Zum Abschied ein Sieg: Bronze für die deutschen Frauen
Nach zirka zwei gespielten Stunden auf dem Klippenkurs des BlackSeaRama Golf Resorts sah es zunächst nach einer englischen Antwort auf die eigene Halbfinal-Niederlage aus: Die amtierenden Europameisterinnen führten in drei von fünf Partien. Am Ende drehte das deutsche Team die Begegnung dennoch – und krönte eine Woche, die mit einer souveränen Zählspiel-Qualifikation begonnen hatte und danach immer spannender wurde.
England legt vor
Der erste Punkt ging an England. Franca Fehlauer (Hamburger GC), am Vortag noch die Heldin des Halbfinals mit ihrem Sieg am 20. Loch, fand gegen Kerry Smith (England) nicht ins Spiel und unterlag mit 5&4. Fast im gleichen Moment fiel die zweite Entscheidung - ebenfalls für die Damen von der Insel: Susanne Engels (Krefelder GC) und Alexandra Kölker (GC Bergisch Land) mussten sich im Vierer Anne Wheble und Sophie Beardsall (beide England) mit 4&2 beugen.
Doch parallel dazu lief das deutsche Gegenprogramm. Silvia Wilms (Münchener GC) dominierte ihr Einzel gegen Sally Shayler (England) von der ersten Bahn an und gewann mit 5&4. Die geteilte Zweite der Einzelwertung war damit die verlässlichste deutsche Spielerin dieser Woche: Wilms gewann alle drei Lochspiele – gegen die Niederlande, gegen Frankreich und nun gegen England.
Harsch gleicht aus, Gabler entscheidet
Beim Stand von 1:2 lag der Druck bei Manon Harsch (Baden Hills G&CC), die ihr Halbfinale gegen Frankreich im letzten Flight noch mit 1auf verloren hatte. Diesmal drehte die amtierende deutsche AK-50-Meisterin die Geschichte: Gegen Julia Brook (England) setzte sie sich mit zwei Löchern Vorsprung durch, glich zum 2:2 aus und stoppte den rasenden englischen Frachtzug effektiv. Die Chance war gewahrt - das Spiel war wieder offen.
Alles hing nun an Sibylle Gabler. Nach 14 Löchern lag die Berlinerin gegen Tracey Williamson (England) ein Loch zurück, jener Spielerin, die im Halbfinale gegen Irland erst nach sechs Extralöchern auf der 24. Bahn bezwungen worden war. Gabler blieb geduldig, glich nach 17 Löchern aus – und gewann auf dem 18. Grün mit 1auf. Für die Berlinerin war es die Wiedergutmachung nach der Halbfinal-Niederlage gegen die amtierende Europameisterin Jordane Court, für Deutschland war es der Sprung auf das ersehnte Podium.
Ein Abschied mit komplettem Medaillensatz
Für Patsy Stoehr war es die letzte Europameisterschaft als Kapitänin – und der passende Schlusspunkt einer erfolgreichen Amtszeit. Silber hatte sie mit ihrer Mannschaft 2021 gewonnen, ausgerechnet hier in Balchik auf dem Platz von BlackSeaRama, ein Jahr später folgte im slowenischen Golf Arboretum der Titel. Nur Bronze fehlte in dieser Sammlung. Dass es nun im letzten Match ihrer letzten Meisterschaft am 18. Grün gesichert wurde, macht diesen Abschied vollständig.
Der Weg dorthin führte über Rang vier der Zählspiel-Qualifikation, ein souveränes 4:1 im Viertelfinale gegen die Niederlande und die knappe 2:3-Niederlage im Halbfinale gegen Frankreich, die erst im letzten noch laufenden Match fiel. Drei Lochspiele, zwei Siege, eine Medaille – und in jeder Begegnung eine Entscheidung, die bis zum Schluss offenblieb. Für England ist es dagegen die zweite 2:3-Niederlage in Serie. Die Titelverteidigerinnen hatten im Halbfinale gegen Irland ebenfalls mit dem knappsten möglichen Ergebnis verloren und reisen ohne Medaille ab.
Frankreich krönt eine perfekte Woche
Den Titel holt sich Frankreich. Der Sieger der Zählspiel-Qualifikation, der Deutschland im Halbfinale gestoppt hatte, setzt sich im Finale mit 4:1 gegen Irland durch und war die dominierende Mannschaft der Woche – von der ersten Zählspielrunde bis zum letzten Match. Die Irinnen, die England im Halbfinal-Marathon bezwungen hatten, müssen sich mit Silber begnügen. In den weiteren Platzierungsspielen gewann die Schweiz mit 3:2 gegen Spanien und belegte Rang fünf, Schweden setzte sich mit 3:2 gegen die Niederlande durch.
Die Bedingungen am Schlusstag waren die freundlichsten der Woche: strahlender Sonnenschein, Temperaturen um 30 Grad und ein spürbarer, überwiegend südlicher Wind, der auf den exponierten Bahnen oberhalb des Schwarzen Meeres im Laufe des Nachmittags zunahm. Die letzten Löcher wurden damit gleich in mehrfacher Hinsicht zur mentalen Prüfung – und die deutschen Frauen bestanden sie.
So endet eine Woche in Balchik, in der das Team in jedem entscheidenden Moment Charakter zeigte: mit Wilms als konstantester Spielerin, mit Fehlauers Sieg am 20. Loch im Halbfinale, mit Harschs wichtigem Momentum-Stopper im Spiel um Bronze – und mit Gablers Putt, der Deutschland die Medaille und Patsy Stoehr den perfekten Abschied sicherte.










