Bittere Schlusslöcher: Deutschlands AK-25-Männer verpassen Platz fünf
Es gibt Niederlagen, die passieren. Dann gibt es Niederlagen, die weh tun. Und es gibt solche wie diese. Deutschlands Midamateure standen am Finaltag im GC Föhrenwald kurz davor, ihr eng geführtes Duell mit Frankreich zu drehen. Nach 17 gespielten Löchern führte Stefan Wiedergrün (Frankfurter GC) in seinem Einzel mit einem Loch Vorsprung. Cedric Otten (GC Hubbelrath) tat es ihm gleich. Selbst der Vierer war bis auf ein Loch herangekommen. Die Rechnung hätte zu diesem Zeitpunkt 2:1 für Deutschland gelautet. Doch es kam anders.
Ein Match in drei Akten
Dabei hatte dieses Spiel um Platz fünf zunächst ganz anders ausgesehen. Am frühen Nachmittag lag Deutschland in allen drei Partien zurück. Philipp Westermann (Hamburger GC) und Frederik Strünker (GC Hubbelrath) gerieten gegen Pierre Tillement (Frankreich) und Matthis Lefevre (Frankreich) nach neun Löchern mit drei Löchern ins Hintertreffen. Otten lag ebenfalls zwei Löcher hinten, Wiedergrün eines.
Doch der zweite Akt gehörte den Deutschen. Wiedergrün drehte seine Partie gegen Maxime Leclerc (Frankreich) komplett und führte nach 15 Löchern mit drei Löchern Vorsprung - was für eine Aufholjagd! Westermann und Strünker arbeiteten sich ihrerseits Loch für Loch heran, Otten blieb gegen Christopher de Grancey (Frankreich) auf Tuchfühlung. Was zunächst nach einem klaren französischen Sieg aussah, wurde zu einem offenen Kampf um jede einzelne Bahn.
Der dritte und letzte Akt dauerte nur wenige Löcher, und er gehörte Frankreich. Auf den Schlussbahnen fand das französische Team die Antworten, die Deutschland an diesem Tag fehlten. Aus drei Löchern Vorsprung wurde für Wiedergrün ein Match, das ins Stechen ging und dort verloren ging. Der Vierer musste sich am 18. Grün beugen. Und nach dem an dieser Stelle feststehenden Sieg wurde Ottens Punkt geteilt. Frankreich belegt Platz fünf, Deutschland Rang sechs. Endstand: 0,5:2,5.
Irland krönt seinen dominanten Auftritt
Die Bedingungen waren dabei eher freundlich. Nach dem Regen des Vortages blieb es am Finaltag trocken, der Wind war schwach, die Temperaturen zunächst kühl - dann bis zu 20 Grad Celsius. Deutschland ging als letztes Match ab 14.12 Uhr auf die Runde. Der Platz aber blieb nach dem Wasser der Vortage eher lang. Die Bälle rollten nach der Landung kaum, die Schläge ins Grün bissen sich fest.
Der Titel ging an das Team, das die Woche von Beginn an prägte. Irland gewann das Endspiel gegen Gastgeber Österreich mit 3:2. Zuvor hatten die Iren schon die Qualifikation mit 409 Schlägen und 23 unter Par klar für sich entschieden.
Für Österreich bleibt Silber und ein bemerkenswertes Abschneiden. Markus Habeler (Österreich), Europameister der Midamateure von 2024 und im GC Föhrenwald golferisch zuhause, führte die Einzelwertung nach den beiden Zählspielrunden mit 132 Schlägen und zwölf unter Par an. Im Finale gewann er seinen Vierer gemeinsam mit Christopher Dlaska mit 4&2 sowie sein Einzel mit 3&2. Für den Titel reichte es dennoch nicht, weil Irland die Punkte davor gemacht hatte. Bronze holten die Niederlande mit einem klaren 4,5:0,5 gegen Finnland.

Eine wilde Woche - und der Blick nach vorn
Für das deutsche Team bleibt eine Woche mit vielen guten Ansätzen. Am Eröffnungstag stand die Mannschaft mit 207 Schlägen und neun unter Par auf Rang drei, getragen von Ottens 67er-Runde. Nach der zweiten Runde fehlten bei 423 Schlägen nur zwei Schläge auf den Championship Flight. Im Halbfinale des zweiten Flights gewann Deutschland 2:1 gegen Belgien, hier hatte Wiedergrün mit einem 20-Meter-Putt an der 17 den Sieg gesichert.
Vor dem Finale hatte der Kapitän angekündigt, alles geben zu wollen, um Platz fünf abzusichern. Die Mannschaft hielt sich daran, bis zu den letzten Löchern. Das Team zeigte eine Bissigkeit und einen Kampfgeist, als wenn es um Gold gegangen wäre. Die Substanz ist da, die Schlusslöcher werden in Erinnerung bleiben. Und nächstes Jahr ist die nächste Chance.
„Immer ein bisschen knapp daneben"
Stefan Wiedergrün nimmt sich nach dem Turnierende Zeit für eine Einordnung – und beginnt mit einem Kompliment an die sportlichen Kolleginnen. „Die Frauen haben natürlich super gespielt", sagt der Kapitän. „Bei uns war es diese Woche irgendwie immer ein bisschen knapp daneben."
Zwei Zahlen stehen für dieses Gefühl. „Wir hatten das Spiel gegen Belgien gewonnen, aber es war voll schade, dass wir vorher mit zwei Schlägen am vierten Platz vorbeigeschrammt sind. Damit hätten wir um die Medaillen mitspielen können." Und dann der Finaltag: „Auch gegen Frankreich war es letztendlich ganz knapp. Am Ende ging uns ein bisschen die Puste aus, da hätten wir das Ding auch noch holen können."
Dass gerade der letzte Tag hängen bleibt, weiß er. „Das ist ein bisschen schade und ein bisschen enttäuschend, vielleicht auch, weil es der letzte Tag ist. Den nimmt man ja gern noch mit in den Rest des Jahres."
Trotzdem fällt seine Bilanz positiv aus. „Insgesamt war es doch eine gute Woche, die wir da geliefert haben. Wir nehmen sehr viel mit und haben viel gelernt. Die Jungs haben das richtig gut gemacht." Nach der Vizeeuropameisterschaft des Vorjahres sieht er in der Woche von Föhrenwald sogar eine nützliche Lehre: „Vielleicht ist ein bisschen Demut ganz gut. Es geht nicht immer nach oben, es läuft nicht immer."
Der Blick nach vorn ist entsprechend klar. „Nächstes Jahr starten wir von neuem, geben wieder Gas, und dann reicht es hoffentlich wieder unter die Top vier und hoffentlich auch wieder zu einer Medaille. Nächstes Jahr greifen wir wieder voll an."









