Deutsche Senioren setzen mit 4,5:0,5 klares Zeichen
Nach den vier Schlägen, die Deutschland am Vortag zum Sprung in die Medaillenrunde gefehlt hatten, hätte die Enttäuschung lähmen können. Stattdessen zeigte die deutsche Auswahl eine überzeugende Reaktion: geschlossen, fokussiert und mit einer Konsequenz, die der klare Endstand deutlich widerspiegelt. Vier gewonnene Matches und ein geteiltes Einzel – mehr Dominanz lässt sich in einer Begegnung mit einem Vierer und vier Einzeln kaum zeigen.
Viele vorzeitige Entscheidungen
Die deutsche Antwort auf die Qualifikations-Enttäuschung nahm früh Fahrt auf – und Thomas Biermann (Frankfurter GC) setzte dabei das erste Ausrufezeichen. Gegen Mariusz Konieczny (Polen) dominierte er sein Einzel von Beginn an und gewann mit 5&4. Der deutlichste Sieg des Tages brachte Deutschland den ersten Punkt und gab der Mannschaft früh das Gefühl, dass dieser Lochspieltag eine andere Geschichte schreiben würde.
Kurz darauf folgte der zweite Zähler. Der vor Biermann spielende Felix Banzhaf (Frankfurter GC) setzte sich gegen Robert Kaminski (Polen) mit 3&2 durch und erhöhte für die deutsche Auswahl auf 2:0. Nach der Zählspiel-Qualifikation, in der Banzhaf mit seiner 72er-Runde am zweiten Tag die beste deutsche Karte gespielt hatte, knüpfte er damit im Matchplay nahtlos an seine Form an.
Den dritten Punkt sicherte der deutsche Vierer. Patrick Koll (Düsseldorfer GC) und Stefan Sachs (GC Kassel-Wilhelmshöhe) behielten gegen Bogdan Bigus und Andrzej Dec (beide Polen) die Kontrolle und gewannen mit Lochgewinn am letzten Grün per 2auf. Damit stand der deutsche Gesamtsieg fest. Doch im Lochspiel geht es manchmal schnell: Nur Momente später ließ Marc Mazur (GSV Düsseldorf) seinem Gegenspieler Jerzy Dudek (Polen) beim 3&2 keine Chance und machte das 4:0 perfekt. Und eine Partie lief sogar noch.
Dort lag Maximilian Rehm (GC Feldafing) in seinem Einzel gegen Mariusz Czerkawski (Polen) in Führung. Weil Deutschlands Gesamtsieg bereits feststand, wurde zu einem Unentschieden erklärt. Der Endstand von 4,5:0,5 ist eindrucksvoll - er unterstreicht die Geschlossenheit, mit der die deutsche Mannschaft auf die verpasste Flight-A-Qualifikation reagiert hat.
Ein Sieg für die Seele
Kapitän Jochen Roggenkämper sah eine Mannschaft, die aus der Enttäuschung des Vortags die richtige Konsequenz gezogen hatte. „Das war heute wirklich erfreulich. Alle Matches waren sicher, und Maximilian Rehm war nach 16 Löchern eins auf. Nachdem der Sieg feststand, wurde das Match geteilt“, sagte Roggenkämper.
Entscheidend war für ihn nicht allein das deutliche Ergebnis, sondern die Haltung seiner Spieler: „Alle Jungs waren super fokussiert und wussten, worum es heute ging. Es war ein sehr erfolgreicher Tag für das Team und vor allem für die Seele. Wir haben uns selber bewiesen, dass wir es können.“ Und noch ein wichtiger Erfolg steht mit dem Sieg fest: Die Gefahr eines Abstiegs in Division B ist ganz klar vom Tisch.
Die Spielbedingungen im Médoc blieben auch an diesem dritten Turniertag sommerlich. Bei Temperaturen um 26 Grad und trockenem Wetter verlangte der Châteaux-Kurs von Cabot Bordeaux weiterhin präzises Spiel vom Tee und Kontrolle bei den Schlägen in die anspruchsvoll verteidigten Grüns. Ein leichter Wind bot im Vergleich zum Vortag zwar keinen dominierenden, aber doch einen ständigen Faktor auf den offenen Bahnen zwischen Kiefern, Heide und Weinbergen.
Klassiker gegen Italien
Im zweiten Platzierungsspiel wartet Italien. Die Italiener setzten sich gegen die Schweiz mit 4:1 durch und gehen mit Selbstvertrauen in das Duell gegen Deutschland. Für Roggenkämper besitzt diese Begegnung ohnehin besondere sportliche Qualität: „Morgen dann der Klassiker gegen Italien. Das hätte auch im Flight A stattfinden können. Wir werden alles geben, um auf jeden Fall noch Platz neun zu erreichen.“
Deutschland startet am Freitag ab 11:18 Uhr gegen Italien. Die individuellen Paarungen stehen zum Redaktionsschluss noch nicht fest, doch die Richtung nach dem starken 4,5:0,5-Erfolg gegen Polen ist klar: Die deutsche Mannschaft will die Woche in Bordeaux nicht nur mit Haltung, sondern mit dem bestmöglichen Resultat abschließen.










