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Finn Kölle vom GC St. Leon-Rot hat einen sehr guten Start erwischt | © DGV/STEBL

Kölle startet als Co-Leader

Ardmore/Pennsylvania – 312 Spieler, zwei Plätze und nur 64 Tickets für die Matchplays: Die Zählspielqualifikation der U.S. Amateur Championship gehört zu den härtesten Aufgaben im internationalen Amateurgolf. Finn Kölle hat sich dafür am ersten Wettkampftag eine denkbar gute Ausgangsposition erarbeitet.
 

Der Spieler des Junior Team Germany brachte auf dem 6.345 Meter langen Par-70-Kurs des Merion GC satte acht Birdies unter. Drei Bogeys verhinderten einen noch tieferen Score, mit 65 (-5) reichte es aber für die geteilte Führung. Schlaggleich mit Kölle geht William Lisle aus Hongkong in den zweiten Tag.

Acht Birdies auf Merion

Der Start in die Runde verlief für Finn Kölle noch nicht so, wie es am Ende das Ergebnis vermuten ließ. Der 21-Jährige fand aber zunehmend besser in sein Spiel, lochte zahlreiche starke Putts und nutzte seine Wedges immer wieder für gute Birdiechancen.
 

Acht Schlaggewinne auf einem Platz, der mit dichtem Rough und schnellen Grüns nur wenige Fehler verzeiht, sind ein Ausrufezeichen. Kölle, der im kommenden Jahr sein letztes College-Jahr an der University of Washington spielen wird, war nach der Runde entsprechend entspannt: „Der Platz ist einer der besten Golfplätze auf der ganzen Welt. Dort wurden und werden nicht grundlos auch U.S. Open gespielt. Er ist sehr iconic, hat so viel Geschichte und erfordert große Variabilität. Es ist einfach ein sehr, sehr cooler und sehr schöner Golfplatz. Das Rough steht stabil, ist seit fast einem Monat nicht mehr gemäht worden. Seit dem 1. Juli wurde hier nur von Matten gespielt, damit es keine Divots gibt. Der Platz ist vom Pflegezustand her Weltklasse. Die Grüns sind sehr schnell und sehr hart. Das Setup ist einfach nur perfekt, genau so, wie es sein muss. Ich bin heute sehr ruhig und entspannt geblieben.Das war sehr wichtig, weil ich nicht so gut in die Runde gestartet bin. Ich habe heute viele sehr gute Putts gemacht und sehr gute Wedges gehauen. So habe ich dann in mein Spiel reingefunden. Morgen geht es weiter. Schauen wir mal, was dabei rauskommt.“
 

Auf dem berühmten 18. Loch musste Kölle noch ein Bogey hinnehmen, nachdem sein Abschlag im rechten Rough gelandet war. Der Co-Leader hatte zuvor zeitweise sogar sechs unter Par gelegen.
 

Am zweiten Tag wechselt Kölle auf den Philadelphia CC. Dort ist der Kurs länger als Merion. Auch dort stellt das Rough die Spieler vor große Herausforderungen.

Glawe auf T28

Ebenfalls einen sehr guten Start erwischte Wolfgang Glawe vom GC Hubbelrath. Der Deutsche spielte wie Kölle zunächst in Merion und brachte eine 69 (-1) ins Recording. Mit diesem Score rangiert Glawe nach der ersten Runde auf dem geteilten 28. Platz und liegt damit deutlich innerhalb der besten 64.
 

Der Hubbelrather hielt seine Karte weitgehend sauber und musste lediglich zwei Bogeys notieren. Mit seinem Auftakt war Glawe entsprechend zufrieden: „Das ist natürlich einer der besten Golfplätze der Welt. Das sieht man und ich finde, es ist einfach ein echt geiler Platz. Er spielt sich dieser Tage natürlich extrem, weil das Setup mit sehr tiefem Rough neben den Fairways und um die Grüns gewählt wurde. Das  Rough ist so dicht, dass man maximal 130 oder 140 Meter da raus kommt. Vom Papier her ist der Platz nicht so lang, aber es gibt einige lange Löcher. Die Bahnen sind vom Tee dafür aber richtig schmal und man muss Bälle sehr exakt platzieren können. Der zweite Platz, den wir spielen, ist auch schwer, weil er um einiges länger ist und auch dort steht das Rough sehr dicht. Meine Runde heute war relativ sauber. Ich habe sehr viele gute Sachen gemacht. Die zwei Bogeys, die ich gemacht habe, kann man schwer vermeiden. Es war auf jeden Fall ein solider Start und morgen geht's weiter.“
 

Für Glawe geht es am zweiten Tag auf den Philadelphia CC. Mit seiner 69 hat auch er die Matchplays zunächst klar im Blick.

Zwei Schläge bis zur Cutlinie

Tim Wiedemeyer hat noch alle Chancen, erneut in die Matchplays der U.S. Amateur einzuziehen. Der Spieler des Junior Team Germany, der im vergangenen Jahr bei dieser Meisterschaft stark aufgetreten war, startete seine Zählspielqualifikation im Philadelphia CC.
 

Auf dem 6.585 Meter langen Par-70-Kurs brachte Wiedemeyer drei Birdies unter, musste aber fünf Bogeys notieren und unterschrieb eine 72 (+2). Damit liegt der Bayer zunächst auf Rang 119. Der Abstand zu den besten 64 beträgt allerdings nur zwei Schläge.

Am zweiten Wettkampftag wechselt Wiedemeyer auf Merion und hat es damit selbst in der Hand, den Rückstand noch aufzuholen.
 

Schwieriger ist die Ausgangslage für Lukas Euler. Der routinierte Spieler des Frankfurter GC kam auf Merion mit einer 76 (+6) ins Recording. Für den zweiten Tag braucht Euler daher eine deutliche Steigerung, um noch in den Kampf um einen Platz in den Matchplays eingreifen zu können.

Das Rough macht den Unterschied

Merion und der Philadelphia CC stellen unterschiedliche Anforderungen, gemeinsam ist beiden Plätzen aber das dichte Rough. Wer die schmalen Fairways verfehlt, hat aus dem hohen Gras nur begrenzte Möglichkeiten, den Ball kontrolliert weiterzuspielen.
 

Gerade auf Merion wirkt die Gesamtlänge auf dem Papier zunächst nicht außergewöhnlich. Die Herausforderung entsteht vielmehr aus engen Landezonen, kleinen Zielbereichen, harten und schnellen Grüns sowie der Frage, aus welchem Winkel die Fahnen überhaupt sinnvoll angespielt werden können.
 

Der Philadelphia CC ist mit 6.585 Metern deutlich länger. Auch dort ist Präzision vom Tee gefragt, weil sich Fehler im dichten Rough schnell in zusätzlichen Schläge niederschlagen.
 

Wie anspruchsvoll diese Kombination ist, zeigte sich am ersten Tag bei einem hochklassigen Feld mit nur wenigen tiefen Score. Ein Gewitter sorgte am späten Nachmittag für eine Unterbrechung von 54 Minuten. Wegen einsetzender Dunkelheit konnten 39 Spieler ihre Auftaktrunde nicht beenden.

Merion schreibt Golfgeschichte

Der Merion GC gehört zu den traditionsreichsten Adressen im amerikanischen Golfsport. Seine Wurzeln reichen bis ins Jahr 1896 zurück, als Mitglieder des Merion Cricket Club zunächst einen Neun-Loch-Platz in Haverford anlegten. Wenige Jahre später war die Anlage auf 18 Löcher erweitert.
 

Als neue Golfbälle größere Schlagweiten ermöglichten, stieß der ursprüngliche Platz sportlich an seine Grenzen. Clubmitglied Hugh Wilson erhielt deshalb den Auftrag, einen neuen Kurs zu entwerfen. Der East Course in Ardmore wurde 1912 eröffnet und entwickelte sich zu einer Bühne für einige der bekanntesten Momente der Golfgeschichte.
 

1930 vollendete Bobby Jones in Merion seinen Grand Slam. Bei der U.S. Open 1950 schlug Ben Hogan auf dem 18. Loch sein berühmtes Eisen 1 ins Grün und erzwang damit ein Stechen. 1971 trafen Lee Trevino und Jack Nicklaus bei der U.S. Open ebenfalls in einem Playoff aufeinander.
 

2019 wurde der Platz unter der Leitung von Gil Hanse und Jim Wagner umfassend restauriert. Ziel war es, Bunker, Grüns und charakteristische Designelemente wieder näher an den ursprünglichen Zustand von 1912 heranzuführen.

Einer von 64

Die U.S. Amateur wird wie die U.S. Open und die U.S. Women’s Amateur seit der ersten Meisterschaftssaison der USGA im Jahr 1895 ausgetragen und gehört damit zu den ältesten nationalen Amateurmeisterschaften der Welt.
 

Schon der Weg in das Feld der 312 Teilnehmer ist anspruchsvoll. Im Juni fanden zunächst lokale Qualifikationen an 48 Austragungsorten statt. Es folgte im Juli eine zweite Qualifikationsstufe auf 19 Plätzen.

Nun spielen alle 312 Teilnehmer jeweils eine Runde auf Merion und im Philadelphia Country Club. Nach insgesamt 36 Löchern wird das Feld radikal verkleinert: Nur die besten 64 ziehen in die Matchplays ein.
 

Ab Mittwoch wird ausschließlich in Merion gespielt. Sechs Runden im direkten Duell entscheiden darüber, wer das 36-Loch-Finale erreicht und am Ende die Havemeyer Trophy gewinnt.
 

Die Trophäe ist eng mit der Geschichte der U.S. Amateur verbunden. Schon bei der ersten Austragung 1895 wurde ein Pokal zu Ehren des ersten USGA-Präsidenten Theodore A. Havemeyer vergeben. Das ursprüngliche Silberstück ging 1925 bei einem Brand im East Lake CC verloren. Auch eine später geschaffene goldene Version verschwand Jahrzehnte später aus dem USGA Golf Museum. Heute wird eine Replik an den jeweiligen Champion weitergegeben.
 

Für Finn Kölle, Wolfgang Glawe, Tim Wiedemeyer und Lukas Euler ist das vorerst noch weit entfernt. Am zweiten Tag geht es zunächst um eines der nur 64 Tickets für die Matchplays.

 

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