Beide Deutschen holen Siege im Matchplay
Ardmore/Pennsylvania – Nach der Zählspielqualifikation beginnt bei der U.S. Amateur ein neues Turnier. Aus 312 Spielern sind 64 geworden, von nun an entscheidet jedes Match über Weiterkommen oder Ausscheiden. Für die beiden verbliebenen Deutschen geht der Weg mit überzeugenden Leistungen weiter.
Wolfgang Glawe, der die Zählspielqualifikation auf dem geteilten 23. Platz beendet hatte, gestaltete sein Match gegen Byungho Lee über weite Strecken ausgesprochen souverän. Chef-Bundestrainer Christoph Herrmann war diesmal besonders nah dran. Glawe war als einer von nur fünf Spielern des ursprünglichen 312er-Feldes ohne Caddie unterwegs gewesen und hatte sich für die Matchplays Unterstützung gewünscht. Herrmann übernahm den schweißtreibenden Job an der Tasche.
Bei sehr schwülem Wetter geriet der Hubbelrather gegen Lee zu keinem Zeitpunkt in Rückstand. Mit einem starken Zwischenspurt setzte sich Glawe zwischenzeitlich deutlich ab. Der Koreaner hielt anschließend besser dagegen und verkürzte den Rückstand noch einmal, doch immer dann, wenn sich eine Tür öffnete, schloss Glawe sie wieder. Auch nach kleineren Ungenauigkeiten gelangen ihm die wichtigen Putts, mit denen er seinen Gegner auf Distanz hielt. Der 3&2-Erfolg war entsprechend verdient.
Herrmann gefiel vor allem die Art, wie Glawe das Match kontrollierte: „Das Spiel, was Wolfgang gezeigt hat, war wirklich stark, fast fehlerlos. Mit einer großen Souveränität und großer Konzentration, mit Ruhe. Das hat mir sehr gut gefallen und macht mich zuversichtlich auch für die jetzt kommenden Aufgaben.“
Kölle bleibt geduldig
Deutlich enger verlief das Match von Finn Kölle gegen Kihei Akina. Der Spieler des GC St. Leon-Rot, nach zwei starken Zählspielrunden als Dritter in die K.-o.-Phase eingezogen, musste früh einem Rückstand hinterherlaufen. Dabei hatte Kölle zunächst keineswegs das schlechtere Golf gespielt. Akina lochte zu Beginn jedoch gleich mehrere sehr lange Putts aus ungefähr fünf, zehn und 15 Metern und ging dadurch früh 2auf. Für Kölle entwickelte sich daraus vor allem eine mentale Aufgabe.
Der Athlet des Junior Team Germany blieb aber sehr geduldig. Er spielte weiter kontrolliert, ließ sich auch von ausgelassenen Chancen nicht aus seinem Rhythmus bringen und arbeitete sich Stück für Stück zurück ins Match. Über lange Zeit lag Akina knapp vorne oder das Duell stand all square. Erst auf Loch 17 gelang Kölle erstmals die Führung. Auf der 18 verteidigte er diesen knappen Vorsprung und machte den vollauf verdienten 1auf-Sieg perfekt.
Gerade die Ruhe des sonst sehr emotional spielenden SLR-Athleten beeindruckte Herrmann: „Der Sieg war knapp, aber trotzdem war das wirklich eine großartige Leistung, auch und gerade, weil er die Ruhe bewahrt hat, als es wirklich darauf ankam. Finn ist ein sehr emotionaler Spieler und was er heute erlebt hat, sind Situationen, die ihn sehr herausfordern. Daher freue ich mich sehr, dass er hier mit der Entwicklung, die er zuletzt gemacht hat, einfach cool weitergespielt hat.“
Merion verlangt Präzision
Die beiden deutschen Siege sind auch deshalb hoch einzuschätzen, weil der Merion GC praktisch jeden Fehler unmittelbar bestraft. Der Platz ist nicht außergewöhnlich lang, stellt aber enorme Anforderungen an Präzision und Kontrolle. Die Grüns laufen mit rund 13 auf dem Stimpmeter, die Fairways sind perfekt präpariert und daneben wartet dichtes Semirough, aus dem vielfach kaum mehr möglich ist, als den Ball kontrolliert zurück ins Spiel zu bringen.
Wer vom Tee das Fairway trifft, kann sich mit guten Wedges Chancen erarbeiten. Wer die Spielbahn verfehlt, steht dagegen unmittelbar vor einer sehr schwierigen Aufgabe. Gerade auf den pfeilschnellen Grüns verlangt Merion anschließend erneut höchste Präzision.
Für Herrmann ist der Platz aber weit mehr als nur eine anspruchsvolle Bühne für die U.S. Amateurs. Die große Geschichte des Clubs ist überall präsent. Auf der 18 erinnert eine Bodenplatte an Ben Hogans berühmtes Eisen 1 bei der U.S. Open 1950, mit dem er sich ins Stechen spielte und später den Titel gewann. An Loch 11 wird an Bobby Jones erinnert, der dort 1930 ein 36-Loch-Match gewann und damit seinen legendären Grand Slam vollendete: „Das alles atmet Tradition. Und wenn man so lange dabei ist wie ich, dann ist das was, was einem eine Gänsehaut macht. Es ist wirklich wunderbar, hier zu sein“, beschreibt Herrmann seine Eindrücke.
Zwei von fünf bleiben im Rennen
Schon die Zählspielqualifikation hatte gezeigt, wie schmal bei dieser Meisterschaft die Grenzen zwischen Weiterkommen und Ausscheiden sind. Erstmals waren in diesem Jahr fünf Deutsche im Feld. Neben Kölle und Glawe hatten sich auch Tim Wiedemeyer, Emil Riegger und der zu Jahresbeginn reamateurisierte Lukas Euler für die U.S. Amateur qualifiziert.
Euler hatte sich über mehrere Qualifikationsturniere bis ins 312er-Feld gespielt, fand auf den beiden Wettkampfplätzen aber nicht konstant genug die Fairways. Auch Riegger war lange ordentlich unterwegs, musste in seiner zweiten Runde jedoch Schläge abgeben und zum Ende immer größeres Risiko gehen, um noch einmal an die Cutlinie heranzukommen.
Wiedemeyer zeigte nach Einschätzung des Chef-Bundestrainers insbesondere im langen Spiel eine sehr gute Leistung. Auf den schnellen Grüns fielen jedoch zu wenige Putts, um unter die besten 64 zu kommen.
Dass nun immerhin zwei Deutsche noch dabei sind, ordnet Herrmann entsprechend ein: „Wir sind froh, dass wir jetzt überhaupt mal in so einem Wahnsinnsfeld fünf Deutsche am Anfang dabei hatten. Und dass es zwei jetzt unter die letzten 32 schaffen, in einem 312er Feld, ist natürlich eine herausragende Geschichte.“
Messlatte Weltniveau
Für den Chef-Bundestrainer liefert diese U.S. Amateurs zugleich wertvolle Erkenntnisse über die internationale Entwicklung. Die Spitze des World Amateur Golf Ranking ist nahezu geschlossen am Start, die Leistungsdichte entsprechend enorm hoch.
Herrmann sieht darin auch einen klaren Auftrag für die weitere Nachwuchsarbeit. Gerade Platzbedingungen wie in Merion seien nur bedingt zu simulieren. Schnelle, harte und trockene Grüns müssten deshalb auch in Deutschland häufiger Teil der Ausbildung sein, wenn junge Spieler auf Turniere dieses Niveaus vorbereitet werden sollen: „Natürlich werden hier die Herausforderungen klar, vor denen junge Spieler stehen und deswegen ist es für mich auch wahnsinnig bedeutsam, dieses Turnier hier mitzuerleben und zu wissen, wo der Hammer hängt, was das Weltniveau angeht. Man sieht hier, wie gut die nachfolgende Generation ist.“
Für Finn Kölle und Wolfgang Glawe geht es am nächsten Wettkampftag in der Runde der besten 32 weiter. Christoph Herrmann steht dann erneut an der Tasche von Glawe.
Finn Kölle trifft auf den Marokkaner Adam Bresnu, während Wolfgang Glawe sich mit Carter Loflin duellieren wird. Schon am Nachmittag stehen für die Sieger die Matches des Achtelfinals auf dem Programm.










