Deutscher Kampf wird nicht belohnt: Frankreich gewinnt Halbfinal-Krimi
Der Qualifikationssieger aus Frankreich ging als Favorit in die Begegnung, doch das Team von Kapitänin Patsy Stoehr hielt auf dem anspruchsvollen Turnierplatz von BlackSeaRama mit Mut, Geduld und großer Widerstandskraft dagegen. Der Weg ins Finale führte für Frankreich nicht über eine Machtdemonstration, sondern über fünf enge Duelle und den finalen Ausschlag im letzten noch laufenden Match.
Deutschland startet stark
„Heute ging es in den Matchplays des Halbfinales gegen die Französinnen, die immer wieder starken Nachwuchs haben und 2024 Mannschafts-Europameister wurden. Dem Favoriten haben wir uns mit allen sportlichen Mitteln entgegen gestellt“, sagte Kapitänin Patsy Stoehr.
Nach neun Löchern sah es für die deutschen Frauen vielversprechend aus. Der Vierer mit Susanne Engels (Krefelder GC) und Alexandra Kölker (GC Bergisch Land) lag gegen Benjamine Bouillonnec und Fanny Sachel (beide Frankreich) 2auf. Manon Harsch (Baden Hills G&CC) führte gegen Hélène Malvy (Frankreich) sogar mit 3auf.
Franca Fehlauer (Hamburger GC) gegen Amandine Vincent (Frankreich) und Silvia Wilms (Münchener GC) gegen Carole Danten-Azfi (Frankreich) lagen jeweils all square. Nur Sibylle Gabler (G&LC Berlin-Wannsee) lag gegen Jordane Court (Frankreich), die amtierende Europameisterin, 2down.
Doch auf den entscheidenden Bahnen drehte Frankreich die Begegnung. „Auf den letzten Löchern war das Match an Spannung nicht zu übertreffen“, sagte Stoehr. Der Vierer gab seine Führung noch aus der Hand und verlor mit 2&1. Frankreich ging damit in Führung, doch die deutsche Antwort ließ nicht lange auf sich warten.
Wilms und Fehlauer drehen auf
Silvia Wilms gewann ihr Einzel gegen Carole Danten-Azfi am 18. Grün mit 1auf und glich die Begegnung zum 1:1 aus. Die deutsche Vizemeisterin der AK 50 bestätigte damit einmal mehr ihre herausragende Turnierform und gab ihrer Mannschaft in einem kritischen Moment neue Energie.
Franca Fehlauer und Amandine Vincent lieferten sich ein Duell, das über die regulären 18 Löcher hinausging. Fehlauer entschied das Stechen am 20. Loch für sich und brachte Deutschland mit 2:1 in Führung. Parallel musste Sibylle Gabler gegen Jordane Court eine 2&1-Niederlage hinnehmen – Frankreich glich damit zum 2:2 aus.
Alles hing nun am letzten Flight. Manon Harsch kämpfte gegen Hélène Malvy bis zum 18. Grün, unterlag dort jedoch mit 1auf. Frankreich sicherte sich den dritten Punkt und zog mit einem 3:2-Erfolg ins Finale ein.
Spannung auf allen Ebenen
Auch das zweite Halbfinale bot einen Krimi. Irland setzte sich gegen Titelverteidiger England mit 3:2 durch, weil Deirdre Smith (Irland) ihr Einzel gegen Tracey Williamson (England) erst am 24. Loch gewann. Sechs Extralöcher waren nötig, ehe die Entscheidung für Irland fiel. Frankreich und Irland treffen nun im Finale aufeinander.
Im Platzierungsspiel zwischen Schweden und Spanien gelang den Spanierinnen eine spektakuläre Aufholjagd. Nach Siegen des schwedischen Vierers Christina Elmér und Ulrika Johansson gegen Maria de Orueta und Mercedes Gomez Arbex mit 5&4 sowie von Annika Mortimer gegen Macarena Campomanes mit 5&3 lag Spanien bereits 0:2 zurück. Doch Soledad Fernández de Araoz bezwang Charlotte Ödman mit 2auf, Natalia Martínez-Reboredo setzte sich gegen Bualee Maliwan mit 1auf durch – und Maria Castillo machte die Wende perfekt. Sie gewann gegen Ann-Charlotte Ryrman dramatisch am 19. Loch und bescherte Spanien den 3:2-Erfolg.
Bronze bleibt erreichbar
Bei sommerlichen Temperaturen und spürbarem Wind blieb BlackSeaRama auch am Halbfinaltag ein Platz, auf dem Konzentration und Geduld gefragt waren. Die Böen auf den offenen Bahnen oberhalb des Schwarzen Meeres verliehen den entscheidenden Löchern zusätzliche Schärfe. „Es war ein Wettstreit auf hohem sportlichen Niveau, und wir gehen morgen voller Zuversicht in das Spiel um Bronze gegen den amtierenden Team-Europameister England“, sagte Stoehr.
Die Titelverteidigerinnen verloren ihr Halbfinale gegen Irland ebenfalls mit 2:3 und werden nach ihrer bitteren Niederlage alles daransetzen, nicht ohne Medaille abzureisen. Für die deutschen Frauen gilt das Gleiche: Der Traum vom Finale ist vorbei, die Chance auf Edelmetall aber lebt.









