Scheffler tigeresk, McIlroy bewegt und Hausverbot für Clark
Scottie Scheffler ist endgültig in der Golfgeschichte angekommen. Mit seinem Triumph bei der Open Championship 2025 in Royal Portrush hat der 29-jährige Texaner nicht nur seinen vierten Major-Titel gewonnen, sondern auch eine bemerkenswerte Parallele geschaffen: Genau 1.197 Tage lagen zwischen seinem Masters-Sieg 2022 und dem Gewinn der Claret Jug – exakt die gleiche Zeitspanne, die auch Tiger Woods einst für seine ersten vier Major-Erfolge benötigte.
Schefflers Erfolg in Nordirland war geprägt von Konstanz, mentaler Stärke und überragendem Ballstriking. Selbst ein Doppelbogey in der Finalrunde brachte ihn nicht aus der Ruhe – prompt konterte er mit einem Birdie. Am Ende siegte er mit vier Schlägen Vorsprung. Seine dominante Saison 2025 umfasst nun bereits zwei Major-Titel – und mit dem U.S. Open 2026 in Shinnecock Hills steht im kommenden Jahr sein erster Anlauf auf den Career Grand Slam bevor.
Als Superstar gibt sich Scheffler dennoch zurückhaltend. Er meidet den großen Auftritt, verzichtet auf Glamour und stellt Familie und Glaube über den sportlichen Erfolg. Die wachsenden Vergleiche mit Tiger Woods kommentiert er gelassen – und mit Respekt: „Das ist albern. Tiger hat 15 Majors gewonnen. Ich habe jetzt vier. Tiger steht allein im Golfsport.“
McIlroy dankbar, Fitzpatrick genervt
Der Publikumsliebling in Portrush war ohnehin ein anderer: Rory McIlroy. Der Nordire präsentierte sich bei seinem Heimspiel solide und genoss den Zuspruch der Fans: „Der Empfang auf dem letzten Loch war unglaublich – daran werde ich mich lange erinnern.“ Spielpartner Matt Fitzpatrick nahm den Hype hingegen mit britischem Humor: „Ich habe genug ‚Rorys‘ für ein ganzes Leben gehört“, sagte der Engländer, der sich spielerisch im Aufwind zeigt.
Kurios wurde es für McIlroy am Samstag bei einem Schlag aus dem Rough, bei dem er unbeabsichtigt einen zweiten, im Boden liegenden Ball ausgrub – der irritierende Moment sorgte für Staunen beim Publikum und ein Lächeln beim Nordiren.
Freudestrahlend zeigte sich auch Wyndham Clark, der nach einem bislang enttäuschenden Jahr mit einem geteilten vierten Platz zurück in die Erfolgsspur fand. Zuvor war bekannt geworden, dass der U.S. Open-Sieger von 2023 im Oakmont Country Club Hausverbot erhalten hatte – Grund waren Wutausbrüche und beschädigtes Inventar. Nur unter Auflagen – inklusive Anti-Aggressionstraining – darf er künftig wieder zurückkehren.
Ritchie dominanter als Scheffler
Auch andernorts wurde in dieser Woche Golf auf hohem Niveau gespielt. Bei der German Challenge powered by VcG im Wittelsbacher Golfclub sicherte sich JC Ritchie aus Südafrika mit acht Schlägen Vorsprung souverän den Titel – ein Turnierrekord. Der beste Deutsche war Philipp Katich auf einem starken geteilten vierten Rang. Insgesamt sechs deutsche Golfer erreichten die Finalrunden und sorgten für ein erfreuliches Heimspiel aus nationaler Sicht.
Auch auf der Epson Tour gab es Grund zur Freude: Isi Gabsa aus dem National Team Germany belegte bei der Casella Golf Championship in New York Rang zwölf. Damit hat die 29-Jährige weiterhin eine Chance auf eine volle Spielberechtigung für die LPGA Tour 2026. Aktuell rangiert sie auf Platz 22 der Saisonwertung – eine solide Ausgangsposition für die entscheidende Phase des Jahres.










