Deutsche AK-25-Frauen stürmen ins Halbfinale
Einziges Teamergebnis unter Par
214 Schläge, zwei unter Par: Was das deutsche Team bei Nieselregen und windstillen 19 Grad ablieferte, schaffte am Donnerstag keine andere Nation. Zum Vergleich die weiteren Top-Nationen: Frankreich kam auf +6, Spanien und Irland auf +8, Belgien auf +10. Deutschland verbesserte sich damit um fünf Plätze und liegt nun mit 441 Schlägen auf Rang zwei.
Nur Irland hat noch besser abgeschnitten. Die Führenden verloren mit einer 224 (+8) zwar reichlich Boden, ihr Vorsprung aus Runde eins war jedoch groß genug: 430 Schläge (-2) bedeuten noch immer elf Zähler Abstand zu Platz zwei. Frankreich (443; +11) und Spanien (445; +13) folgen auf den Plätzen drei und vier. Belgien rutscht um insgesamt drei Ränge ab und verpasste den Championship Flight als Fünfter um einen einzigen Schlag (446; +14).
Die Spielbedingungen hatten sich über Nacht komplett gedreht. Nach über 30 Grad und Schwüle am ersten Turniertag fiel die Temperatur auf rund 19 Grad, dichte Wolken hingen über der Anlage, und es nieselte über weite Strecken. Weil der Wind fehlte, war der Platz zwar lang, aber berechenbar – und genau das nutzten die deutschen Midamateur-Frauen mit konsequent gespielten Fairways und Grüns.
Bühle führt, Sapper schliesst ab
Vivienne Bühle (Stuttgarter GC Solitude) spielte mit einer 71 (-1) eine der beiden besten deutschen Runden. Nach einem durchwachsenen Start drehte sie nach dem Turn auf: 33 Schläge auf den Back Nine, mit Birdies an Loch 12, 14 und 15. In der Einzelwertung liegt sie damit auf dem geteilten vierten Platz. Maria Anetseder (GC Starnberg), die amtierende deutsche AK-30-Meisterin, quittierte denselben Score. Nach Even Par auf den Front Nine gelangen ihr an den Bahnen 13 und 14 zwei Birdies in Serie, am Ende stand ebenfalls eine 71.
Die Geschichte des Tages schrieb aber Schluss-Spielerin Annabelle Sapper (Münchener GC). Nach ihrer 81 zum Auftakt, in der sie an Loch 6, einer Par-3-Bahn, eine 10 verdauen musste, ging sie diesmal fehlerfrei durch die ersten neun Löcher: neun Pars, 37 Schläge. Auf den Back Nine glich sie zwei Bogeys mit späten Birdies an den Löchern 16 und 17 aus und unterschrieb eine sehr wertvolle 72 (Even Par).
Alena Oppenheimer (GC Main-Taunus) sorgte für den spektakulärsten Einzelmoment. An der 454 Meter langen 15. Bahn notierte sie ein Eagle. Ihre 73 wurde am Ende zum Streichresultat – ein Beleg dafür, wie geschlossen und stark die deutsche Mannschaft auftrat. Insgesamt sammelte das deutsche Quartett ab Bahn 12 ganze sieben Birdies und ein Eagle – der Schlussspurt, der den Sprung nach vorn absicherte.
Ross bleibt uneinholbar
In der Einzelwertung bleibt Jessica Ross (Irland) das Maß. Nach ihrer 66 zum Auftakt folgte eine 69, mit 135 Schlägen und neun unter Par führt sie mit neun Schlägen Vorsprung. Dahinter teilen sich Ane Urchegui (Spanien) und Pauline Stein (Frankreich) mit je 144 den zweiten Platz. Bühle verbessert sich um elf Ränge und liegt als geteilte Vierte nur zwei Schläge hinter den Podestplätzen, Anetseder und Oppenheimer folgen auf dem geteilten zehnten Rang. Sapper verbesserte sich um 15 Plätze auf den geteilten 22.

Halbfinale gegen Frankreich
Am dritten Turniertag beginnt nun das Lochspiel, und die Rangfolge aus dem Zählspiel bestimmt die Paarungen. Als Zweiter trifft Deutschland auf den Dritten Frankreich, im anderen Halbfinale spielt Irland gegen Spanien. In diesem Championship Flight wird das lange Format gespielt: zwei Foursomes und drei Einzel, insgesamt werden fünf Punkte ausgespielt. Wer mehr als 2,5 Punkte holt, steht am Finaltag im Goldmatch. Die Verliererinnen der Halbfinals spielen um Bronze.
Der direkte Vergleich verspricht Spannung. Frankreich ist eine notorisch starke Turniermannschaft, war nach Runde eins noch drei Schläge besser als Deutschland, verlor am Donnerstag aber acht Schläge auf das deutsche Team. Die vier Französinnen stehen in den Top-25 der Einzelwertung, angeführt von Pauline Stein. Deutschland kontert mit drei Spielerinnen in den Top Ten der Einzelwertung. So oder so ist klar: Frankreich ist der große Maßstab dieser noch jungen Meisterschaft. Die Equipe Tricolore gewann 2024 den Titel mit einem 4:1 im Finale gegen Belgien; ein Jahr später standen sich Frankreich und Deutschland im Endspiel gegenüber - auch diesen Durchgang entschieden die Französinnen für sich.
Rachel de Heuvel hat ihr Team jedenfalls genau dorthin geführt, wo zählt. Und ab jetzt zählt kein Score mehr, sondern jedes einzelne Loch. Die Süddeutsche stand nach der Runde mit einem Lächeln neben dem 18. Grün. „Ein verrückter Tag heute, aber ein guter Tag", sagte die Non-Playing-Captain. Der Eröffnungsspieltag war ihr noch präsent: „Gestern haben die Mädels nicht die Performance gezeigt, die sie können, besonders auf den Grüns lief es nicht gut. Wir haben das nach der Runde sehr sachlich und neutral analysiert. Es war klar: Wenn wir heute als Team alle Par oder unter Par spielen, dann schaffen wir den Sprung unter die Top vier."
In matchplay we trust
Genau das geschah – und die Kapitänin fand dafür deutliche Worte. „Da bin ich tatsächlich mega stolz auf die Mädels, weil sie es so abgerufen haben, wie sie es können." Geholfen habe dabei ausgerechnet das Wetter. „Auf den ersten Löchern hatten wir Fritz-Walter-Wetter: Es hat geregnet, es war kein Wind. Sie haben ganz klar Fairways und Grüns gespielt, und der eine oder andere Putt ist früh gefallen, vielleicht auch zu einem hart erkämpften Par. Das hat dem Selbstbewusstsein gutgetan."
Besonders das Finish gefiel ihr. „Schön war zu sehen, dass auf den letzten Löchern die Birdies gefallen sind. Da war klar, dass wir das Heft in der Hand haben und diese Top vier aus eigener Kraft erreichen." Dass die Konkurrenz gleichzeitig Schläge liegen ließ, nannte sie das nötige Glück des Tages.
Vor dem Halbfinale gegen Frankreich verweist de Heuvel auf ein Déjà-vu. „Morgen geht es wieder gegen Frankreich, dieses Mal nicht im Finale, sondern im Halbfinale wie im ersten Jahr 2024. Im Lochspiel werden die Karten neu gemischt." Ihr Gefühl ist gut: „Ich glaube, dass wir das Momentum auf unserer Seite haben, und die Stimmung im Team ist wunderbar. Alles ist möglich. Wir freuen uns, dass wir den Sprung unter die Top vier geschafft haben und jetzt wieder um eine Medaille und vielleicht auch um den Pott kämpfen können."
Ein Wort hatte sie auch für die Männer, die den Championship Flight um zwei Schläge verpassten. „Sehr schade, sie konnten das Spielniveau vom ersten Tag nicht ganz halten. Aber sie haben uns am Ende kräftig unterstützt und angefeuert. Man merkt einfach, dass wir hier eine sehr gute Truppe zusammen sind."








