Zwei Schläge fehlen zum Medaillenrennen
Kühler Tag, große Verschiebungen
Der zweite Zählspieltag brachte völlig andere Bedingungen als der Auftakt. Statt Hitze und Schwüle lagen dichte Wolken über dem Platz, die Temperatur fiel auf rund 19 Grad, und es nieselte oder regnete über weite Strecken. Der Wind war dafür verschwunden. Der nasse Platz spielte sich deutlich länger, an vielen Löchern brauchte das Feld ein bis drei Schläger mehr ins Grün.
Die deutschen Männer spielte an diesem zweiten Tag 216 Schläge und damit exakt Par. Die Niederlande legten ihrerseits allerdings eine 208 (-8) hin, Finnland eine 211 (-5) - beide Teams zogen an den Bundesadlern vorbei. An der Tabellenspitze hingegen blieben die Hausherren aus Österreich mit einer 212 (-4) stabil. Und die Iren scheinen in diesem Turnier ohnehin in ihrer ganz eigenen Liga zu spielen: lediglich 204 Schläge benötigten sie und kamen mit zwölf Schlägen unter Par vom Platz zurück.
Am Ende steht Deutschland also mit 423 Schlägen (-9) auf Rang fünf der Qualifikationstabelle. Das ist der wohl unglücklichste Platz, den man einnehmen kann. Dazu kommt: Nur zwei Schläge fehlen dem Team um Stefan Wiedergrün (Frankfurter GC) auf Finnland (421), das den vierten und letzten Platz belegt, um weiter im Medaillenrennen zu bleiben.
Otten erneut richtig stark
Dabei war Cedric Otten (GC Hubbelrath) erneut der stärkste Deutsche. Mit vier Birdies auf den Front Nine, drehte er in 34 Schlägen. Auf dem Rückweg wechselten sich Birdies und Bogeys ab, doch mit einer 70 (-2) und 137 Schlägen bleibt er als geteilter Sechster der Einzelwertung die deutsche Konstante und der einzige Deutsche, der an diesem zweiten Turniertag unter Par spielte.
Stefan Wiedergrün (Frankfurter GC) und Frederic Strünker (GC Hubbelrath) unterschrieben beide eine 73 – und das auf verblüffend ähnliche Weise. Beide gaben auf den Front Nine zwei Schläge ab und beide spielten die Back Nine in 34 Schlägen, jeweils mit einem Birdie am 18. Loch. Wiedergrün liegt nach zwei Runden auf dem geteilten 14. Platz, Strünker auf dem geteilten 21 der Einzelwertung.
Philipp Westermann (Hamburger GC) kam auf 75 Schläge, sein Ergebnis war erneut das Streichresultat. Bitter war das Finish: Nach einem Birdie an Bahn 16 kassierte der Norddeutsche zum Rundenabschluss ein Doppelbogey.
Irland macht Ernst
An der Spitze zog Irland wie schon erwähnt davon. Keith Egan und David Howard spielten je eine 67, dazu kam Gerard Dunnes 70. Das Tagesergebnis liegt bei sagenhaften 204 Schläge und zwölf unter Par. Mit 409 Schlägen (-23) gehen die Iren mit acht Schlägen Vorsprung in das Lochspiel.
Gastgeber Österreich hielt mit 212 Schlägen den zweiten Rang (417; -15), verlor aber im Vergleich zum Vortag Boden. Vor allem Paul Kamml erwischte einen schweren Tag: Nach seiner 69 zum Auftakt notierte er eine 79. Die Niederlande verbesserten sich mit ihrer 208 um drei Positionen auf Rang drei (419), Finnland um eine auf Rang vier (421).
In der Einzelwertung bleibt Markus Habeler (Österreich) die Nummer eins. Der Hausherr des GC Föhrenwald legte nach seiner 64 eine 68 nach und führt mit 132 Schlägen und zwölf unter Par klar vor Egan und Seve Prins (Niederlande), die bei 135 liegen.

Am Freitag beginnt das Lochspiel
Nach der nun abgeschlossenen Zählspiel-Qualifikation steht die Rangfolge für die vier Lochspiel-Flights. Deutschland spielt als Fünfter der Qualifikation im zweiten Flight. Dort geht es um die Plätze fünf bis acht. Wiedergrüns Adler treffen an diesem ersten Lochspieltag auf Belgien, das die Qualifikation auf Platz acht beendet hat. Im zweiten Duell dieses Flights stehen sich Italien und Frankreich gegenüber.
Im Championship Flight geht Irland gegen Finnland ins Rennen, Österreich gegen die Niederlande. Hier werden in zwei Vierern und drei Einzeln insgesamt fünf Punkte ausgespielt. Die Sieger dieser beiden Halbfinals spielen am Samstag um Gold, die Verlierer um Bronze. Für Deutschland gilt im zweiten Flight das kürzere Format: ein Foursome und zwei Einzel, 1,5 Punkte reichen zum Sieg.
Das große Ziel ist an diesem zweiten Qualifikationstag tragisch-knapp verloren gegangen, das Turnier aber nicht. Wer im zweiten Flight beide Lochspieltage gewinnt, beendet die EM als Fünfter – bei der hier vertretenen hohen Leistungsdichte wäre das ein erstklassiges Ergebnis.
Hier spricht der Kapitän
Stefan Wiedergrün nahm die zwei fehlenden Schläge mit der Nüchternheit eines Kapitäns, der weiß, wie schmal die Margen sein können. „Natürlich ist es ein bisschen schade", sagte er nach der Runde. „Gestern haben wir wirklich alle sehr solide gespielt. Heute war es auch solide, aber bei jedem ein, zwei Schläge schlechter. Insgesamt war es eine geschlossene Mannschaftsleistung, leider auf einem etwas schlechteren Niveau als gestern."
Für den Playing-Captain lag ein Grund dafür in den völlig veränderten Verhältnissen. „Die Bedingungen waren heute tatsächlich ein bisschen schwieriger. Es hat meistens genieselt oder geregnet, dafür war der Wind weg. Der Platz hat sich schon deutlich anders gespielt: An vielen Löchern waren es ein, zwei, drei Schläger mehr ins Grün." Darauf müsse man sich erst einstellen, und das habe man dem Feld auch angesehen. „Ich glaube, wir sind damit am Ende trotzdem ganz gut zurechtgekommen."
Dass die Trennlinie zum Medaillenrennen genau vor Deutschland verlief, will Wiedergrün nicht zerreden. „Zwei Schläge – da weiß natürlich jeder, wo er sie irgendwo findet. Aber am Ende wird die Linie nach dem Vierten gezogen, und wir sind Fünfter."
Bleibt also das Ziel, diesen Rang auch zu behaupten. „Wir geben morgen gegen Belgien Gas, geben alles und schauen, dass wir das Match gewinnen. Am Samstag spielen wir dann zumindest den kleinen Trost um Platz fünf aus." Sein Fazit klingt nach einem Team, das mit dem Kopf schon wieder auf dem ersten Abschlag steht: „Wir sind trotzdem guter Dinge und motiviert, dass wir das gut zu Ende bringen."








