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Kyle Phillips und seine Meisterwerke | © Clubs

Kyle Phillips: Zehn Meisterwerke des modernen Golfplatzdesigns

Wenn Europas beste Golferinnen vom 11. bis 13. September beim Solheim Cup in Bernardus auf die USA treffen, steht auch die Arbeit von Kyle Phillips im Rampenlicht. Erst 2018 wurde der Course im niederländischen Cromvoirt eröffnet, drei Jahre später gastierte erstmals die Dutch Open auf der Anlage. Nun folgt mit dem Solheim Cup die bislang größte internationale Bühne.

 

Bernardus ist zugleich ein gutes Beispiel für die Philosophie seines Architekten. Kyle Phillips gehört nicht zu jenen Designern, deren Plätze auf den ersten Blick eine unverkennbare Handschrift tragen. Vielmehr versucht der Amerikaner, aus den Besonderheiten des jeweiligen Standorts eine eigenständige Identität zu entwickeln.

 

Das Ergebnis kann entsprechend unterschiedlich aussehen: ein moderner Links an der schottischen Küste, ein Championship Course in der Wüste Abu Dhabis oder ein spektakulärer Platz auf einer südkoreanischen Insel. Phillips studierte Landschaftsarchitektur an der Kansas State University und begann seine Karriere 1981 bei Robert Trent Jones II. Dort sammelte er über viele Jahre internationale Erfahrung, ehe er 1997 sein eigenes Designbüro gründete. Heute umfasst sein Portfolio Arbeiten in mehr als 30 Ländern auf fünf Kontinenten.

Zehn Kyle-Phillips-Plätze, die besonders eindrucksvoll die Bandbreite seiner Golfarchitektur zeigen

Bernardus Golf – Niederlande

Der aktuelle Schauplatz des Solheim Cup 2026 ist vielleicht das beste Beispiel für Phillips' Fähigkeit, einer zunächst unspektakulären Landschaft einen völlig neuen Charakter zu geben. Als er das Gelände bei Cromvoirt erstmals besichtigte, fand er praktisch drei flache Maisfelder vor. Phillips orientierte sich jedoch nicht an der modernen Agrarlandschaft, sondern blickte weiter zurück. Inspiration lieferte unter anderem der nahe Nationalpark Loonse en Drunense Duinen mit seinen Sandflächen, Heide, Ginster und Kiefern.

 

So entstand ein moderner Heathland Course mit modellierten Bodenwellen, zahlreichen strategischen Bunkern und Wasserhindernissen, die sich erstaunlich selbstverständlich in das Gelände einfügen. Der Platz wurde 2018 eröffnet und war von 2021 bis 2023 dreimal Austragungsort der Dutch Open. Mit dem Solheim Cup rückt Bernardus nun endgültig ins internationale Rampenlicht.

Kingsbarns Golf Links – Schottland

Wenn ein Platz die Karriere von Kyle Phillips definiert hat, dann Kingsbarns. Nur rund zehn Kilometer südöstlich von St. Andrews gelegen, eröffnete der Course im Jahr 2000. Golf wurde an dieser Stelle bereits vor mehr als 200 Jahren gespielt, der alte Platz war jedoch während des Zweiten Weltkriegs aufgegeben worden. Phillips bekam damit die außergewöhnliche Aufgabe, auf historischem Boden einen völlig neuen Links zu schaffen.

 

Das Ergebnis wirkt, als hätte Wind und Meer die Fairways über Jahrhunderte geformt. Tatsächlich wurde ein erheblicher Teil der Dünenlandschaft künstlich modelliert. Von jedem Loch ist die Nordsee sichtbar, fünf Bahnen berühren unmittelbar die Küste. Spektakulärer Höhepunkt ist das Par 3 der 15, dessen Grün auf einer Landzunge liegt und teilweise über das Meer angespielt wird.

 

Kingsbarns etablierte Phillips praktisch über Nacht in der ersten Liga der internationalen Golfarchitektur. Heute bildet der Platz gemeinsam mit dem Old Course von St. Andrews und Carnoustie die jährliche Bühne der Alfred Dunhill Links Championship und war 2017 auch Austragungsort der Women's British Open.

Yas Links – Abu Dhabi

Einen authentischen Links Course mitten in Abu Dhabi zu bauen, klingt zunächst nach einem Widerspruch. Genau darin lag der Reiz von Yas Links. 

 

Als Phillips das Gelände auf Yas Island übernahm, bestand es aus einem rund 3,2 Kilometer langen, weitgehend flachen Sandstreifen am Wasser. Daraus modellierte er eine künstliche Dünenlandschaft mit ondulierten Fairways, tiefen Bunkern und großen Grüns, die bewusst an die klassischen Links Großbritanniens erinnert.

 

Der 2010 eröffnete Par-72-Course misst von den hinteren Abschlägen rund 7.450 Yards und bietet auf allen 18 Bahnen Blick auf das Wasser. Yas Links demonstriert vielleicht deutlicher als jeder andere Phillips-Platz seine Fähigkeit, aus einem nahezu leeren Gelände eine Landschaft entstehen zu lassen, die wesentlich älter und natürlicher wirkt, als sie tatsächlich ist.

South Cape Owners Club – Südkorea

Bei South Cape bestand die Herausforderung genau im Gegenteil. Hier musste Phillips keine Landschaft erschaffen – sondern eine spektakuläre Landschaft für Golf nutzbar machen.

 

Der Platz liegt auf Namhae Island an der zerklüfteten Südküste Koreas. Andere Architekten hatten das extrem bewegte Gelände zuvor als schwierig bis ungeeignet für einen Weltklasseplatz eingeschätzt. Phillips reduzierte die ursprünglich geplanten Erdbewegungen deutlich und versuchte stattdessen, die vorhandene Topografie und Vegetation möglichst stark einzubeziehen.

 

Das Resultat gehört zu den spektakulärsten modernen Golfplätzen Asiens. Von allen 18 Löchern eröffnet sich der Blick auf das Meer und die umliegenden Inseln, besonders die Back Nine führt mehrfach unmittelbar an die felsige Küste. Der 2013 eröffnete South Cape Owners Club etablierte sich rasch als Nummer eins Südkoreas und schaffte den Sprung in internationale Top-100-Rankings.

Verdura Golf – Sizilien

Für Hotelier Sir Rocco Forte sollte an der Südwestküste Siziliens nicht einfach ein Golfplatz, sondern eine der führenden Golfdestinationen Europas entstehen. Phillips erhielt dafür eine außergewöhnliche Leinwand: rund 230 Hektar Land mit fast zwei Kilometern Mittelmeerküste.

 

Statt die besten Küstenabschnitte einem einzigen Platz zu geben, verteilte Phillips sie auf zwei unterschiedliche 18-Loch-Courses. Der East und West Course führen zwischen Oliven- und Orangenhainen immer wieder hinunter ans Meer. Während der West Course mehr unmittelbare Küstenbahnen besitzt, wechselt der stärker ondulierte East häufiger seine Spielrichtung.

 

Nach schweren Unwettern Ende 2018 musste ein Teil der Anlage neu aufgebaut werden. Phillips nutzte die Gelegenheit für weitere Veränderungen und bezog die Küstenlinie noch stärker in das Design ein. Verdura zeigt damit nicht nur seine Arbeit als Architekt, sondern auch die Fähigkeit, einen bestehenden eigenen Entwurf weiterzuentwickeln.

The Grove – England

Nur rund 30 Kilometer vom Zentrum Londons entfernt, zeigt The Grove eine völlig andere Seite von Kyle Phillips. Keine Dünen, kein Meer, keine spektakuläre Felsküste: Der 2003 eröffnete Course führt durch eine klassische englische Parklandschaft auf einem historischen Country Estate. Statt einer künstlichen Links-Optik stehen breite Spielkorridore, alte Baumbestände und strategisch positionierte Bunker im Mittelpunkt.

 

Dass der Platz auch auf höchstem sportlichen Niveau funktioniert, zeigte sich bereits drei Jahre nach seiner Eröffnung. 2006 gewann Tiger Woods hier die WGC-American Express Championship. Zehn Jahre später war The Grove Schauplatz des British Masters.

 

Gerade im Vergleich mit Kingsbarns oder Yas Links wird sichtbar, was Phillips von vielen Architekten unterscheidet: Nicht eine wiederkehrende Designsprache soll den Platz bestimmen, sondern der Charakter seines jeweiligen Standorts.

Dundonald Links – Schottland

Nach dem Erfolg von Kingsbarns erhielt Phillips die Gelegenheit, auch an der schottischen Westküste einen modernen Links zu schaffen. Dundonald liegt in Ayrshire, einer der großen Golfregionen der Welt, nur wenige Kilometer von Royal Troon, Western Gailes und Prestwick entfernt. Der 2004 eröffnete Course musste sich deshalb von Beginn an mit außergewöhnlicher Nachbarschaft messen.

 

Phillips modellierte aus dem Gelände einen traditionellen Links mit tiefen Bunkern, welligen Fairways und Grüns, die zahlreiche unterschiedliche Anspielmöglichkeiten erlauben. Wie schon bei Kingsbarns besteht ein Teil der Leistung darin, dass die Landschaft wesentlich älter wirkt als der Golfplatz selbst. Auch sportlich hat sich Dundonald etabliert. 2017 gastierte die Scottish Open auf dem Platz, zudem ist er regelmäßig Bühne der Women's Scottish Open.

California Golf Club of San Francisco – USA

Nicht alle bedeutenden Arbeiten von Phillips entstanden auf einer leeren Fläche. Beim California Golf Club of San Francisco bestand die Aufgabe darin, einen historischen Platz wiederzuentdecken. Der Club eröffnete seinen heutigen Course 1926. Bereits zwei Jahre später waren Alister MacKenzie und Robert Hunter mit Veränderungen beauftragt worden. Jahrzehnte von Umbauten und veränderter Pflege hatten jedoch viel vom ursprünglichen Charakter verschwinden lassen. 

 

2007 begann unter Phillips eine umfassende Renovierung, die 18 Monate später abgeschlossen wurde. Dabei ging es weniger darum, dem Platz eine neue Identität aufzuzwingen, als verloren gegangene strategische Elemente wieder herauszuarbeiten und den Course an das moderne Spiel anzupassen. Das Ergebnis zählt heute zu den höchstbewerteten Plätzen Kaliforniens und zeigt eine weitere Facette von Phillips: Neben spektakulären Neubauten gehört auch die behutsame Neuinterpretation historischer Golfarchitektur zu seinem Portfolio.

Oaks Prague – Tschechien

Nur rund 30 Kilometer südöstlich von Prag hat Kyle Phillips einen modernen Championship Course geschaffen, der innerhalb weniger Jahre auch international auf sich aufmerksam machte. Der 2020 eröffnete Platz führt durch eine abwechslungsreiche Landschaft mit Wäldern, offenen Feldern und sanft modelliertem Terrain. Phillips setzte dabei auf breite Spielkorridore und unterschiedliche strategische Optionen vom Tee, während markante Bunker und stark konturierte Grüns insbesondere beim Annäherungsspiel Präzision verlangen. Wie bei vielen seiner Entwürfe soll nicht eine bestimmte Architektursprache dominieren, sondern der vorhandene Charakter der Landschaft.

 

Seine sportliche Bewährungsprobe auf höchstem Niveau folgte 2024, als Oaks Prague erstmals Austragungsort der Czech Masters auf der DP World Tour wurde. Der mehr als 7.600 Yards lange Par-72-Course hat sich damit nur wenige Jahre nach seiner Eröffnung als einer der bedeutendsten modernen Golfplätze Mitteleuropas etabliert.

Golf Eichenheim – Österreich

Zwischen Wildem Kaiser und Hohen Tauern wartete auf Phillips wiederum eine völlig andere Aufgabe. Golf Eichenheim bei Kitzbühel führt durch eine alpine Landschaft mit steilen Felswänden, dichten Wäldern, natürlichen Bächen und erheblichen Höhenunterschieden. Der 2001 eröffnete Par-71-Course misst gut 6.000 Meter und verlangt aufgrund des Geländes eine vollkommen andere Architektur als Phillips' Links- und Heathland-Plätze. 

 

Gerade deshalb passt Eichenheim in diese Auswahl. Der Platz zeigt, dass sich Phillips' Philosophie nicht auf Küstenlandschaften beschränkt. Statt seine eigene Designsprache über die Tiroler Bergwelt zu legen, nutzt er deren natürliche Dramaturgie als bestimmendes Element des Courses.

Kyle Phillips auf einen Blick

Ausbildung:

Landscape Architecture, Kansas State University

 

Karriere:

Ab 1981 Robert Trent Jones II
Gründung von Kyle Phillips Golf Course Design 1997

 

International:

Arbeiten in mehr als 30 Ländern auf fünf Kontinenten

 

Turnierplätze:

Mehr als 50 internationale Profi-Turniere wurden auf von Phillips entworfenen oder bearbeiteten Plätzen ausgetragen – darunter Women's British Open, World Golf Championships, Scottish Open, British Masters und Dutch Open. 2026 kommt mit dem Solheim Cup in Bernardus eines der bedeutendsten Events im Damengolf hinzu.

 

Design-Philosophie:

Klassische Links- und Heathland-Prinzipien bilden eine wichtige Grundlage seiner Arbeit. Entscheidend ist jedoch die jeweilige Landschaft: Phillips versucht, jedem Platz eine eigenständige Identität zu geben und neue Courses so in ihre Umgebung einzubetten, als hätten sie dort schon wesentlich länger existiert.

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