Der Schwede Filip Grave gewinnt überlegen in Bad Saarow
Bad Saarow – Auf dem anspruchsvollen Faldo Course Berlin des Precise Resort Bad Saarow liegt der 16-Jährige nach 54 Löchern trotz Wind, Regen, Hagel, Gewitter und Kälte beeindruckende fünf Schläge vor dem Ukrainer Lev Grinberg und dem Niederländer Denny Kloeth; die beiden nominell besten Spieler des hochkarätigen Feldes teilen Rang zwei mit Par. Bester Akteur des Golf Team Germany auf dem Linksplatz am Scharmützelsee ist der Münchner Bjarne Murr, der Elfter wird.
Fast hatte man den Eindruck, dass Sir Nick Faldo heftig beleidigt war nach Runde 2 der German International Amateur Championship Boys 2025, als der Schwede Filip Grave dem vom Engländer designten Parcours ungeachtet böiger und teils heftiger Winde eine herausragende 67er Runde abgetrotzte. Eine fehlerfreie 67 wohlgemerkt, ohne Bogey, blitzsauber. Denn offenbar nutzte die britische Golflegende einen kurzen Draht zum englischen Wettergott und ließ diesen für den Finaltag der hochkarätigen Meisterschaft der besten Junioren Europas neben stürmischem Wind nun auch noch Regenschauer schicken, bei laut Wetter-App acht Grad, gefühlt eher drei; so kalt jedenfalls, dass die Finger klamm wurden und sich das alles eher nach Mitte November als Mitte Mai anfühlte am Scharmützelsee.
Doch wenn die Verfolger gehofft hatten, dass die widrigen Bedingungen, die prompt einsetzten als die Führenden den Abschlag der zweiten Spielbahn betraten, den zu diesem Zeitpunkt überlegenen Spitzenreiter Filip Grave in irgendeiner Weise davon abhalten könnten, sich bei dieser internationalen Meisterschaft den bisher größten Titel seiner Karriere zu sichern, dann wurde diese Hoffnung schnell zerstört. Grave nämlich, mit drei Schlägen Vorsprung auf den Niederländer Denny Kloeth und den Tschechen Vaclav Svub in die Finalrunde gestartet, wackelt nur ganz kurz eben an dieser Bahn 2, als ihm im peitschenden Regenschauer ein Bogey unterläuft. Doch mit Birdies an den Löchern 4, 6, 10 und 11 zieht der Spieler des schwedischen Junioren-Nationalteams anschließend unwiderstehlich davon, stellt zwischenzeitlich auf 9 unter Par und vergrößert den Abstand zum Feld auf zwischenzeitlich sechs Schläge. Dass er dabei an Bahn 6 den Eagle nur um Haaresbreite verpasst – geschenkt. Tap-In zum Birdie! Dass er auf dem Weg zurück zum Clubhaus an den Löchern 12, 13, 17 und 18 Bogeys kassiert und vier Schläge verliert – schadlos. Der Titel ist dem Junior-Golfer des Malmö Burlöv GK nicht mehr zu nehmen.
Am Fairwayrand begleitet von Mutter Carina, Vater Richard und Bruder Emil, gelingt Filip Grave in den Tagen von Bad Saarow eine sportliche Vorstellung, die unterstreicht, wie fokussiert der Teenager sein Ziel verfolgt, eine erfolgreiche Karriere als Tourspieler zu starten und „eines Tages Major-Turniere zu gewinnen, am liebsten das Masters“ (Grave). „Mit diesem Sieg ist ein Traum wahr geworden. Ich habe sehr lange auf diesen Titel hingearbeitet und sehr intensiv trainiert, und jetzt bin ich einfach nur noch glücklich“, so der junge Champion. „Das ist mein bisher größter Turniersieg, aber ich will noch mehr und werde weiter hart arbeiten, um immer besser zu werden.“
Lev Grinberg mit Kampfgeist
Entschlossen war auch der Ukrainer Lev Grinberg, der seit seinem achten Lebensjahr in Belgien aufgewachsen ist und aktuell in Frankreich lebt, in die Finalrunde des Turniers gestartet: Nach Runden von 73 und 71 liegt er mit sich selbst erkennbar unzufrieden auf Rang vier, mit sechs Schlägen Rückstand auf Grave. Als in Durchgang drei der Regen einsetzt in Bad Saarow und er nach 13 Spielbahnen und zwischenzeitlich einem Doppelbogey und drei Bogeys den Weg nach unten auf dem Leaderboard antreten muss, anstatt wie geplant nach oben, bessert das seine Laune nicht, weckt aber den Kampfgeist. Mit Birdies an den Löchern 14, 16 und 18 kämpft er sich zurück und schließlich doch noch aufs Siegerpodest, wo er Platz zwei mit dem Niederländer Denny Kloeth teilt.
Der war mit einem Doppelbogey an Bahn 2 unglücklich ins Turnier gestartet, gleicht den Fauxpas an den Bahnen 4 und 6 zwar rasch wieder aus, muss den anspruchsvollen Bedingungen aber am Ende noch einmal Tribut zollen: Mit Doppelbogey und Bogey an 15 und 17 verpasst er die Chance, den Spitzenreiter Filip Grave noch einmal unter Druck zu setzen.
Und die Deutschen? Leopold Heß vom Golf und Landclub Holledau, am ersten Turniertag vielversprechend mit einer 71 gestartet und in Runde zwei mit 81 Schlägen bedient, rehabilitiert sich mit einer starken 73 in der Finalrunde und teilt am Ende Rang 21. Zehn Plätze weiter vorn auf Platz elf landet Bjarne Murr vom Münchener GC, ist damit bester Deutscher und bester Spieler des Golf Team Germany – und verpasst die Ehre der alleinigen besten Schlussrunde nur haarscharf: Am letzten Turniertag liegt er nach 16 Löchern 1 unter Par, doch nach einem Bogey an der 18 halten sich am Ende der Runde fünf Birdies die Waage mit fünf Bogeys. Womit zumindest feststeht: Einen besseren Score hat an diesem Tag kein Teilnehmer der International Boys 2025 unterschrieben.
Dafür gab's dann auch ein Sonderlob von Chef-Bundestrainer Christoph Herrmann: „Bjarne beendet das Turnier als bester Deutscher, ist mit seinen gerade mal 15 Jahren aber wirklich noch ein sehr junger Kerl, der da nicht nur mitspielt, sondern wirklich auch ganz vorn dabei ist. Er hat mit einem Bogey aufgehört, davor war er auf Platz sieben, was ich schon als herausragendes Ergebnis gewertet hätte. Aber selbst zum dann letztlich erreichten Platz elf kann man wirklich nur gratulieren. Am Finaltag hat er mit 72 Schlägen auch den besten Score geteilt. Das ist eine sehr, sehr gute Leistung, die man hoch einschätzen muss.“
Starke Konkurrenz bei der EM
Was bleibt nach dieser Premiere des wegweisenden Jugend-Turniers in Bad Saarow? Die Sicherheit, dass mit dem Precise Resort ein hervorragender Austragungsort gefunden ist, dessen Golfplätze hohe Anforderungen an den spielstarken Nachwuchs stellen und sehr effektiv die Spreu vom Weizen trennen. Die Chance, dass sich das schnell herumspricht in Europa, und das Turnier weiter an Ansehen, Bedeutung und Zuspruch gewinnt. Die Erkenntnis, dass das Team Germany in diesem Jahr bei internationalen Turnieren sowie auch bei der Europameisterschaft auf starke Konkurrenz treffen wird – die Nationenwertung der German International Amateur Championship Boys 2025 ging nicht zufällig an das Team aus Tschechien vor den Schweden und den Engländern.
Und es bleibt die Gewissheit, dass einige der Namen, die auf den Leaderboards der Turniere am Scharmützelsee ganz weit oben zu lesen waren, bei den Boys ebenso wie bei den Girls, eines Tages auch im Fernsehen eingeblendet werden, wenn diese Talente es auf eine der Profitouren der Welt geschafft haben und dort am Finaltag in der Schlussgruppe um Titel und Pokale kämpfen – vielleicht ja sogar beim Masters in Augusta. Denn manchmal gehen Träume ja tatsächlich in Erfüllung.









