Robert Trent Jones Jr.: Zehn Meisterwerke des Golfplatzdesigns
Für 45 Golfprofis geht es vom 29. Oktober bis 1. November auf Mallorca um die vielleicht wichtigsten vier Tage ihrer bisherigen Karriere. Beim Grand Final der HotelPlanner Tour werden die 15 Aufsteiger auf die DP World Tour für die Saison 2027 ermittelt. Drei Deutsche sind übrigens auch am Start. Austragungsort ist bereits zum sechsten Mal der Club de Golf Alcanada im Nordosten der Insel. Ein anspruchsvoller Championship-Course mit spektakulärem Ausblick auf die Bucht von Alcúdia – und zugleich eines der europäischen Aushängeschilder von Robert Trent Jones Jr.
Der 1939 geborene Amerikaner gehört zu den einflussreichsten Golfplatzarchitekten seiner Generation. Die Leidenschaft für das Design wurde ihm gewissermaßen in die Wiege gelegt. Sein Vater Robert Trent Jones Senior prägte den Golfplatzbau des 20. Jahrhunderts wie kaum ein anderer, sein jüngerer Bruder Rees Jones machte sich ebenfalls als Architekt einen Namen. Doch Robert Trent Jones Jr., häufig einfach Bobby genannt, entwickelte über die Jahrzehnte eine unverwechselbare eigene Handschrift.
Nach ersten Jahren im Unternehmen seines Vaters gründete er Anfang der 1970er Jahre seine eigene Firma und schuf mit seinem Team Hunderte Golfplätze in mehr als 40 Ländern. Seine Philosophie: Die Landschaft soll den Charakter eines Platzes bestimmen, nicht umgekehrt. Natürliche Geländeformen, strategische Spielmöglichkeiten und eine möglichst harmonische Integration in die Umgebung stehen im Mittelpunkt.
Von den mediterranen Landschaften Südeuropas über die Dünen Australiens bis zu den Küsten Nordamerikas: Zehn seiner bemerkenswertesten Entwürfe zeigen die enorme Bandbreite seines Schaffens.

Club de Golf Alcanada – Mallorca, Spanien
Der aktuelle Schauplatz des HotelPlanner Tour Grand Finals gehört zu den bekanntesten Designs von Robert Trent Jones Jr. in Europa. 2003 eröffnet, liegt der Club de Golf Alcanada unmittelbar an der Bucht von Alcúdia. Sein unverwechselbares Wahrzeichen ist der Leuchtturm auf der vorgelagerten Insel Alcanada, der von zahlreichen Spielbahnen aus zu sehen ist.
Die Entstehung des Platzes geht auf Hans-Peter Porsche zurück, der bereits Mitte der 1980er Jahre die Idee einer eigenen Golfanlage auf Mallorca entwickelte. Jones erhielt den Auftrag, einen anspruchsvollen Course zu schaffen, der sich möglichst natürlich in die mediterrane Landschaft einfügt.
Das Ergebnis ist ein abwechslungsreicher Par-72-Platz zwischen Pinien, Olivenhainen und sanft abfallenden Hängen. Trotz seiner unmittelbaren Nähe zum Meer ist Alcanada kein Linksplatz. Vielmehr verlangt das Design präzises Spiel, durchdachte Schlagplatzierungen und ein gutes Gespür für den häufig wechselnden Wind. 2019 wurden sämtliche Grüns erneuert und weitere Bereiche der Anlage modernisiert.
Dass Alcanada inzwischen zum sechsten Mal das Saisonfinale der HotelPlanner Tour ausrichtet, unterstreicht seinen sportlichen Stellenwert. Hier entscheidet sich, wer im kommenden Jahr auf der DP World Tour abschlagen darf.

Chambers Bay – Washington, USA
Kaum ein Entwurf von Robert Trent Jones Jr. hat international für so viel Aufmerksamkeit gesorgt wie Chambers Bay. Der 2007 eröffnete öffentliche Golfplatz entstand auf dem Gelände einer ehemaligen Sand- und Kiesgrube südwestlich von Seattle, unmittelbar am Puget Sound. Gemeinsam mit seinem Designteam verwandelte Jones die industrielle Landschaft in einen spektakulären, von schottischen Linksplätzen inspirierten Course. Gewaltige Bodenwellen, tiefe Bunker, nahezu baumloses Gelände und harte, schnelle Spielflächen prägen das Design. Die Grüns gehen häufig fließend in ihre Umgebung über, sodass neben hohen Annäherungen auch flache, über den Boden gespielte Schläge gefragt sind.
2015 wurde Chambers Bay zum Austragungsort der US Open. Jordan Spieth gewann das Major, während die ungewöhnlichen Platzbedingungen und insbesondere die Qualität der Grüns für kontroverse Diskussionen sorgten. Für Jones Jr. blieb Chambers Bay dennoch ein Meilenstein: ein kompromissloses Design, das zeigt, welches Potenzial selbst in einer ehemaligen Industriefläche stecken kann.

CordeValle – Kalifornien, USA
Rund eine Stunde südlich von San José liegt CordeValle, einer der elegantesten Championship-Plätze aus dem Portfolio von Robert Trent Jones Jr. Der 1999 eröffnete Course erstreckt sich über eine weitläufige Landschaft aus sanften Hügeln, alten Eichen und Tälern am Fuß der Santa Cruz Mountains. Anders als bei seinen spektakulären Küstendesigns steht hier die Harmonie zwischen Golfplatz und Landschaft im Vordergrund. Die Fairways folgen den natürlichen Geländeformen, strategisch platzierte Bunker und anspruchsvolle Grünkomplexe verlangen präzises Golf. Bemerkenswert ist auch der Verzicht auf Wohnbebauung entlang der Spielbahnen – in Kalifornien keineswegs selbstverständlich.
Jones selbst hat CordeValle als einen seiner gelungensten Entwürfe hervorgehoben. Der Platz war mehrfach Austragungsort der Frys.com Open auf der PGA Tour. 2016 fand hier zudem die US Womens Open statt.

The Bay Course, Costa Navarino – Griechenland
Mit dem Bay Course in Costa Navarino schuf Robert Trent Jones Jr. einen seiner eindrucksvollsten mediterranen Entwürfe. Der 2011 eröffnete Platz liegt an der Navarino-Bucht im Südwesten des Peloponnes und war nach dem von Bernhard Langer gestalteten Dunes Course der zweite Golfplatz des Resorts. 2022 wurde das Angebot durch zwei weitere Plätze aus der Feder von José María Olazábal ergänzt.
Jones nutzte die unterschiedlichen Landschaftsformen der Region, um einen abwechslungsreichen Platz zu gestalten. Einige Bahnen verlaufen unmittelbar entlang der Küste, andere führen durch Olivenhaine oder über hügeliges Gelände mit natürlichen Schluchten. Immer wieder öffnet sich der Blick auf das Ionische Meer. Anders als viele seiner großen Championship-Designs setzt der Bay Course weniger auf monumentale Dimensionen als auf strategische Vielfalt und Spielvergnügen. Die vergleichsweise kompakte Anlage verlangt überlegte Schläge, belohnt aber auch mutige Entscheidungen. Sie zeigt, dass ein außergewöhnlicher Golfplatz nicht zwangsläufig durch maximale Länge überzeugen muss.

Bro Hof Slott – Stadium Course – Schweden
Mit dem Stadium Course von Bro Hof Slott schuf Robert Trent Jones Jr. einen der bekanntesten modernen Championship-Plätze Skandinaviens. Der 2007 eröffnete Course liegt nordwestlich von Stockholm am Mälarsee, auf dem weitläufigen Gelände eines historischen Schlosses.
Schon die Dimensionen machen deutlich, dass Jones hier einen Platz für große Turniere entwerfen wollte. Breite Fairways, riesige Bunker, anspruchsvolle Grüns und zahlreiche Wasserhindernisse prägen das Layout. Besonders eindrucksvoll ist die Nähe zum Mälarsee, dessen Wasser auf mehreren Bahnen unmittelbar ins Spiel kommt. Der Stadium Course war mehrfach Austragungsort der Nordea Masters auf der European Tour.

Penha Longa – Atlantic Course – Portugal
In den bewaldeten Hügeln von Sintra westlich von Lissabon liegt mit dem Atlantic Course von Penha Longa eines der bekanntesten europäischen Designs von Robert Trent Jones Jr. Der Anfang der 1990er Jahre eröffnete Platz verbindet anspruchsvolles Golf mit einer außergewöhnlichen historischen Kulisse. Die Spielbahnen führen durch hügeliges Gelände, vorbei an alten Steinmauern und historischen Bauwerken des ehemaligen Klosteranwesens. Dabei entstehen immer wieder reizvolle Kontraste zwischen der jahrhundertealten Kulturlandschaft und den modernen Anforderungen eines Championship-Courses.
Penha Longa war mehrfach Austragungsort der Portuguese Open auf der European Tour. Besonders anspruchsvoll sind die Höhenunterschiede, die präzise Längenkontrolle und eine überlegte Schlägerwahl verlangen.

Hogs Head Golf Club – Irland
Es dauerte erstaunlich lange, bis Robert Trent Jones Jr. seinen ersten Golfplatz in Irland entwarf. Erst 2017 entstand mit Hogs Head nahe Waterville im County Kerry ein Course, der sich bewusst an den großen Traditionen des irischen Golfs orientiert. Der Platz liegt hoch über dem Atlantik auf einer zerklüfteten Landzunge. Anders als ein klassischer Linksplatz verläuft Hogs Head nicht auf flachem Küstenland, sondern über Klippen und hügeliges Terrain. Dennoch sorgen sandbasierte Spielflächen, Fescue-Gräser und der allgegenwärtige Wind für typische Links-Bedingungen.
Eine Besonderheit ist die 13. Bahn, ein Par 3 mit zwei unterschiedlichen Grüns, zwischen denen je nach Bedingungen gewechselt werden kann. Auch ein gemeinsames Grün für die Bahnen 11 und 14 erinnert an die großen historischen Vorbilder Schottlands.

Princeville Makai – Hawaii, USA
Bereits Anfang der 1970er Jahre war Robert Trent Jones Jr. auf Hawaii tätig. Mit dem Makai Golf Course auf Kauai entstand eines seiner frühen internationalen Aushängeschilder und zugleich einer der bekanntesten Resortplätze des pazifischen Archipels.
Die Anlage liegt an der Nordküste der Insel hoch über dem Pazifik. Tropische Vegetation, gewaltige Höhenunterschiede und spektakuläre Ausblicke auf die Hanalei Bay prägen das Design. Besonders eindrucksvoll sind die Spielbahnen entlang der Steilküste, bei denen der Ozean nicht nur Kulisse, sondern gelegentlich auch unmittelbare Herausforderung ist. Der ursprüngliche Makai Course wurde später von Jones Jr. umfassend modernisiert. Das Ergebnis verbindet den Charakter eines klassischen Resortplatzes mit zeitgemäßen strategischen Anforderungen.

The National – Old Course – Australien
Auf der Mornington Peninsula südlich von Melbourne schuf Robert Trent Jones Jr. einen der spektakulärsten Golfplätze Australiens. Der Old Course des National Golf Club führt durch eine gewaltige Dünenlandschaft, deren natürliche Formen bereits die Grundlage für das Design vorgaben. Die Fairways schlängeln sich zwischen hohen Sanddünen und ursprünglicher Küstenvegetation hindurch. Trotz der teilweise enormen Höhenunterschiede verzichtete Jones auf übermäßige Eingriffe in das Gelände. Stattdessen nutzte er die vorhandene Topografie, um immer neue strategische Möglichkeiten zu schaffen.
Der Architekt selbst bezeichnete die Arbeit an diesem Gelände als einen besonderen Glücksfall. Die mächtigen Dünen erinnerten ihn an die großen britischen Linksplätze, boten jedoch noch dramatischere Dimensionen. Der Old Course zählt heute zu den renommiertesten Anlagen Australiens und gilt als eines seiner architektonisch anspruchsvollsten Werke.

The Club at Nine Bridges – Südkorea
Mit Nine Bridges auf der südkoreanischen Insel Jeju gelang Robert Trent Jones Jr. einer seiner international bekanntesten Entwürfe in Asien. Der Anfang der 2000er Jahre eröffnete Platz liegt in einer vulkanisch geprägten Landschaft am Fuß des Hallasan-Massivs. Dichte Wälder, natürliche Höhenunterschiede und sorgfältig integrierte Wasserhindernisse bestimmen das Design. Anders als bei den offenen Küstenplätzen von Jones stehen hier Präzision und strategische Schlagplatzierung im Mittelpunkt. Zahlreiche Bahnen verlangen eine genaue Einschätzung der Geländeformen und der teilweise anspruchsvollen Grünkomplexe.
Internationale Bekanntheit erlangte Nine Bridges durch den CJ Cup, der dort ab 2017 mehrfach auf der PGA Tour ausgetragen wurde. Nine Bridges steht zugleich beispielhaft für die Expansion des modernen Golfplatzdesigns nach Asien, an der Jones Jr. über Jahrzehnte maßgeblich beteiligt war.

Robert Trent Jones Jr. auf einen Blick
- Ausbildung: Stanford University, Studium mit Schwerpunkt Geschichte; anschließend Tätigkeit im Golfplatzdesign
- Karriere: Ab den 1960er Jahren im Unternehmen seines Vaters Robert Trent Jones Sr. tätig
Gründung der eigenen Firma Robert Trent Jones II im Jahr 1972 - International: Mehr als 280 Golfplatzprojekte in über 45 Ländern auf sechs Kontinenten
- Turnierplätze: Zahlreiche bedeutende Profi-Turniere fanden auf seinen Golfplätzen statt, darunter die US Open 2015 in Chambers Bay, die US Womens Open 2016 in CordeValle sowie mehrere PGA-Tour-Turniere. Auch in Europa prägen seine Entwürfe den Turnierkalender, etwa der Stadium Course von Bro Hof Slott als Austragungsort der Nordea Masters und Alcanada als wiederholter Schauplatz des HotelPlanner Tour Grand Finals.
- Design-Philosophie: Für Jones steht die natürliche Landschaft am Anfang jedes Entwurfs. Anstatt ein vorgegebenes Layout dem Gelände aufzuzwingen, nutzt er dessen Topografie, Vegetation und besondere Merkmale als gestalterische Grundlage. Strategische Spieloptionen, unterschiedliche Wege zum Grün und die Möglichkeit, Risiken bewusst einzugehen, prägen seine Plätze. Dabei soll jeder Course eine eigenständige Identität erhalten, die untrennbar mit seiner Umgebung verbunden ist.










