Kleine Golfer, große Champions: Zehn Profis, die Geschichte schrieben
Im modernen Profigolf scheint Körpergröße ein immer größerer Vorteil zu werden. Lange Hebel, hohe Schlägerkopfgeschwindigkeiten und enorme Drives prägen das Spiel auf den großen Touren. Wer heute einen Blick auf die Driving-Range eines PGA-Tour-Turniers wirft, könnte fast meinen, dass unter 1,80 Metern kaum noch etwas geht.
Doch die Geschichte des Golfsports erzählt eine andere Geschichte. Einige der erfolgreichsten Spieler aller Zeiten waren erstaunlich klein. Sie gewannen Major-Turniere, führten die Weltrangliste an und setzten sich gegen Gegner durch, die sie um einen oder sogar zwei Köpfe überragten. Zur Erinnerung: Bernhard Langer ist bester deutscher Golfer aller Zeiten und gerade mal knapp über 1,70 Meter groß. Aber es geht noch deutlich kleiner.
Nach unserem Blick auf die größten Golfprofis aller Zeiten widmen wir uns diesmal dem anderen Ende der Größenskala. Zehn bemerkenswerte Spieler, die trotz ihrer vergleichsweise geringen Körpergröße große Spuren im internationalen Golfsport hinterlassen haben.
Tadd Fujikawa – 1,55 Meter
Der kleinste Spieler unserer Auswahl hat eine der ungewöhnlichsten Geschichten des amerikanischen Profigolfs geschrieben. Tadd Fujikawa misst gerade einmal 1,55 Meter und sorgte bereits als Teenager international für Schlagzeilen. 2006 qualifizierte sich der damals 15-jährige Hawaiianer für die US Open in Winged Foot und wurde damit zum jüngsten Teilnehmer des Turniers seit 1941. Ein Jahr später schrieb er beim Sony Open auf Hawaii erneut Geschichte: Als 16-Jähriger schaffte er den Cut und belegte schließlich den geteilten 20. Rang. Fujikawa wechselte noch 2007 ins Profilager. Der ganz große sportliche Durchbruch blieb ihm zwar verwehrt, doch seine Geschichte zeigt eindrucksvoll, dass außergewöhnliche Körpergröße keineswegs Voraussetzung für außergewöhnliches Golftalent ist.
Ian Woosnam – 1,63 Meter
Kaum ein Spieler verkörpert das Motto „klein, aber oho“ besser als Ian Woosnam. Der Waliser war mit seinen 1,63 Metern eine der markantesten Erscheinungen auf der European Tour und verfügte über eine Schlagweite, die man ihm angesichts seiner Statur kaum zugetraut hätte.
Woosnam gehörte gemeinsam mit Seve Ballesteros, Nick Faldo, Sandy Lyle und Bernhard Langer zu den berühmten „Big Five“ des europäischen Golfsports. 1991 erreichte er den Höhepunkt seiner Karriere: Er gewann das Masters in Augusta und übernahm im selben Jahr die Führung der Weltrangliste. Insgesamt feierte Woosnam 29 Siege auf der European Tour, spielte achtmal im Ryder Cup und führte Europa 2006 als Kapitän zum Sieg. Ausgerechnet einer der kleinsten Spieler seiner Generation gehörte damit über viele Jahre zu den ganz Großen des Weltgolfs.
Gene Sarazen – 1,65 Meter
Gene Sarazen war nicht nur einer der kleinsten Major-Champions der Golfgeschichte, sondern auch einer der erfolgreichsten. Der Amerikaner maß rund 1,65 Meter und gewann zwischen 1922 und 1935 insgesamt sieben Major-Titel. 1935 komplettierte er mit seinem Masters-Triumph als erster Spieler den später so bezeichneten Career Grand Slam aus den vier heutigen Major-Turnieren. Unvergessen blieb dabei sein Albatros auf der 15. Bahn der Schlussrunde, als er einen Schlagrückstand von drei Schlägen auf einen Schlag egalisierte. Der Schlag ging als „Shot Heard 'Round the World“ in die Golfgeschichte ein.
Sarazen gilt außerdem als einer der Pioniere des modernen Sand Wedges. Seine Bedeutung für den Golfsport reicht damit weit über seine sieben Major-Siege hinaus.
Yuto Katsuragawa – 1,67 Meter
Dass auch im modernen Profigolf Spieler deutlich unter 1,70 Metern erfolgreich sein können, beweist Yuto Katsuragawa. Der Japaner misst offiziell 1,67 Meter und gehört damit zu den kleinsten Spielern, die in den vergangenen Jahren auf der DP World Tour erfolgreich waren. 2022 gewann Katsuragawa die ISPS Handa Championship auf der Japan Golf Tour. Zwei Jahre später gelang ihm bei der gleichnamigen Veranstaltung in Japan, diesmal im Rahmen der DP World Tour, der internationale Durchbruch.
Bemerkenswert ist vor allem, dass Katsuragawa trotz seiner geringen Körpergröße keineswegs zu den ausgesprochen kurzen Spielern gehört. Seine Schlagweite zeigt, wie viel sich mit moderner Schwungtechnik und hoher Schlägerkopfgeschwindigkeit auch ohne außergewöhnlich lange Hebel erreichen lässt.
Shigeki Maruyama – 1,69 Meter
Mit seinem breiten Lächeln und seiner unbekümmerten Art wurde Shigeki Maruyama zu einem der beliebtesten japanischen Golfprofis seiner Generation. Dabei war der nur rund 1,69 Meter große Spieler auch sportlich ein Wegbereiter. Zwischen 2001 und 2003 gewann Maruyama drei Turniere auf der PGA Tour und gehörte damit zu den ersten Japanern, die sich dauerhaft auf der amerikanischen Tour etablieren konnten. Seinen vielleicht spektakulärsten Auftritt hatte er allerdings bereits 2000 beim World Cup in Argentinien. Dort spielte Maruyama eine Runde von 58 Schlägen – ein außergewöhnliches Ergebnis, das seinen Ruf als herausragenden Ballstriker unterstrich.
Gary Player – 1,70 Meter
Neun Major-Titel, 24 PGA-Tour-Siege und mehr als 160 Turniererfolge weltweit: Gary Player zählt zu den erfolgreichsten Golfspielern aller Zeiten. Dabei war der Südafrikaner mit rund 1,70 Metern deutlich kleiner als viele seiner Konkurrenten. Gemeinsam mit Jack Nicklaus und Arnold Palmer bildete Player in den 1960er Jahren die legendären „Big Three“. 1965 komplettierte er als erst dritter Spieler nach Gene Sarazen und Ben Hogan den Career Grand Slam. Insgesamt gewann er dreimal das Masters, dreimal die Open Championship, zweimal die PGA Championship und einmal die US Open. Player war außerdem ein Pionier des körperlichen Trainings im Profigolf. Lange bevor Fitnessprogramme zum Alltag der Tourspieler gehörten, setzte der „Black Knight“ auf Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer. Seine vergleichsweise geringe Körpergröße machte er damit mehr als wett.
Brian Harman – 1,70 Meter
Als Brian Harman 2023 die Open Championship in Royal Liverpool gewann, war er einer der kleinsten Spieler im Feld. Der Amerikaner misst offiziell 1,70 Meter und gehört damit auch auf der heutigen PGA Tour zu den körperlich auffälligsten Ausnahmen. Harman dominierte das Turnier in Hoylake und gewann mit sechs Schlägen Vorsprung. Während viele seiner Konkurrenten auf maximale Schlagweite setzen, überzeugte der Linkshänder mit präzisem Spiel, kontrollierten Annäherungen und einem überragenden kurzen Spiel. Sein Open-Triumph war der bis dahin größte Erfolg einer Karriere, in der er sich trotz vergleichsweise geringer Schlagweite dauerhaft in der Weltspitze etablieren konnte.
Jeff Sluman – 1,70 Meter
Jeff Sluman gehörte über viele Jahre zu den kleinsten Spielern auf der PGA Tour. Der Amerikaner maß rund 1,70 Meter, ließ sich davon aber nicht davon abhalten, eine bemerkenswert erfolgreiche Karriere aufzubauen. Seinen größten Triumph feierte er 1988 bei der PGA Championship in Oak Tree. Mit einer herausragenden Schlussrunde von 65 Schlägen holte er den Titel und feierte damit zugleich seinen ersten Sieg auf der PGA Tour. Insgesamt gewann Sluman sechsmal auf der PGA Tour und später weitere sechs Turniere auf der Champions Tour. Seine Stärken lagen vor allem in der Präzision und im kurzen Spiel – Eigenschaften, mit denen er sich gegen deutlich größere und längere Konkurrenten behauptete.
Paul Runyan – 1,70 Meter
Sein Spitzname sagte bereits einiges über Paul Runyan aus: „Little Poison“ nannten ihn seine Konkurrenten. Der nur rund 1,70 Meter große Amerikaner war einer der gefürchtetsten Matchplay-Spieler seiner Generation. Runyan gewann insgesamt 29 Turniere auf der PGA Tour, darunter zweimal die PGA Championship. Besonders legendär wurde sein zweiter Major-Triumph 1938, als er im Finale den deutlich größeren und längeren Sam Snead mit 8&7 besiegte. Runyan galt als Meister des kurzen Spiels und entwickelte sich später zu einem der angesehensten Golflehrer Amerikas. Sein Sieg über Snead zählt bis heute zu den eindrucksvollsten Beispielen dafür, dass Präzision und Spielintelligenz reine Schlaglänge übertrumpfen können.
Chi Chi Rodríguez – 1,70 Meter
Kaum ein Golfprofi verband sportlichen Erfolg und Unterhaltung so gekonnt wie Juan Antonio „Chi Chi“ Rodríguez. Der Puerto-Ricaner war mit rund 1,70 Metern einer der kleinsten Spieler seiner Zeit und gleichzeitig einer der schillerndsten.
Rodríguez gewann achtmal auf der PGA Tour und später weitere 22 Titel auf der Champions Tour. Berühmt wurde er jedoch nicht nur durch seine Erfolge, sondern vor allem durch seine unverwechselbare Persönlichkeit. Nach gelochten Birdie-Putts zelebrierte er seinen legendären Schwerttanz mit dem Putter. 2002 wurde Rodríguez in die World Golf Hall of Fame aufgenommen. Der Mann, der mit seiner Körpergröße auf dem Golfplatz oft übersehen werden konnte, wurde zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten des amerikanischen Golfsports.






