Bäume unter Druck
Schattenspender, strategisches Hindernis, Lebensraum für Vögel und Insekten – Bäume auf Golfplätzen haben so viele wichtige Funktionen. Die Bilder der berühmtesten Golfanlagen der Welt sind immer wieder auch mit Bildern von Bäumen verbunden. Dabei steht der umgestürzte Eisenhower Tree im Augusta National Golf Club, der 2014 einem Eissturm zum Opfer fiel, für die zahlreichen Bedrohungen, mit denen Bäume inzwischen konfrontiert sind. Zu große Hitze und Trockenheit, Schädlinge und Stürme machen die Pflege der Pflanzen immer wichtiger.
Bedeutung für die Biodiversität
Grundsätzlich gilt: Bäume sind neben ihrer Rolle als Schattenspender vor allem als Lebensraum enorm wichtig.Ein einziger ausgewachsener Laubbaum, wie etwa eine alte Stieleiche oder eine ausladende Buche, dient hunderten von Insektenarten als Nahrungsquelle, Schutzraum und Kinderstube. Sogenannte Mikrohabitate verteilen sich auf die feinen Verzweigungen der obersten Krone bis hinunter in die Wurzeln. Hier nisten Vögel, Greifvögel nutzen hohe Wipfel, um von dort aus nach Beute zu suchen. Fledermäuse finden in den Höhlen älterer Stämme Unterschlupf.
Selbst abgestorben hat der Baum als Totholz noch eine wichtigste Funktion: Flechten, Pilze und holzzersetzende Käferarten setzen sich hier an. Sie wiederum werden gerne von Spechten und anderen Vogelarten gefressen.
Bäume unter Druck
Die Bäume aber sind durch den Klimawandel massiv unter Druck. Rekordtemperaturen und langanhaltende Dürreperioden setzen ihnen zu. Während Grüns und Fairways in Trockenphasen oft künstlich bewässert werden, sind die Bäume in den Rough- und Randbereichen vollständig auf natürliche Niederschläge und ausreichende Grundwasserstände angewiesen. Bleibt der Regen aus, sinkt der Grundwasserspiegel ab, und selbst tiefe Wurzeln erreichen die lebensrettende Feuchtigkeit nicht mehr. Dieser chronische Wassermangel versetzt den Baum in einen permanenten Stresszustand. Er kann nicht mehr genügend Feuchtigkeit aus dem ausgetrockneten Boden ziehen, um wirklich alle Kronenbereiche, Blätter oder Seitenäste zu versorgen. Dadurch wird die Vitalität des Baumes geschwächt, wie beim Menschen nimmt in einer solchen Situation die Abwehrkraft ab.
Eichenprozessionsspinner und Borkenkäfer
Davon profitieren Schädlinge, die auf Bäume spezialisiert sind: Eichenprozessionsspinner und Borkenkäfer sind für Golfanlagen eine dauerhafte Gefahr. Die Raupen des Eichenprozessionsspinners befallen bevorzugt Eichen und fressen deren Blätter kahl, vor allem aber enthalten die winzigen Brennhaare der Raupen ein Nesselgift. Kommen Golfer damit in Kontakt, kann dies schwere allergische Reaktionen auslösen. Die Spielbereiche im Umfeld der Bäume müssen deshalb gesperrt werden.
Borkenkäfer toben sich vor allem in Nadelbäumen aus. Auf zahlreichen Bäumen, die Fichten und Kiefern zur Abtrennung von Spielbahnen gepflanzt haben, sind Bäume mit Trockenschäden ein beliebtes Ziel. Die Käfer setzen sich direkt unter die Rinde, zerstören die wichtigsten Leitbahnen der Bäume, die in der Folge komplett absterben.
Sicherheitsrisiko Totholz und Grünastbruch
Sind Bäume gestresst, steigt die unmittelbare Gefahr auf dem Platz. Zwei Phänomene bereiten den Verantwortlichen hier Sorgen: klassisches Totholz und der relativ unbekannte Grünastbruch. Totholz lässt sich in der Regel durch abfallende Rinden, graue Farbe oder fehlendes Laub leicht erkennen.
Tückischer ist der sogenannte Grünastbruch. Dieses Phänomen verstärkt sich in besonders trockenen Phasen enorm, weil den Bäumen aufgrund von Trockenheit und Hitze das Wasser fehlt, sinkt der Zelldruck im Inneren. Die Eigenspannung, die einen Ast stabilisiert, verschwindet plötzlich. Da mit steigenden Temperaturen zudem die Bruchfestigkeit von Holz deutlich abnimmt, können Äste völlig unvermittelt abbrechen, obwohl sie völlig gesund sind und die Kronen voller Blätter sind.
„Dieses Thema beschäftigt uns derzeit sehr intensiv“, stellt Boris Wölfel, Platzwart des Frankfurter GC, fest. „In den vergangenen Wochen kam es mehrfach zu Astabwürfen sowie auch zu größeren Abbrüchen von Ästen und Kronenteilen infolge der anhaltenden Trockenheit und Hitze.“ Die Information der Mitglieder ist in diesem Fall extrem wichtig, schließlich kann ein Ast einfach abbrechen, wenn man darunter steht und womöglich Schatten sucht. Im Frankfurter GC, der im Frankfurter Stadtwald liegt, wird das Thema Grünastbruch deshalb über die Homepage kommuniziert. „Insbesondere wird darauf hingewiesen, sich nicht unter Bäumen aufzuhalten und auf Warnsignale wie Knacken oder ungewöhnliche Geräusche zu achten“, erklärt Wölfel. Bei starken oder potenziell gefährlichen Windlagen kann es auch vorkommen, dass der Platz kurzfristig geschlossen wird – schon um die Sicherheit von Mitgliedern, Gästen und Mitarbeiter zu gewährleisten.
Baumkontrolle durch die Golfanlage
Angesichts der Risiken, die Totholz und Grünastbruch mit sich bringen, sind die Golfclubs in der Pflicht. Die sogenannte Verkehrssicherheit für Golfer oder Spaziergänger muss gewährleistet sein.Die regelmäßige Kontrolle und Pflege der Bäume ist deshalb elementar, auch wenn sich ein plötzlicher Grünastbruch vorab kaum erahnen lässt. Experten können zumindest den generellen Gesundheitszustand der Bestände beurteilen und festlegen, ob kranke Teile oder Totholz zwingend entfernt werden müssen.
Sowohl für Boris Wölfel als auch für Korbinian Kofler als Geschäftsführer des Wittelsbacher GC und Florian Kohlhuber, Clubmanager im GC Feldafing, ist die kontinuierliche Zusammenarbeit mit Baumpflegern und Baumexperten selbstverständlich. In Feldafing, wo aufgrund der Lage im Lenné-Park besondere Auflagen der Schlösser- und Seenverwaltung gelten, ist man inzwischen mit dem Baumfachkompetenzzentrum Bayern in einem ständigen Austausch. „Alle Bäume bei uns sind kartiert”, erklärt Kohlhuber. „Zweimal im Jahr kommen die Experten und begutachten den Park. Danach erhalten wir einen ganzen Ordner, auf dem sämtliche Einzelbäume aufgeführt sind, die beschnitten oder gefällt werden müssen. Auch Totholz wird entfernt.”
Auf diese Weise, so auch die Erfahrung von Korbinian Kofler, lassen sich gefährliche Situationen gut vermeiden. „Durch die halbjährliche Kontrolle der Bäume haben wir im Moment noch kein Problem", resümiert der Geschäftsführer während der Hitzephase Anfang August 2026. „Leider stellen wir aber fest, dass bei stärkeren Windböen die schweren jungen Triebe am Ende der Äste, vor allem bei Eichen, wegbrechen, was natürlich zu einem Stillstand der Entfaltung bei den Bäumen führt."
Im Frankfurter Golf Club hat man bei den Aufräumarbeiten einen Vorteil: Dort hat man einen ausgebildeten Forstwirt im Greenkeeping-Team, so dass man viele Arbeiten – inklusive des Fällens von Bäumen- auch selbst erledigen kann. Einen guten Aspekt haben die Baumarbeiten: Ein Teil des Holzes, das anfällt, wird von den Mitgliedern zum üblichen Preis als Brennholz übernommen. Außerdem können die Mitarbeiter des Clubs nach Rücksprache mit dem Revierförster Holz für den Eigenbedarf nach Hause mitnehmen und einlagern.
Baumkontrolle, das ist bei allen drei deutschen Traditionsclubs klar – ist ein Dauerthema, das auch in Zukunft eine grosse Rolle spielen wird. Baumpflege und die Begutachtung der Pflanzen sind eine Standardaufgabe. Brechende Äste sind auch in Zukunft keine Ausnahme mehr.









