Die 21er-Challenge: Neun Bälle für ein besseres kurzes Spiel
Mal ehrlich: Wie sieht Ihr Kurzspieltraining aus? Zehn Bälle aus derselben Lage aufs Grün chippen, anschließend alle wieder einsammeln und das Ganze von einer anderen Position wiederholen? So können Sie Ihr Spiel zwar vielleicht auch verbessern, viel Ähnlichkeit mit einer Golfrunde hat diese Form des Übens allerdings nicht. Auf dem Platz haben Sie schließlich keine zehn Versuche hintereinander aus perfekter Lage.
Dave Phillips setzt deshalb auf eine andere Form des Trainings. „Ich bin ein großer Verfechter davon, das Training spielerisch zu gestalten“, sagt der PGA Golf Pro im Video des Ausrüsters Titleist (s.u.). Seine Übung heißt „21“ und verlangt Ihnen rund ums Grün ziemlich genau das ab, was später auch auf dem Platz gefragt ist: unterschiedliche Schläge, Entscheidungen, Routinen.
Neun Bälle, neun Aufgaben
Sie benötigen neun Golfbälle. Statt diese ordentlich nebeneinander zu positionieren, verteilen Sie sie möglichst zufällig rund um ein Übungsgrün. Werfen Sie einen Ball in Richtung Bunker, einen anderen ins Rough, weitere an unterschiedliche Stellen in Grünnähe. Phillips empfiehlt sogar, einen Trainingspartner die Bälle verteilen zu lassen. Schließlich neigt man selbst dazu, sich unbewusst eher angenehme Aufgaben zu stellen. Danach beginnt das Spiel. Suchen Sie den ersten Ball und versuchen Sie, ihn mit möglichst wenigen Schlägen einzulochen. Je nach Lage kann dafür ein Chip, Pitch oder Bunkerschlag erforderlich sein. Liegt der Ball unmittelbar neben dem Grün und lässt es die Grasnarbe zu, kann auch der Putter die bessere Wahl sein. Phillips erklärt: „Sie wollen auf dieselben Situationen treffen, die Ihnen auch auf dem Golfplatz begegnen.“
Warum das Spiel „21“ heißt
Das Zählen ist denkbar einfach: Jeder Schlag zählt – vom ersten kurzen Schlag bis zum letzten Putt. Gelingt Ihnen bei allen neun Bällen ein sogenanntes Up-and-down, also Schlag aufs Grün und anschließend ein Putt, benötigen Sie lediglich 18 Schläge. Phillips bezeichnet das als außergewöhnlich gutes Ergebnis. Das eigentliche Ziel der Challenge sind jedoch 21 Schläge. Die Idee dahinter: Bei sechs der neun Aufgaben erreichen Sie das Loch mit zwei Schlägen, bei drei Bällen benötigen Sie jeweils einen zusätzlichen Versuch. Das entspricht einer Erfolgsquote von rund 66 Prozent, die Phillips in diesem Zusammenhang als Orientierung für Tour-Niveau nennt. Für die erste Trainingseinheit setzt er die Messlatte allerdings bewusst niedriger: „Ich erwarte nicht, dass Sie das beim ersten Mal schaffen“, sagt er.
Entscheidungen treffen – wie auf der Runde
Der eigentliche Reiz der Übung liegt nicht allein im Ergebnis. Jeder Ball stellt eine neue Aufgabe. Aus dem Bunker brauchen Sie möglicherweise viel Höhe, vom Vorgrün können Sie putten, aus tieferem Rough ist wieder eine andere Lösung gefragt. Damit trainieren Sie nicht bloß die Bewegung, sondern auch die Entscheidung vor dem Schlag. Welcher Schläger ist sinnvoll? Welche Flugkurve sollten Sie spielen? Wo soll der Ball landen? Und wie viel Risiko ist tatsächlich notwendig? Wichtig ist Phillips außerdem, jeden Versuch so zu behandeln wie einen Schlag auf dem Platz. Gehen Sie deshalb Ihre normale Routine durch, statt die Bälle im Übungsmodus möglichst schnell hintereinander wegzuschlagen.
So wird die Challenge schwieriger – oder einfacher
Sobald 21 Schläge regelmäßig in Reichweite kommen, können Sie den Schwierigkeitsgrad erhöhen. Platzieren Sie Bälle in tiefem Rough, spielen Sie aus Bergauf- und Bergablagen oder wählen Sie Positionen, von denen aus das Grün seitlich abfällt. Auch längere Putts können Teil der neun Aufgaben werden. Anfänger wiederum dürfen zunächst einfachere Positionen wählen. Entscheidend ist nicht, sofort Phillips' Zielmarke zu knacken, sondern einen persönlichen Vergleichswert zu bekommen. Aus 29 Schlägen werden vielleicht irgendwann 26, später 24 – und plötzlich rückt die 21 näher.
Phillips sieht darin einen wesentlichen Vorteil des Spiels: „Es nimmt Sie in die Verantwortung. Sie haben etwas, das Sie testen können, Sie bekommen einen Score und gleichzeitig viele unterschiedliche Schlagvarianten.“ Und ganz nebenbei passiert etwas, das sich mit zehn identischen Chips aus perfekter Lage nur schwer trainieren lässt: Wenn Sie auf der nächsten Runde aus schwieriger Lage chippen müssen, kennen Sie dieses Gefühl bereits.








