Titel gehen an Breutigam und Küls
Halle/Westfalen – Vor der Finalrunde hatte es merklich abgekühlt. Die meisten Athletinnen und Athleten gingen deutlich dicker angezogen auf den Platz, auch die ersten Mützen wurden gesichtet. Dazu kam Wind, der den ohnehin anspruchsvollen Kurs des GC Teutoburger Wald zusätzlich erschwerte.
Bei den Frauen hatte Vivienne Bühle vom Stuttgarter GC Solitude an den ersten drei Tagen ihre Ambitionen auf den Titel eindrucksvoll angemeldet und war mit einem Schlag Vorsprung in die Finalrunde gegangen. Diesen konnte sie allerdings nicht verteidigen. Mit einer 81 (+9) fiel Bühle bei gesamt +6 noch auf den achten Platz zurück.
Breutigam setzt sich ab
Vorne gestaltete Leonie Breutigam den Kampf um den Titel früh einseitig. Die 21-Jährige vom Hamburger GC setzte sich schnell ab und brachte als einzige Spielerin des Feldes ihren Gesamtscore deutlich unter Par ins Ziel. Nach Runden mit 70, 73 und 71 Schlägen unterschrieb Breutigam zum Abschluss eine 69 (-3) und nahm bei gesamt -5 die Meisterschale aus den Händen von Turnierdirektor Sven Hahnl entgegen. Ihr Vorsprung auf die beiden Zweitplatzierten betrug sechs Schläge.
„Heute habe ich versucht, mutig zu spielen, mein Spiel konsequent durchzuziehen und bei mir selber zu bleiben. Das hat sehr, sehr gut funktioniert und ich bin sehr, sehr happy“, sagte die neue Deutsche Meisterin. Erst etwa in der Mitte der Back Nine habe sie erstmals ernsthaft an den Titel gedacht. Für Breutigam ist der Sieg der bislang größte Erfolg ihrer Karriere.
Von der Anlage in Halle war die neue Deutsche Meisterin sehr angetan. Vor allem aus der Teebox verlange der Platz präzise Schläge. Genau diese Art von Golfplatz liege ihr, sagte die Hamburgerin.
Zweimal Silber
Luisa Hartmann vom GC Aldruper Heide hielt im Leaderflight lange dagegen. Nach einem schwierigen Beginn fand sie schnell zurück in die Runde und brachte eine 71 (-1) ins Recording. Mit gesamt +1 gewann sie Silber: „Im Leaderflight zu spielen, ist immer wieder cool. Ich war am Anfang aufgeregt und bin erstmal schlecht gestartet. Ich habe dann versucht, mich wieder zu fangen und einen Bounceback zu machen.“
Schlaggleich mit Hartmann sicherte sich Catharina Lohoff vom G&LC Berlin-Wannsee ebenfalls Silber. Die Berlinerin erwischte einen Start nach Maß. Auf Loch 2 lag ihr Drive Mitte Fairway, mit dem Eisen 8 schlug sie den Ball auf einen Meter an die Fahne und verwandelte zum Eagle. Im weiteren Verlauf glich sie ihre beiden Bogeys mit Birdies aus und brachte mit 69 (-3) Schlägen gemeinsam mit Breutigam den besten Score der Finalrunde ins Recording. Für Lohoff war die Medaille nach längerer Zeit wieder ein Podestplatz bei einer Deutschen Meisterschaft: „Es ist ultra cool, hier Silber zu gewinnen. Ich hatte eine Erwartung, dass ich zumindest vorne mitspiele. Dass es dann am Ende zu einem zweiten Platz reicht, ist natürlich super cool.“
Drei Falkensteinerinnen in den Top Fünf
Hinter dem Podium belegte Emily Krause vom G&LC Berlin-Wannsee den vierten Platz. Die ehemalige Jugend-Nationalspielerin kam mit Runden von 70, 73, 76 und 73 Schlägen auf gesamt +4 und lag damit drei Zähler hinter den beiden Silbermedaillengewinnerinnen.
Den zweitbesten Tagesscore der Frauen spielte Mia Lena Hoffmann. Die Athletin des Hamburger GC brachte eine 70 (-2) ins Recording und rückte bei gesamt +5 noch auf den geteilten fünften Rang vor. Dort landeten auch ihre Clubkameradin Sophia Matthiessen und Josephine Lohmann vom GC Hamburg Wendlohe. Lohmann hatte ihre jüngere Schwester Friederike am Bag und beendete die Meisterschaft mit einer starken 71 (-1).
Damit standen mit Breutigam, Hoffmann und Matthiessen drei Spielerinnen des Hamburger GC in der Top Five. Hinter Vivienne Bühle auf Rang acht komplettierten Talisia Ruff vom GC St. Leon-Rot bei +8 und Yoo Yeung Bae bei +9 die Top Ten.
Küls rettet einen Schlag
Bei den Männern entwickelte sich die Entscheidung wesentlich enger. Moritz Küls war mit gesamt -1 und einem Schlag Vorsprung auf Lauri Diener vom Hamburger GC in die Schlussrunde gegangen. Luca Scheublein vom GC Olching und Arthur Akpinar vom G&LC Berlin-Wannsee lagen zwei Schläge hinter dem Hessen. Küls erwischte keinen guten Start und kassierte vier Bogeys in Folge. Danach stabilisierte der Spieler des GC Neuhof seine Runde, lochte einige wichtige Putts und blieb im Rennen um den Titel. Wie eng es tatsächlich war, wusste er lange nicht. Erst auf Bahn 17 schaute Küls ins Livescoring.
Zu diesem Zeitpunkt wurde Scheublein dort noch mit einem Schlag unter Par geführt, weil dessen Doppelbogey auf der 17 noch nicht eingetragen war. Küls spielte deshalb das Schlussloch aggressiver, als es im Nachhinein nötig gewesen wäre. Mit einer 74 (+2) kam er auf einen Gesamtscore von +1 und blieb damit einen Schlag vor seinen beiden ersten Verfolgern.
„Ich bin noch nicht oft als Leader in ein großes Turnier gestartet. Heute sind wir alle eher schlecht gestartet. Ich hab vier Bogeys in Folge gemacht. Erst danach habe ich ganz gut weitergespielt und auch ein paar Putts gelocht“, sagte Küls. Gerade nach einer für ihn insgesamt nicht zufriedenstellenden Saison habe die Deutsche Meisterschaft für ihn große Bedeutung.
Doppelbogey auf der 17
Luca Scheublein kam dem Titel besonders nahe. Nach der 16 lag der Spieler des GC Olching noch einen Schlag vorne. Auf Loch 17 verzog er seinen Abschlag nach links. Beim anschließenden Versuch, den Ball mit einem Lay-up wieder in Position zu bringen, traf Scheublein einen Baum und musste am Ende ein Doppelbogey notieren. Mit einer 73 (+1) kam er wie Arthur Akpinar auf gesamt +2 und teilte sich mit dem Berliner die Silbermedaille. „Am Ende war es ärgerlich, dass es doch nicht gereicht hat. Aber grundsätzlich bin ich zufrieden mit dem Turnier“, sagte Scheublein. Für ihn ist Rang zwei der bislang größte Erfolg im Herrenbereich.
Auch Akpinar spielte am Finaltag eine 73 (+1) und bezeichnete die Schlussrunde als seinen besten Tag der Woche. Vor allem die Abschläge waren auf dem Platz bei durchaus spürbarem Wind eine Herausforderung: „Du musst in Position bleiben, dir die Chancen erarbeiten und aufpassen, dass deine Bälle im Spiel bleiben. Das war heute mit dem Wind sehr, sehr hart.“
Lauri Diener, der nur einen Schlag hinter Küls in den Finaltag gestartet war, konnte dagegen nicht mehr in den Titelkampf eingreifen. Der Hamburger benötigte 78 (+6) Schläge und fiel bei gesamt +6 auf den geteilten siebten Platz zurück. Dort beendeten auch Dario Rückwarth und Timo Ißler, beide vom Münchener GC, sowie Moritz Dietz vom GR Bad Griesbach die Meisterschaft.
Drei Runden unter Par
Nur drei Spieler kamen am Finaltag bei den Männern unter Par vom Platz. Jonah Lawrenz vom Förde-GC Glücksburg notierte 71 (-1) Schläge und rückte bei gesamt +4 noch auf den vierten Rang vor. Paul Straßburg vom GC Hannover brachte ebenfalls eine 71 ins Recording und teilte sich bei +5 mit Lukas Lange vom Frankfurter GC Platz fünf.
Den besten Score des Tages lieferte Leopold Heß vom G&LC Holledau. Nach zuvor 79, 72 und 77 Schlägen spielte der Bayer zum Abschluss eine 70 (-2) und kletterte damit noch bis auf Rang 15.
Bester Teilnehmer des gastgebenden GC Teutoburger Wald war Hannes Böckstiegel. Nach 76, 75 und 75 Schlägen beendete der Lokalmatador seine Meisterschaft mit einer 73 (+1) und belegte Rang 18. Dabei wurde sein Flight von zahlreichen Zuschauern begleitet. „Es war extrem cool, dass so viele Zuschauer bei meinem Flight mitgegangen sind. Es hat super viel Spaß gemacht“, freute sich der 24-Jährige.
Selektiv
Bundestrainer Pascal Proske sah den Schlüssel zum Erfolg auf dem Platz vor allem darin, den Ball immer wieder in den richtigen Spielbereichen zu halten: "Im GC Teutoburger Wald hatten wir einen Golfplatz, der sehr selektiv war, weil er spezielle Spielbereiche selektiert hat. Den Ball in bestimmten Situationen im Spiel zu halten, natürlich unter anderem vor der Teebox, aber auch bei Transportschlägen oder Schlägen ins Grün, ist hier enorm wichtig. Wer das geschafft hat, konnte sicher sein, dass er an der Spitze mitmischt. Im Endeffekt ging es darum, auf den Grüns geduldig die eine oder andere Birdie-Chance zu verwandeln. Das hat Moritz Küls heute sensationell gut gemacht. Er hat verdient gewonnen, wenig Fehler gemacht. Wenn mal ein Ball ein bisschen knapper war, hat er sich davon nicht beeindrucken lassen, hat ihn wieder zurück ins Spiel gebracht, hat von dort weitergespielt unf hat auch mal das Bogey auch in Kauf genommen. Er hat die Approaches, die Schläge aufs Grün häufig taktisch sehr klug platziert, lag dadurch nicht immer super dicht an der Fahne, kam aber mit sehr wenigen Fehlern über diesen Golfplatz. Mit einem guten Putter hat er dann nichts mehr anbrennen lassen und deshalb auch verdient gewonnen.
Leonie Breutigam hatte deutlich mehr Birdies. Für die Frauen war der Golfplatz ein bisschen kürzer, deshalb hatten sie viele Wedges in die Grüns. Entscheidend war daher ein gutes Wedge-Game. Leonie hat mit großem Abstand gewonnen und ein großartiges Turnier hingelegt, weil sie viele ihrer Birdiechancen umsetzen konnte."
Der GC Teutoburger Wald präsentierte sich während der Meisterschaft als Gastgeber, über den sich die Teilnehmer vom Greenkeeping über Verwaltung und Management bis hin zur Gastronomie durchweg positiv äußerten. Clubmanager Michael Vorbäumen hatte der Veranstaltung bereits Wochen zuvor entgegengefiebert, zumal das Feld komplett ausgebucht war und es bei den Männern eine lange Warteliste gab: „Je näher diese DM kam, desto mehr haben wir uns gefreut und ich finde, wir haben es sehr ordentlich gemacht.“
Marcus Neumann, Vorstand Sport im DGV, hatte den Finaltag mit zahlreichen Zuschauern auf dem in jeder Hinsicht anspruchsvollen Platz des GC Teutoburger Wald verbracht und sich das sportliche Geschehen sowohl der Männer, wie auch der Frauen genau angeschaut. Vom Setup dieser Deutschen Meisterschaften war Neumann sehr angetan. „Ich bedanke mich sehr herzlich im Namen des DGV und der Athleten beim GC Teutoburger Wald für die Ausrichtung dieser tollen Titelkämpfe. Es ist gut, für Turniere dieser Güteklasse einen Platz geboten zu bekommen, der selektiv ist. Wer hier gewinnt, darf zurecht sehr stolz auf seine Leistung sein. Auch alles rund um den Platz herum, was für das Gelingen eines so großen Turniers wichtig ist, war hier in Halle allerbestens. Das Engagement aller Beteiligten auf Seiten des Clubs war beeindruckend und wir freuen uns schon jetzt darauf, hoffentlich im nächsten Jahr wieder hier zu Gast sein zu dürfen“, warf Neumann am Ende der Siegerehrung schon einen Blick voraus.
Zwei alte Weggefährten
Zum sportlichen Umfeld des GC Teutoburger Wald gehören seit langer Zeit auch zwei Namen, die seit Jahrzehnten mit dem deutschen Spitzengolf verbunden sind. Ralf Berhorst und Sven Strüver waren Ende der 1980er-Jahre Teil einer starken deutschen Amateurgeneration und wechselten 1990 ins Profilager. Beide spielten anschließend international und unter anderem auf der European Tour.
Strüver entwickelte sich dort mit mehreren Turniersiegen zu einem der erfolgreichsten deutschen Profis seiner Generation. Berhorst war sieben Jahre auf European und Challenge Tour unterwegs, beendete anschließend seine Tourkarriere und wechselte 1997 als Trainer zum GC Teutoburger Wald.
Heute arbeiten beide wieder Seite an Seite. Berhorst ist Headprofessional und Leistungssportkoordinator, Strüver Trainer im GC Teutoburger Wald. Gemeinsam kümmern sie sich auch um die Herrenmannschaft – und seit kurzem verbindet die beiden früheren Tourspieler sogar eine WG direkt auf der Golfanlage.









