„Kann vielleicht eine gewisse Ruhe ausstrahlen“
Vor zwei Jahren in Gainesville erlebte Esther Henseleit ihren ersten Solheim Cup mit allen Emotionen, der besonderen Atmosphäre und dem Druck eines Kontinentalvergleichs. Nun steht die 27-Jährige im Bernardus Golf in Cromvoirt vor ihrer zweiten Teilnahme. Vieles ist diesmal vertrauter, auch die Unterstützung der europäischen Fans wird eine andere sein. Im exklusiven Interview mit Golf.de spricht Henseleit über ihre Vorbereitung, die Tücken des Golfplatzes, die Zusammenarbeit im Team und darüber, welche Qualitäten sie abseits des Sports einbringen möchte.
Vor zwei Tagen fand hier der Junior Solheim Cup statt. Du hast Lena Geier und Sofia Maier-Borst getroffen und ein bisschen mit ihnen gequatscht. Welchen Eindruck hast du von den beiden gewonnen?
Esther Henseleit: Zunächst einmal ist es extrem schön zu sehen, dass Deutschland beim Junior Solheim Cup so gut vertreten ist. Ich habe mir ein paar Löcher der beiden angeschaut und sie haben wirklich gut gespielt. Es war toll zu sehen, dass sie ihre Einzel am Ende gewonnen haben und damit fast noch das Blatt zugunsten des europäischen Teams gewendet hätten.
Ich hoffe natürlich, dass sie einen ähnlichen Weg wie ich einschlagen werden. Ich habe vor neun Jahren beim Junior Solheim Cup gespielt, das ist schon lange her. Tatsächlich sind zwei meiner damaligen Teamkolleginnen bis heute mit mir dabei. Das heißt, es ist auf jeden Fall der Weg zum großen Solheim Cup. Ich hoffe, dass die beiden das auch schaffen.

Kommen wir zu dieser Woche. Inwieweit unterscheidet sich die Vorbereitung auf ein Matchplay-Event wie den Solheim Cup von der Vorbereitung auf ein Zählspiel-Event auf der LPGA Tour?
Henseleit: Ich würde sagen, die Vorbereitung ist letztendlich dieselbe. Wir wollen gutes Golf spielen und müssen immer noch die gleichen Fairways treffen. (lacht)
Ich würde sagen, dass wir in den letzten Tagen vielleicht auch im Training ein bisschen mehr Matchplay mit den Teamkolleginnen gespielt haben, um in die richtige Einstellung zu kommen. Natürlich ist es ein Unterschied, hier als Team aufzutreten und nicht allein. Aber letztendlich versucht man, die Energie der anderen aufzusaugen und sie sich zunutze zu machen.
Gibt es keine Unterschiede in der taktischen Vorbereitung oder beim Course Management?
Henseleit: Ich würde sagen, in der Vorbereitung nicht. Auf diesem Golfplatz ist die Taktik für jedes Loch relativ eindeutig.
Natürlich gibt es im Spiel dann Veränderungen in der Taktik. Wenn der Gegner beispielsweise extrem nah an der Fahne liegt, muss man vielleicht selbst auch ein bisschen aggressiver spielen. Andersherum gilt: Liegt der Gegner vielleicht irgendwo in den Büschen, spielt man vielleicht ein bisschen konservativer. Aber das kommt erst beim Turnier.
Werden denn detaillierte Gegneranalysen durchgeführt, wie man es vielleicht vom Fußball kennt? Dort bereitet man sich sehr gründlich auf den Gegner vor. Wird bei euch auch über die Stärken und Schwächen der einzelnen Spielerinnen aus den USA gesprochen?
Henseleit: Nein, ich meine, letztendlich kann Golf von Tag zu Tag so unterschiedlich sein, dass man sich darauf, glaube ich, nicht einstellen kann. Auch dieser Golfplatz ist ganz anders als die Plätze, auf denen wir normalerweise spielen.
Das heißt, ich glaube, die Gegner richtig zu analysieren, ist dann nicht möglich. Man muss sich einfach auf sich selbst konzentrieren. Wenn man selbst gutes Golf spielt, wird man wahrscheinlich gewinnen. Vielleicht auch nicht – man weiß nicht, was kommt.

Wie viel Spaß macht dir diese Art von Wettkampf?
Henseleit: Es macht extrem viel Spaß. Es ist auf jeden Fall viel emotionaler als die normalen Turniere. Matchplay macht einfach mehr Spaß als Zählspiel – das weiß jeder Golfer. Es ist einfach eine ganz besondere Woche und es ist wunderschön, hier zu sein.
Im Vergleich zu deinem Auftritt vor zwei Jahren: Fühlst du dich diese Woche entspannter?
Henseleit: Ja, auf jeden Fall. Es ist schön, dass die Fans dieses Mal auf unserer Seite sind. In den Proberunden waren auch schon extrem viele Leute auf dem Platz, die zugeschaut und uns angefeuert haben.
Wie ich auch schon vorher gesagt hatte, weiß man einfach ein bisschen, was einen erwartet. Wenn man es zum ersten Mal erlebt, kann es sehr überwältigend sein. Wenn man weiß, was auf einen zukommt, kann man sich besser darauf vorbereiten.
Welche Qualitäten möchtest du persönlich ins Team einbringen? Abgesehen von deinen spielerischen Stärken: Was kannst du abseits des Platzes für das Team leisten?
Henseleit: Ich würde sagen, ich bin einfach relativ entspannt. Vielleicht strahle ich eine gewisse Ruhe aus. Außerdem bin ich jemand, dem man Fragen stellen kann. Hoffentlich kann ich gute Antworten geben.
Du bist also der Ruhepol der Mannschaft. Ein paar Worte zur Kapitänin: Was zeichnet Anna Nordqvist aus, insbesondere was ihre Teamführung angeht?
Henseleit: Anna war bisher richtig gut. Sie ist sehr bedacht. Ich würde sagen, nichts überrascht sie. Sie ist sehr solide, man kann mit allem zu ihr kommen, und sie hat auf alles eine Antwort.
Ihr ist es sehr wichtig, dass wir wissen, was uns erwartet, und dass wir uns gegenseitig sehr gut kennen. Das war, glaube ich, der Fokus in der Vorbereitung. Und sie macht, wie gesagt, einen richtig guten Job.

Kommen wir nun zum Platz. Wie gefällt er dir? Welche Tücken hat er und inwiefern liegt er dir?
Henseleit: Mir gefällt er sehr gut. Wenn man im Fairway ist, kann man auf jeden Fall aggressiv mit den Eisen spielen. Die Grüns sind nicht extrem schnell. Das heißt, wenn man im Fairway ist, wird man wahrscheinlich viele Birdies machen.
Die Schwierigkeit ist jedoch, dass es relativ eng ist. Es gibt kaum offene Stellen nach rechts oder links. Die Heide und die Bunker sind auf jeden Fall im Spiel. Wenn man nicht im Fairway ist, kann es manchmal wirklich schwer sein, das Grün zu erreichen. Das ist meiner Meinung nach die Schwierigkeit des Platzes.
Golf.de: Wir können diese Woche hoffentlich auf eine gute Stimmung hoffen. Die holländischen Fans sind dafür bekannt, sehr laut zu sein. Welche Atmosphäre erwartest du?
Henseleit: Das erste Tee spricht für sich. Ich glaube, da passen 3.000 Leute oder vielleicht sogar mehr drauf. Dazu gibt es Musik und alles. Das Layout des Golfplatzes ist sehr schön, weil es quasi immer hin und her geht. Das heißt, ich glaube, es ist extrem schön für die Zuschauer. Und ja, die Stimmung wird richtig gut. Wenn das Wetter noch mitspielt, steht dem nichts mehr im Weg.
Werden wir unter den Zuschauern auch deine Freunde und Familie sehen?
Henseleit: Ja, auf jeden Fall. Meine ganze Familie ist hier, viele Freunde und Mitglieder meiner Heimatclubs in Deutschland. Wir sind so nah an Deutschland dran, dass hoffentlich auch viele Deutsche vorbeikommen und uns anfeuern.








