drei Fragen beantworten.
- Was genau übe ich heute? Ein Bereich, maximal zwei. Nicht Driver und Bunker und Putten in einer Stunde.
- Woran erkenne ich, dass es funktioniert hat? Eine Zahl, ein Ergebnis, ein Video – etwas, das nächste Woche noch vergleichbar ist.
- Wie viel Zeit habe ich? Vierzig Minuten mit klarem Plan schlagen neunzig Minuten ohne. Wer die Zeit vorher festlegt, hört auf, bevor die Konzentration weg ist. Und das ist wichtiger als die letzten dreißig Bälle.
Verteilen Sie Ihre Zeit wie Ihre Schläge
Die zweite große Schwachstelle nach der Struktur ist die Verteilung. Auf jeder Anlage, an jedem Abend dasselbe Bild: Die Range ist voll, das Chippinggrün leer, das Puttinggrün fast leer. Gleichzeitig fällt bei den meisten Golfern mit Handicaps zwischen 20 und 36 mehr als die Hälfte aller Schläge einer Runde innerhalb von hundert Metern zum Grün.
Daraus wird bei Bünker keine pauschale Regel, dass kurzes Spiel immer wichtiger sei als das lange: „Wer den Ball nicht ins Spiel bringt, verliert auf dem Weg zum Grün Schläge, die kein Chip mehr rettet. Aber die Zeitverteilung im Training sollte zumindest ungefähr der Schlagverteilung auf der Runde entsprechen. Wenn Sie 60 Prozent Ihrer Schläge innerhalb von hundert Metern spielen und 90 Prozent Ihrer Trainingszeit auf der Range verbringen, ist das kein Feinschliff-Problem, sondern ein Strukturproblem."
Ein praktikabler Startpunkt für die meisten Amateure: Investieren Sie ungefähr die Hälfte der Trainingszeit ins Spiel innerhalb von hundert Metern, inklusive Putten. Der Rest teilt sich auf langes Spiel und Annäherungen auf. Wer aus seinen eigenen Runden weiß, wo er wirklich Schläge liegen lässt, verschiebt diese Verteilung entsprechend.
Denken Sie in Wochen, nicht in Einheiten
Eine gute Einheit ist gut, eine gute Woche ist besser. Der Grund liegt darin, wie motorisches Lernen funktioniert: Bewegungen festigen sich nicht während des Übens, sondern in den Stunden und Tagen danach. Drei Einheiten à vierzig Minuten über die Woche verteilt bringen mehr als zwei Stunden am Stück am Sonntag. Das ist einer der am besten belegten Befunde der Bewegungswissenschaft – und einer der am seltensten umgesetzten.
Eine Wochenstruktur, die auch für Berufstätige funktioniert: eine längere Einheit auf der Anlage mit dem aktuellen Schwerpunkt, eine kürzere nur für kurzes Spiel und Putten, dazu ein bis zwei sehr kurze Einheiten zu Hause – Trockenübungen, Puttingmatte, Rhythmusübungen. Zehn Minuten zählen, und zwar überraschend viel, weil sie die Bewegung wachhalten, statt sie zwischen den Terminen einschlafen zu lassen.
Wichtig ist die Reihenfolge innerhalb der Woche: Neues lernen Sie zu Beginn, wenn Sie frisch sind. Am Tag vor einer Runde ändern Sie nichts mehr, sondern spielen sich ein. Wer am Samstagmorgen noch am Griff schraubt, nimmt sich die Runde.
Schreiben Sie auf, was Sie tun
Fast niemand dokumentiert sein Training. Das ist erstaunlich, denn ohne Dokumentation gibt es keinen Vergleich – und ohne Vergleich keinen belegbaren Fortschritt, nur ein Gefühl, das mit der Tagesform schwankt.
Aufwendig muss es nicht sein: Datum, Bereich, Aufgabe, Ergebnis. Vier Angaben, dreißig Sekunden. Nach sechs Wochen haben Sie etwas in der Hand, das keine Erinnerung leisten kann. Sie sehen, ob die 18 von 30 beim Putten aus zwei Metern vor einem Monat noch 12 von 30 waren. Sie sehen, welche Bereiche Sie in Wahrheit vernachlässigen, obwohl Sie sich das Gegenteil vorgenommen hatten. Und Sie sehen, wie oft Sie überhaupt trainiert haben. Das wirkt auch psychologisch. Fortschritt im Golf ist langsam und ungleichmäßig. Wer nur nach dem Score geht, erlebt wochenlang scheinbaren Stillstand, obwohl sich unter der Oberfläche viel bewegt.
Wo Apps helfen – und wo nicht
Genau an diesen Stellen sind Apps und Messgeräte stark, sagt Bünker – und nur an diesen: „Ein Werkzeug ersetzt keinen Trainer, verbessert keine Technik und macht aus einer schlechten Übung keine gute. Was es leistet, ist das, was im Amateurtraining am häufigsten fehlt: Es gibt eine Aufgabe vor, statt sie Ihnen zu überlassen, es zählt mit, und es speichert das Ergebnis. Der Nutzen liegt nicht in der Technik, sondern in der Verbindlichkeit."
Ein Launch Monitor ersetzt das Auge des Trainers nicht, beantwortet aber Fragen, die Sie sich selbst nicht beantworten können: Wie weit fliegt mein Wedge wirklich? Wie sauber treffe ich? Eine Trainings-App ersetzt den Plan nicht, sorgt aber dafür, dass es überhaupt einen gibt – und dass er nicht nach zwei Wochen in der Schublade liegt. Der wichtigste Schritt kostet ohnehin nichts. Er besteht darin, beim nächsten Mal nicht einfach einen Korb Bälle zu kaufen und loszuschlagen, sondern vorher zwei Minuten lang drei Fragen zu beantworten. Alles andere ist Feinschliff.
„Und jetzt viel Spaß beim Umsetzen dieser Tipps", wünscht Ihnen Fabian Bünker. „… und ein Training, nach dem Sie wissen, was Sie geübt haben!"
Zur Person: Fabian Bünker ist PGA Golf Professional und leitet die Fabian Bünker Golfakademie mit dem Online-Coaching-Programm „Golf in Leicht". Die von ihm entwickelte App Sweetspot Golf setzt genau hier an: Statt unstrukturiertem Bälleschlagen gibt sie Schritt-für-Schritt-Anleitungen und einen Trainingsplan vor, der sich am aktuellen und am Ziel-Handicap orientiert. Für iPhone, iPad und Apple Watch, im App Store unter „Sweetspot Golf" oder auf: www.fabianbuenker.de/app







