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Konzentration auf den nächsten Schlag: Profis wie Olivia Cowan aus dem Golf Team Germany trainieren nicht nur Schläge, sondern oft auch die Fokussierung. | © Zhe Ji/Getty Images

Vier Wege zu mehr innerer Ruhe auf der Runde

Es gibt wenige Sportarten, die bessere Voraussetzungen zum Abschalten bieten als Golf. Mehrere Stunden an der frischen Luft, viel Natur, zwischendurch immer wieder Zeit zum Durchatmen. Die Realität sieht jedoch häufig anders aus. Wir analysieren den letzten Fehlschlag, grübeln über unseren Score oder beschäftigen uns mit dem nächsten Abschlag. Dazu kommen Gespräche im Flight, Geräusche, körperliche Beschwerden und Gedanken an Technik. Im Hier und Jetzt sind die meisten Golferinnen und Golfer eher selten. 

Viel Zeit zum Nachdenken

Achtsamkeit ist zwar ein Trendthema, wird aber vor allem im Amateursport noch immer oft vernachlässigt. Gemeint ist die Fähigkeit, die eigene Aufmerksamkeit bewusst auf den gegenwärtigen Moment zu richten, ohne das Wahrgenommene sofort zu bewerten. Jon Kabat-Zinn, einer der bekanntesten Vertreter der modernen Achtsamkeitspraxis, beschreibt dabei drei wesentliche Aspekte: bewusst aufmerksam sein, im Augenblick bleiben und möglichst nicht urteilen. Für Golfer ist das besonders interessant. Denn zwischen zwei Schlägen bleibt viel Zeit zum Nachdenken – und längst nicht jeder Gedanke hilft beim nächsten Schlag. Achtsamkeit kann dabei unterstützen, aus diesem Gedankenkarussell auszusteigen. Dafür brauchen Sie weder Meditationskissen noch einen Kurs. Nutzen Sie einfach Ihre nächste Runde. Vier Tipps dafür:

1. Richten Sie Ihren Fokus auf die Atmung

Der Atem ist immer verfügbar – und damit ein idealer Fokus, wenn die gedanklich gerade mal wieder abschweifen. Beobachten Sie zwischen zwei Schlägen für eine Weile Ihre Atmung. Versuchen Sie zunächst gar nicht, besonders tief oder langsam zu atmen. Nehmen Sie lediglich wahr: Atmen Sie durch Mund oder Nase? Ist Ihr Atem ruhig oder hektisch? Wie lange dauern Ein- und Ausatmung? Entscheidend ist das Beobachten. Sie müssen nichts korrigieren und auch keinen bestimmten Zustand erreichen. Allein dadurch, dass Sie Ihre Aufmerksamkeit auf den Atem richten, lösen Sie sich für einen Moment von Gedanken an Score, Schwung oder mögliche Fehler. Bewusstes Atmen kann zudem dabei helfen, Stress zu reduzieren und körperlich wie mental zur Ruhe zu kommen.

2. Entdecken Sie den Treffmoment

Sie können die Aufmerksamkeit auch auf Ihren Schwung richten. Statt sich während der Bewegung mit mehreren technischen Anweisungen zu beschäftigen, fokussieren Sie sich zum Beispiel einmal ausschließlich auf das Gefühl beim Ballkontakt. Wie fühlt sich ein sauber getroffener Drive an? Wie unterscheidet sich davon der Kontakt mit einem Eisen oder Wedge? Versuchen Sie, diesen kurzen Moment möglichst genau wahrzunehmen – ohne anschließend sofort in „gut“ oder „schlecht“ zu unterscheiden. Eine zweite Variante: Spüren Sie während des Schwungs, wann der Schläger den höchsten Punkt des Rückschwungs erreicht. Auch hier geht es nicht darum, die Position zu kontrollieren oder zu verändern. Sie nehmen lediglich wahr, was passiert. Der Vorteil dieser Herangehensweise: Der Kopf bekommt eine klare Aufgabe, ohne dass Sie den Schwung mit technischen Gedanken überladen. Das Prinzip beruht auf dem Inner-Game-Ansatz von Weltbestseller-Autor Timothy Gallwey, der sich in seiner Arbeit auch intensiv mit dem Golfsport befasst hat. Sein Credo: „Wenn der Verstand so ruhig ist wie die Oberfläche eines spiegelglatten Sees, dann kann der Körper Bestleistungen vollbringen.“ 

3. Hören Sie genauer hin

Wann haben Sie zuletzt bewusst wahrgenommen, welche vielen unterschiedlichen Geräusche man auf einer Golfrunde hören kann? Zwischen den Schlägen lohnt es sich, für einige Augenblicke nur zuzuhören. Vielleicht hören Sie Vögel, Wind in den Bäumen, einen entfernten Abschlag, Stimmen vom Nachbarfairway oder ein Flugzeug. Selbst auf einem vermeintlich ruhigen Platz gibt es zahlreiche Geräusche. Versuchen Sie nicht, bestimmte Klänge auszublenden. Registrieren Sie stattdessen, was gerade zu hören ist. Je genauer Sie Ihrer Umgebung lauschen, desto weniger Raum bleibt in diesem Moment für Grübeleien über den Drei-Putt auf dem letzten Grün fünf oder die Sorge vor dem Abschlag über das Wasser an der nächsten Bahn.

4. Gehen Sie bewusst

Auch der Weg zum Ball eignet sich für eine kleine mentale Übung. Lenken Sie die Aufmerksamkeit immer mal wieder ausschließlich auf Ihre Füße und den Untergrund. Wie fühlt sich der Boden an? Fest oder weich? Eben oder uneben? Sie können sich eine Skala von eins bis zehn vorstellen und beobachten, wie sich die gefühlte Härte des Untergrunds beim Gehen verändert.
Klingt banal? So soll es sein. In diesem Moment beschäftigen Sie sich weder mit Ihrem Score noch mit dem vergangenen Schlag oder einem möglichen Problem in der Zukunft. Ihre Aufmerksamkeit liegt bei dem, was gerade tatsächlich passiert. Achtsamkeit auf dem Golfplatz bedeutet schließlich nicht, 18 Löcher lang völlig gedankenfrei unterwegs zu sein. Das wird weder Ihnen noch den besten Profis der Welt gelingen. Entscheidend ist, zu bemerken, wenn die Aufmerksamkeit abschweift, und sie wieder auf das zu richten, was gerade wichtig ist. 

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