Drei Extralöcher, ein Herzschlagfinale: Deutschland verliert am 21. Loch
Nach dem 4,5:0,5 gegen Polen und dem 3:2 gegen Italien war das Team von Kapitän Jochen Roggenkämper mit dem klaren Ziel in den Schlusstag gegangen, die verpasste Qualifikation für Flight A mit dem bestmöglichen Platz zu beantworten. Norwegen, das zuvor Österreich mit 3:2 und Spanien mit 4:1 bezwungen hatte, war ein Gegner auf Augenhöhe – und diese Begegnung wurde genau dazu: ein Duell, das lange keine klare Richtung fand.
Biermann und der Vierer punkten erneut
Nach zwölf gespielten Löchern lag Deutschland in zwei Partien vorn und in drei zurück. Genau dort, wo die Mannschaft in dieser Woche am stärksten war, kam der Zugriff. Patrick Koll (Düsseldorfer GC) und Stefan Sachs (GC Kassel-Wilhelmshöhe) gewannen ihren Vierer gegen Martin Støren und Svein Terje Eide (beide Norwegen) mit zwei Löchern Vorsprung – der dritte Sieg in drei Lochspielen für das neu formierte Duo aus Routinier und Newcomer, das in Bordeaux zur verlässlichsten deutschen Konstante geworden ist.
Auch Thomas Biermann (Frankfurter GC) blieb im Matchplay ungeschlagen. Nach seinem 5&4 gegen Polen und dem 1-auf-Erfolg am 18. Grün gegen Italien setzte er sich gegen Freddie Andre Ullestad (Norwegen) mit 3&2 durch.
Norwegen antwortete jedoch in den beiden nächsten Einzeln. Marc Mazur (GSV Düsseldorf) unterlag Knut Ekjord (Norwegen) mit 4&3, Maximilian Rehm (GC Feldafing) verlor gegen Øivind Scheid Bjørnstad (Norwegen) mit 3&2. Beim Stand von 2:2 richteten sich alle Blicke auf eine einzige Partie.
Banzhaf und das längste Match des Tages
Felix Banzhaf (Frankfurter GC), der am Vortag mit seinem 2&1 gegen Italien den deutschen Gesamtsieg gesichert hatte, kämpfte gegen Joachim Aslaksen (Norwegen) um den Punkt, der über Rang neun entscheiden würde. Am letzten Abschlag der regulären Runde lag Banzhaf noch 1down, doch am 18. Grün glich der Hesse aus und forcierte so das Stechen. Am 19. Loch: geteilt. Am 20. Loch: geteilt. Erst am 21. Loch machte Aslaksen den entscheidenden Lochgewinn und sicherte Norwegen den 3:2-Erfolg.
Banzhaf bestritt damit zwei Tage in Folge das Match, an dem die gesamte Begegnung hing. Gegen Italien hatte er gewonnen, gegen Norwegen fehlte am Ende ein einziges Loch. Näher kann man einem Ergebnis nicht kommen, ohne es zu erreichen.
Eine Woche mit zwei Gesichtern
Die Bilanz der deutschen Männer in Bordeaux liest sich zwiespältig und doch respektabel: ein unglücklicher Rang neun in der Zählspiel-Qualifikation, in der Gastgeber Frankreich vom ersten Tag an die Führung übernahm und nicht wieder abgab, dazu nur vier Schläge Rückstand auf Flight A. Danach zwei überzeugende Lochspielsiege gegen Polen und Italien – und zum Abschluss eine Niederlage, die erst am dritten Extraloch fiel.
Drei Lochspieltage, zwei Siege, neun gewonnene Matches und ein geteiltes: Die deutsche Mannschaft hat auf dem Châteaux-Kurs von Cabot Bordeaux gezeigt, dass der Generationswechsel greift. Der zehnte Platz spiegelt die Leistung dieser drei Lochspieltage nur unvollständig wieder. Vor allem beim Blick auf Gegner wie Italien - und einem Match, dass an einem anderen Tag auch genauso gut in Flight A hätte stattfinden können.
Frankreich krönt Heimspiel
Im Kampf um den Europameistertitel standen sich Gastgeber Frankreich und Belgien gegenüber. Frankreich hatte die Zählspiel-Qualifikation gewonnen und sich im Halbfinale mit 4:1 gegen England durchgesetzt, während Belgien Dänemark mit 3:2 bezwang. Im Endspiel um die europäische Krone blieb die Entscheidung dann deutlich: Die Équipe Tricolore wiederholte ihren Halbfinal-Erfolg und gewann erneut mit 4:1.
Jeder französische Punkt wurde vorzeitig entschieden, darunter ein 7&5-Sieg im Vierer. Nach der souveränen Qualifikation und zwei klaren Erfolgen in den entscheidenden Lochspielen war der Heimsieg Frankreichs hochverdient.
Roggenkämper: „Toll gekämpft, und doch verloren“
Die Bedingungen forderten am Schlusstag noch einmal alle und alles. Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen bis 34 Grad blieb der Wind mit einer leichten Brise aus nordöstlichen Richtungen zwar überschaubar, doch die Hitze über den offenen Bahnen zwischen Heidekraut, Ginster und Weinbergen zehrte an den Kräften – besonders in einem Match, das über 21 Löcher ging.
Jochen Roggenkämper sah nach dem dramatischen Schlussakt vor allem eine Mannschaft, die bis zum letzten Schlag an ihre Chance geglaubt hatte. „Toll gekämpft und doch verloren“, fasste der deutsche Kapitän die Niederlage zusammen. Im Mittelpunkt stand dabei Felix Banzhaf (Frankfurter GC), dessen Einzel gegen Joachim Aslaksen (Norwegen) erst am 21. Loch entschieden wurde.
Banzhaf hatte die letzten fünf regulären Löcher drei unter Par gespielt und Deutschland mit einem Birdie auf der 18 in die Verlängerung gerettet. Am ersten Extraloch teilten beide Spieler mit Par. Auch am folgenden Par 5 brachte ein Birdie beider Kontrahenten keine Entscheidung. Erst am dritten Extraloch verzog Banzhaf seinen Abschlag; Aslaksen nutzte die Gelegenheit und sicherte mit einem sicheren Par den norwegischen Punkt zum 3:2.
„Das Team hat eine super Moral bewiesen und alles gegeben, um heute noch das letzte Match zu gewinnen“, sagte Roggenkämper. Sein Fazit zur Europameisterschaft fiel trotz der verpassten Flight-A-Qualifikation selbstkritisch und zuversichtlich aus: „Wir müssen mehr internationale Turniere spielen, um auf diesem Niveau mithalten zu können. Das Potenzial hat die Mannschaft auf jeden Fall.“
Der Kapitän richtete zudem einen ausdrücklichen Dank an die Gastgeber: „Herzlichen Dank an den französischen Verband, der dieses Top-Resort und vor allem diesen sensationellen Golfplatz zur Verfügung gestellt hat. Es war für alle Teams eine große Freude, auf so einem gepflegten Platz spielen zu dürfen.“










