Zeitreise: Sechs Solheim-Cup-Momente für die Ewigkeit
Der Solheim Cup ist noch vergleichsweise jung. Erst 1990 trafen die besten Golferinnen Europas und der USA erstmals in diesem Teamwettbewerb aufeinander. An großen Geschichten mangelt es trotzdem nicht. Einige Partien wurden erst auf den letzten Löchern entschieden, andere blieben wegen kontroverser Szenen oder außergewöhnlicher Einzelleistungen in Erinnerung. Machen Sie mit uns eine Zeitreise durch sechs besondere Momente aus der bisherigen Geschichte des Wettbewerbs.
1992: Europa schafft die große Überraschung
Die Ausgangslage hätte kaum eindeutiger sein können. Zwei Jahre zuvor hatten die Amerikanerinnen die Premiere des Solheim Cups deutlich gewonnen. Auch die individuelle Bilanz sprach klar für die USA: Deren Spielerinnen brachten 1992 insgesamt 21 Major-Titel mit, Europa gerade einmal zwei – gewonnen von Lotta Neumann und Laura Davies. Doch im schottischen Dalmahoy drehte sich das Kräfteverhältnis. Europa ging mit einem Punkt Vorsprung in die abschließenden Einzel und gewann diese mit 7:3. Davies holte in jeder der drei Sessions einen Punkt und wurde zu einer der Schlüsselspielerinnen des europäischen Erfolgs.
Captain Mickey Walker bezeichnete den Sieg später nicht nur als größte Überraschung der damaligen Solheim-Cup-Geschichte, sondern als außergewöhnlichen Außenseitererfolg im Sport generell.
2000: Ein Chip sorgt für Tränen und Diskussionen
Sportlich lief beim Solheim Cup in Loch Lomond vieles nach Wunsch der Europäerinnen. Doch eine Szene des zweiten Tages sollte fast stärker in Erinnerung bleiben als das Ergebnis. Annika Sörenstam und Janice Moodie lagen im Fourball gegen Kelly Robbins und Pat Hurst nach zwölf Löchern zurück. An Bahn 13 lochte Sörenstam einen Chip – allerdings hatte sie außerhalb der Reihenfolge gespielt. Die Amerikanerinnen bestanden darauf, dass der Schlag zurückgenommen werden musste. Sörenstam musste ihren Ball erneut spielen, die Emotionen kochten hoch. Am Ende änderte die Kontroverse nichts am Gesamtergebnis: Europa gewann unter Captain Dale Reid.
2013: Caroline Hedwalls perfekte Woche
Fünf Matches, fünf Punkte: Was Caroline Hedwall 2013 in Colorado gelang, hatte zuvor noch keine Spielerin im Solheim Cup geschafft. Dabei war die Schwedin als Captain's Pick von Lotta Neumann ins Team gekommen. In den Foursomes spielte sie an der Seite von Anna Nordqvist, in den Fourballs gemeinsam mit Caroline Masson. Viermal ging Hedwall vor den Einzeln als Siegerin vom Platz. Doch ausgerechnet ihr fünfter Punkt bekam historische Bedeutung. Im Einzel gegen Michelle Wie machte Hedwall am letzten Loch mit einem Birdie den entscheidenden halben Punkt zum sicheren Titelgewinn klar. Europa siegte schließlich deutlich mit 18:10.
Es war gleich in mehrfacher Hinsicht eine besondere Woche: Erstmals gewann Europa einen Solheim Cup auf amerikanischem Boden. Alle zwölf Europäerinnen steuerten mindestens einen halben Punkt bei und die damals erst 17 Jahre alte Charley Hull besiegte Paula Creamer deutlich.
2015: Gastgeber Deutschland und die große Wende
Kaum eine Regelkontroverse hat den Solheim Cup so beschäftigt wie die Ereignisse am 17. Grün in St. Leon-Rot. Im Fourball mit Brittany Lincicome verpasste US-Rookie Alison Lee einen Putt zum Lochgewinn und hob anschließend ihren Ball auf. Sie ging davon aus, dass der verbleibende kurze Putt geschenkt worden war. Suzann Pettersen stellte jedoch klar, dass es keine Konzession gegeben hatte. Das Loch ging an Europa. Pettersen und Charley Hull gewannen anschließend das Match, Europa führte vor den Einzeln mit 10:6. Doch die Szene entwickelte sich zum emotionalen Wendepunkt. Das US-Team um Captain Juli Inkster holte in den zwölf Einzeln 8,5 Punkte und drehte das Duell tatsächlich noch. Pettersen entschuldigte sich einen Tag später öffentlich und erklärte, sie sei über die Ereignisse am 17. Loch zutiefst traurig.
2019: Pettersens perfekter Abschied
Vier Jahre später stand ausgerechnet Suzann Pettersen im Zentrum eines der größten europäischen Solheim-Cup-Momente. Eigentlich war die Norwegerin für Gleneagles als Assistenzkapitänin vorgesehen gewesen. Am Ende gehörte sie doch zum Team – und bekam im Einzel gegen Marina Alex die Chance, über den Ausgang des gesamten Wettbewerbs mitzuentscheiden. Am 18. Loch schlug Pettersen ihren Ball mit dem Wedge dicht an die Fahne und verwandelte anschließend den entscheidenden Putt. Europa hatte den Solheim Cup gewonnen. Unmittelbar danach machte Pettersen den Moment noch außergewöhnlicher: Sie erklärte ihre Profikarriere für beendet. Einen dramatischeren Schlusspunkt hätte sie kaum setzen können.
2023: Ciganda wird vor heimischem Publikum zur Heldin
Der Solheim Cup fand 2023 erstmals in Spanien statt, auf dem Kurs von Finca Cortesín in Casares, Malaga. Ausgerechnet eine Spanierin sorgte hier für den entscheidenden Moment. Dabei hatte Europa denkbar schlecht begonnen. In den Foursomes der ersten Session gingen sämtliche vier Punkte an die USA. Doch das Team von Captain Suzann Pettersen kämpfte sich zurück und ging mit einem ausgeglichenen Zwischenstand in die Einzel. Dort richteten sich schließlich alle Augen auf Carlota Ciganda. Die Spanierin musste gegen Nelly Korda gewinnen, damit Europa den notwendigen Gleichstand erreichen und den Pokal behalten konnte. Ihr Finish hatte es in sich: Nach einem misslungenen Schlag an der 15 gewann Ciganda die 16 mit einem Birdie. An der 17 schlug sie ihren Ball bis auf rund 60 Zentimeter an die Fahne und entschied das Match. Vor Familie, Freunden und dem spanischen König sorgte Ciganda damit für den entscheidenden Punkt. 14:14 – erstmals in der Geschichte endete ein Solheim Cup unentschieden. Weil Europa die vorherige Austragung gewonnen hatte, blieb der Pokal in europäischen Händen.








