Lernen von Langer & Co.: Fünf Tipps für einen starken Kopf
Golf wäre vermutlich deutlich einfacher, wenn zwischen zwei Schlägen nicht so viel Zeit vergehen würde. Minuten, um über den Drive nachzudenken, der gerade im Rough verschwunden ist. Um sich vorzustellen, was am nächsten Loch alles schiefgehen könnte. Und natürlich für die grundsätzlichen Fragen: Warum funktioniert der Schwung plötzlich nicht mehr? Wieso klappt auf der Range, was auf dem Platz schiefgeht? Und warum spiele ich dieses Spiel eigentlich? Selbst Weltklasseprofis kennen solche Gedanken. Der Unterschied zu den meisten Amateuren besteht darin, dass sie anders mit diesen Momenten umgehen.
1. Morikawa: Die Macht der Akzeptanz
Collin Morikawa wurde vor einigen Jahren bei der US Open gefragt, was mentale Stärke für ihn bedeutet. Seine Antwort bestand zunächst aus einem einzigen Wort: Akzeptanz. Dann erklärte der zweimalige Major-Sieger: „Wir sind die besten Golfer der Welt und stellen hohe Ansprüche an uns selbst. Man muss einfach akzeptieren, dass schlechte Schläge dazugehören.“ Mentale stark ist folglich nicht derjenige, dem keine Fehler unterlaufen, sondern wer den Fehler gedanklich nicht größer macht als er ist. Das ist für Amateure umso wichtiger. Ein Drive ins Rough, ein verschobener kurzer Putt oder ein fett getroffenes Eisen gehören nun einmal dazu. Wer nach jedem verkorksten Schlag innerlich Widerstand leistet, trägt ihn länger mit sich herum als nötig.
2. Homa: Der Umgang mit sich selbst
Max Homa weiß aus eigener Erfahrung, wie schnell sich der innere Kritiker verselbstständigen kann. Während einer schwierigen Phase seiner Karriere habe er nach außen zwar ruhig gewirkt, innerlich aber gekocht, erzählte er in vielen Interviews. Die Negativität führte nach seiner eigenen Einschätzung zu hektischeren Schwüngen und schlechten Entscheidungen. Sein langjähriger Caddie Joe Greiner forderte ihn irgendwann auf, einen Satz nicht mehr zu benutzen: „Ich bin schlecht“. Homa erklärte später: „Wenn du dir ständig erzählst, dass du schlecht bist, wirst du irgendwann glauben, dass du wirklich schlecht bist. Eine Zeit lang habe ich das geglaubt.“ Er habe lernen müssen, langsamer zu werden und durchzuatmen. Ärger bezeichnet er rückblickend als verschwendete Energie. Achten Sie einmal darauf, welche Geschichten Sie sich auf einer mäßigen Runde selbst erzählen. „Der Putt war schlecht“ ist eine Beobachtung. „Ich kann einfach nicht putten“ ist bereits ein Urteil über die eigenen Fähigkeiten.
3. McIlroy: Nur der eine Schlag zählt
Es klingt wie eine Floskel: Ein Schlag nach dem anderen! Rory McIlroy hat selbst darüber geschmunzelt – und gleichzeitig erklärt er, warum genau dieser etwas verbraucht wirkende Tipp für ihn wichtig ist. Vor vielen Jahren, da wartete er noch auf seinen ersten Masters-Triumph, erzählte er: „Ich führe ständig Gespräche mit mir selbst darüber, in der Gegenwart zu bleiben und immer nur einen Schlag nach dem anderen zu spielen – all diese Klischees, die man ständig hört. Aber sie stimmen.“ Sein Ansatz sei denkbar einfach: „Ich versuche nur, hinzugehen und den besten Schlag zu spielen, den ich spielen kann. Danach überlege ich, wie ich den nächsten Schlag am besten spiele.“
Klar ist: Der verschobene Putt an Loch sieben lässt sich auf Bahn acht nicht mehr korrigieren. Und der Abschlag über das Wasser auf der 16 wird nicht leichter, wenn Sie sich bereits auf dem zwölften Grün Sorgen um ihn machen. Wenn Sie bemerken, dass Ihre Gedanken wandern, bringen Sie sie zur aktuellen Aufgabe zurück: Wo liegt der Ball? Was ist das Ziel? Welchen Schlag möchten Sie jetzt spielen?
4. Sörenstam: Zwei verschiedene Boxen
Annika Sörenstam arbeitete während ihrer Karriere mit einem ebenso einfachen wie wirkungsvollen Prinzip: „Think Box“ und „Play Box“. Hinter dem Ball wird gedacht. Dort werden Lage, Entfernung, Wind, Schlägerwahl und gewünschter Ballflug analysiert. Ist die Entscheidung gefallen, überschreitet man gedanklich eine Linie und betritt die „Play Box“. Ab diesem Moment geht es nur noch um die Ausführung. Sörenstam erklärte später: „Es gibt einen klaren Unterschied zwischen deiner Play Box und deiner Think Box. Wenn du in deiner Play Box denkst, wirst du nicht besonders gut spielen.“
Und umgekehrt funktioniere es ebenfalls nicht: Wer schon spielt, während eigentlich noch eine Entscheidung getroffen werden müsste, verliert den Fokus. Für Amateure steckt darin eine wichtige Lektion. Zweifel sind erlaubt – aber klären Sie sie, bevor Sie an Ihrem Ball stehen. Entscheiden Sie – und dann spielen Sie.
5. Langer: Ein Verfallsdatum für den Ärger
Bernhard Langer spielt seit Jahrzehnten professionell Golf. Dass er schlechte Schläge deshalb einfach emotionslos abhakt, wäre allerdings die falsche Vorstellung. Gerade in jungen Jahren fiel ihm das schwer. Wie es ihm inzwischen gelingt, einen vergebenen Birdie-Putt aus dem Kopf zu bekommen? In einem US-Podcast erzählte Langer: „Manchmal kommst du nach 30 Sekunden darüber hinweg – oder du lernst, das zu tun. Als ich jünger war, war ich so sauer auf mich selbst, dass ich das zwei, drei, vier Löcher mit mir herumgetragen habe. Bis ich mich wieder beruhigt hatte, waren plötzlich noch zwei oder drei Bogeys dazugekommen.“
Eine bemerkenswerte Aussage von Deutschlands erfolgreichstem Golfer. Der eigentliche Fehler ist also häufig gar nicht das größte Problem. Gefährlich wird es, wenn wir ihn zum nächsten Abschlag, auf das nächste Grün und manchmal noch mehrere Bahnen weiter mit uns herumtragen.
Langer über die falschen Gedanken
Also, künftig gar nicht mehr ärgern? Schwierig umzusetzen. Einen verschobenen Putt müssen Sie nicht schönreden und einen Ball im Wasser nicht unbedingt mit einem Lächeln quittieren. Entscheidend ist, wie lange Sie dem Fehler erlauben, Ihre Aufmerksamkeit zu beanspruchen.
Langer hat das im Laufe seiner Karriere gelernt. Als er 2023 bei der Chubb Classic kurz davorstand, Hale Irwins damaligen Siegrekord auf der PGA Tour Champions einzustellen, bemerkte er selbst, wie Nervosität in ihm aufstieg. „Dann schießen dir Gedanken durch den Kopf: Wow, du bist so nah dran, jetzt willst du es nicht mehr verspielen. Aber genau das sind die falschen Gedanken. Du musst dich einfach auf einen Schlag nach dem anderen konzentrieren.“
Es wird also auch nach Jahrzehnten auf höchstem Niveau, nach Major-Siegen und Rekorden nicht plötzlich still im Kopf. Irgendwie ist das auch beruhigend, finden Sie nicht?








