Vier Schläge zu viel: Deutsche Männer verpassen Flight A knapp
Dabei hatte Deutschland nach Rang zehn zum Auftakt genau das geliefert, was nötig war: eine Verbesserung. Die 377 Schläge bedeuteten zwei Zähler weniger als am ersten Tag und brachten die Mannschaft an den Niederlanden vorbei. Doch weil auch Schweden mit einem Mannschaftsergebnis von 376 Schlägen (+21) seine Position verteidigte und Belgien mit 371 Schlägen (+16) vom elften auf den siebten Platz stürmte, blieb für das deutsche Team trotz großer Gegenwehr nur Flight B.
Warten bis zum letzten Putt
Das Besondere an diesem Qualifikationstag: Als die deutschen Männer ihre Runde bereits beendet hatten, war die Entscheidung noch offen. Die letzten Schweden waren einige Zeit nach dem deutschen Schlussspieler Max Rehm (GC Feldafing) gestartet, die deutsche Mannschaft musste den Ausgang der Zählspiel-Qualifikation deshalb ohne eigene Eingriffsmöglichkeit verfolgen. Der Blick richtete sich auf die noch laufenden schwedischen Scorekarten – und damit insbesondere auf Mattias Pernheden (Schweden).
Der schwedische Schlussspieler lieferte genau in dieser Drucksituation eine der stärksten Runden des Tages. Nach einer 76 zum Auftakt spielte Pernheden 71 Schläge (Even Par), verbesserte sich um fünf Schläge und arbeitete sich im Einzelklassement von Rang 55 auf Rang 13 vor. Nach 38 Schlägen auf den ersten neun Löchern drehte er auf den Back Nine auf: 33 Schläge, drei unter Par, darunter Birdies an den Löchern 16 und 17. Mit einem souveränen Par auf der 18 brachte Pernheden seine Runde ins Ziel und sicherte Schweden eine entscheidende Karte auf dem Weg zum Mannschaftsergebnis von 376 Schlägen (+21). So blieb das Team mit vier Schlägen Vorsprung vor Deutschland auf Rang acht – während den Deutschen nur das Zuschauen blieb.
Hohe Leistungsdichte im Feld
Die Bedingungen im Médoc boten erneut eine Bühne für präzises, geduldiges Golf. Bei sommerlichen Temperaturen um 26 bis 29 Grad blieb es trocken; ein leichter Nordwestwind sorgte auf dem offenen Châteaux-Kurs von Cabot Bordeaux für durchaus kontrollierbare Verhältnisse. Dennoch zeigte sich einmal mehr, wie schnell einzelne Fehler auf dem Par-71-Platz in der Teamwertung Gewicht bekommen können.
Vorn behauptete Gastgeber Frankreich mit 732 Schlägen (+22) die Führung der Zählspiel-Qualifikation. Finnland erzielte mit 365 Schlägen (+10) das beste Mannschaftsergebnis des Tages und zog mit 735 Schlägen (+25) noch an Schottland vorbei, das mit 736 Schlägen (+26) Dritter wurde. Titelverteidiger Irland (743, +33), England (744, +34), Dänemark (747, +37), Belgien (751, +41) und Schweden komplettieren Flight A.
Für Deutschland ist das Ergebnis besonders bitter, weil der Rückstand auf die Medaillenrunde überschaubar blieb: Vier Schläge nach 36 Löchern, fünf zählende Karten pro Tag und 180 Löcher in der Wertung. In dieser Rechnung können ein Putt weniger, ein besser gerettetes Par oder ein vermiedenes Bogey die Grenze zwischen Flight A und Flight B verschieben.
Banzhaf setzt das Ausrufezeichen
Felix Banzhaf (Frankfurter GC) spielte die stärkste deutsche Runde des Tages. Seine 72 (+1) war vier Schläge besser als am Vortag und führte ihn im Einzelklassement mit insgesamt 148 Schlägen (+6) auf den geteilten 24. Rang. Thomas Biermann (Frankfurter GC) brachte mit 74 Schlägen (+3) die zweite Frankfurter Tagesrunde in die Wertung und bleibt mit 147 Schlägen (+5) als geteilter 14. bester Deutscher in der Einzelwertung.
Stefan Sachs (GC Kassel-Wilhelmshöhe) bestätigte seine Stabilität mit einer 75 (+4). Marc Mazur (GSV Düsseldorf) zeigte dabei die zwei Seiten eines bewegten Tages: Nach einer 31 auf den ersten neun Löchern (-4) kosteten ihn die Back Nine 46 Schläge, am Ende stand eine 77 (+6). Seine Karte zählte ebenso wie die 79 (+8) von Patrick Koll (Düsseldorfer GC). Die ebenfalls 79 Schläge (+8) des amtierenden deutschen AK-50-Meisters Maximilian Rehm (GC Feldafing) waren das Streichergebnis.
An der Spitze der Einzelwertung setzte sich Morten Findsen Schou (Dänemark) mit einer famosen 67er-Runde (-4) deutlich ab. Der Däne führt bei 137 Schlägen (-5) fünf Schläge vor Marko Helén (Finnland) und Nicolas Bauer (Frankreich), die jeweils mit 142 Schlägen (Even Par) auf Rang zwei liegen. Auch Bernhard Wolfberger (Österreich), nach der ersten Runde noch Spitzenreiter, musste die Härte dieses zweiten Tages erfahren: Nach seiner 69 zum Auftakt rutschte er mit einer 84 auf Rang 54 ab.
Ein neuer Auftrag
Die Enttäuschung war bei Jochen Roggenkämper nach dem knappen Verpassen von Flight A deutlich spürbar. Zugleich suchte der Kapitän keine Ausreden und nahm sich und die Mannschaft in die Verantwortung: „Es hat mal wieder nicht gereicht. Aber auf schlechte Schläge von den Schweden zu hoffen, ist eben keine gute Idee, wenn wir weiterkommen wollen. Wir müssen uns selber an die Nase fassen und analysieren, woran es gelegen hat. Nichtsdestotrotz haben wir jetzt noch drei Lochspieltage vor uns und werden Vollgas geben.“
Der Traum vom Flight A ist verpasst, die Europameisterschaft aber nicht vorbei. Deutschland trifft nun in Flight B im ersten Matchplay auf Polen. Der Tabellenneunte der Zählspiel-Qualifikation geht gegen die als 16. gesetzten Polen gefühlt als Favorit ins Duell, doch die Logik des Lochspiels lässt sich nicht in Schlagdifferenzen übersetzen. Ein Vierer und vier Einzel entscheiden darüber, wie es weitergeht. Immerhin: es geht einerseits um Platz neun. Und es geht andererseits gegen den Abstieg.
Für Roggenkämpers Mannschaft gilt es, die enge Qualifikation nicht als Endpunkt zu betrachten. Vier Schläge entschieden gegen Deutschland. Jetzt aber zählt nicht mehr das Rechnen, sondern der direkte Vergleich: Vierer, Einzel, jedes Loch – und die Chance, die Woche im Médoc mit Kampfgeist und einem starken Mannschaftsgefüge zu prägen.








