Europameister! Deutschlands Midamateur-Frauen holen Gold
Es gibt Momente, die ein Turnier für immer festhalten. Dieser hier gehört dazu. Vivienne Bühle (Stuttgarter GC Solitude) stand am 16. Grün, spielte ihr Match gegen Norena Lueje (Spanien) mit einem geteilten Loch und dem Endstand von 3&2 zu Ende und macht damit den dritten Punkt. Mehr brauchte die deutschen AK-25-Frauen nicht. Aus vier Turniertagen im österreichischen GC Föhrenwald wurde europäisches Gold.
Die Bilanz des Finaltags: 3:2 gegen Spanien. Und wer die Woche verfolgt hat, weiß, dass dieser Titel nicht aus dem Nichts kam. Deutschland war als Zweiter der Qualifikation ins Lochspiel gegangen, hatte im Halbfinale erstmals überhaupt Frankreich geschlagen und die Finalniederlage des Vorjahres damit korrigiert. Was noch fehlte, war der letzte Schritt.
Der Stutttgart-Vierer legt vor
Genau diesen Schritt ging das Team konsequent. Im ersten Vierer schlugen die beiden Clubkameradinnen Bühle und Alena Oppenheimer (Stuttgarter GC Solitude) das spanische Duo Irene Rollan (Spanien) und Ane Urchegui (Spanien) mit 2&1. Es war die Fortsetzung ihres Halbfinal-Auftritts, in dem die beiden Frankreich mit 4&2 keine Chance gelassen hatten.
Der zweite Vierer ging allerdings denkbar knapp verloren. Annabelle Sapper (Münchener GC) und Maria Anetseder (GC Starnberg) unterlagen der erfahrenen AK-50-Spielerin Macarena Campomanes (Spanien) und der schon erwähnten Lorena Lueje mit einem Loch Rückstand. 1:1 nach den Vierern, alles offen für die drei Einzel.
Oppenheimer spielt Spanien schwindelig
Was dann folgte, war die eindrucksvollste Runde des deutschen Turniers. Alena Oppenheimer ließ Irene Rollan keine Luft. Nach sechs Löchern führte sie mit vier Löchern Vorsprung, nach zwölf Löchern war das Match beendet: 8&6. Deutlicher kann man ein EM-Finale nicht gestalten.
Damit stand es 2:1, und der Blick richtete sich auf die beiden noch laufenden Duelle. Die nächste Entscheidung fiel erneut für das spanische Team. Denn Annabelle Sapper verlor ihr Einzel gegen Ane Urchegui mit 4&3, doch das war letztendlich ohne Bedeutung. Denn etwas weiter vorne an Bahn 16 deutete sich die Entscheidung an: Bühle hatte gegen Lueje von Beginn an geführt, nach sechs Löchern zwei, später drei Löcher Vorsprung. Sie ließ auch im späten Verlauf ihres Duells nichts mehr zu und beendete die Meisterschaft dort, wo die deutschen Farben schon eine Woche lang standhaft waren: auf dem Grün.
Und auch wenn der Titel unbedingt eine Leistung des gesamten Teams war und ist, so soll doch kurz erwähnt werden, dass es an diesem Finaltag allen voran die Punkte der Solitude-Spielerinnen waren, die den Sieg brachten.
Die Bedingungen kamen den Deutschen entgegen. Nach dem stürmischen Dauerregen des Halbfinaltags zeigte sich der Finaltag deutlich ruhiger. Am Morgen lagen die Temperaturen bei nur 11 bis 13 Grad, später wurden es noch um die 20 Grad Celsius, der Wind blieb schwach. Der Platz war nach dem Wasser der Vortage weiter lang, die Bälle rollten kaum. Wer Löcher gewinnen wollte, musste sie sich erarbeiten.

Der Weg zum Titel
Rückblickend war es eine Woche der Wendungen. Irland dominierte die Qualifikation, gewann sie mit 430 Schlägen und zwei unter Par und schien der Maßstab zu sein. Jessica Ross führte die Einzelwertung mit 135 Schlägen und neun unter Par klar an. Doch im Halbfinale war es Spanien, das die Irinnen mit 3:2 aus dem Titelrennen warf.
Deutschland dagegen wuchs mit jedem Tag. Nach Rang sieben am Eröffnungstag folgte am 2. Turniertag eine 214er-Runde, die einzige unter Par an diesem Tag, und der Sprung auf Platz zwei der Qualifikationstabelle. Dann das 3:2 gegen Frankreich - und die Heilung eines über zwei Jahre gewachsenen Traumas. Und nun das 3:2 gegen Spanien.
Kapitänin Rachel de Heuvel (GC Olching) hatte nach dem Halbfinale gesagt, dass sie unfassbar stolz auf dieses Team sei und der Teamspirit sensationell gewesen sei. Selbst die Französinnen hätten der Mannschaft bestätigt, so stark zu sein wie noch nie. Vor dem Finale kündigte sie an, den Titel nach Deutschland holen zu wollen. Genau das ist geschehen.
Im Spiel um Bronze siegt Frankreich, die bisherige Übermannschaft in der Geschichte dieses Turniers, mit 3:2 gegen Irland. Jessica Ross (Irland), die Siegerin der Einzelwertung, hat über die zwei Lochspieltage drei ihrer vier Punkte sichern können. Doch am Ende haben die Qualifikations-Überfliegerinnen von der grünen Insel beide Matchplays verloren - auch wenn gerade die Niederlage in diesem kleinen Finale so knapp war wie es nur geht: Im letzten noch laufenden Duell siegte die Französin Pauline Stein per Stechen am zweiten Extraloch gegen Aideen Walsh.
Hart erarbeiteter Stolz
Einen Tag nach dem Titel ist die Freude bei Rachel de Heuvel ungebrochen. „Das war wirklich wieder ein unglaublicher Tag. Das Match gegen Spanien war sehr eng, wirklich sehr eng", blickt die Kapitänin auf den Finaltag zurück. „Morgens im Vierer haben Alena und Vivienne eine starke Leistung abgerufen, das war sehr souverän."
Der zweite Vierer hätte fast ebenso gut ausgehen können. „Annabelle und Maria hatten hier und da ein bisschen Pech, auch auf den Grüns. Sie haben die entscheidenden Putts nicht gelocht, mussten deshalb auf die 18 und haben dort dann leider mit einem Loch verloren."
Was danach passierte, nahm dem Rückschlag jede Bedeutung. „Alena hat die Spanierin quasi zerlegt, das war eine echte Klatsche. Und Vivienne hat vorne brutal souverän und ruhig ihren Stiefel runtergespielt. Dementsprechend war relativ früh klar, dass das in die richtige Richtung geht, wenn nicht noch etwas gravierend schiefläuft. Und das ist nicht passiert."
Auch Annabelle Sapper bekommt ihren Anteil. „Sie war hinten wieder ein bisschen unglücklich auf den Grüns, hat aber auch gegen die stärkste Spanierin gespielt und konnte ihr Match am Ende Gott sei Dank einfach absenken."
Bleibt das Bild eines Teams, das über vier Turniertage zusammengewachsen ist. „Wir sind alle vollkommen überrascht und noch total überglücklich. Ich bin unfassbar stolz auf die Mädels, wie sie das Ding runtergerockt haben. Und vor allem, wie souverän und entspannt Vivi die ganzen Tage gespielt hat – im Zählspiel wie im Lochspiel. Sie hat alle Punkte geholt, und das war natürlich der Grundstein zum Erfolg."
Der Blick geht schon weiter, auch wenn zunächst gefeiert wird. „Jetzt haben wir den Titel, und jetzt werden wir es genießen. Nächstes Jahr ist die Meisterschaft in Ungarn. Wir werden definitiv wieder antreten und dann, je nachdem mit welchem Team, natürlich versuchen, den Titel zu verteidigen."









