Gold für die Münchener Jungseniorinnen
Wiesbaden. Manche Meisterschaften erzählen die Geschichte eines sportiven Ausbruchs, andere die einer konsequent durchgezogenen Ansage. Die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft der AK 30 der Frauen im GC Gäuboden war ein Fall der zweiten Kategorie – aber nur fast. Die Jungseniorinnen des Münchener GC hatten den Eröffnungstag als Beste der Zählspielqualifikation beendet, spielten ein überzeugendes Viertelfinale gegen den Frankfurter GC und mussten im Halbfinale gegen den GC Neuhof ins Stechen.
Am Finaltag ließ die Mannschaft dann keinen Zweifel mehr: 4:1 gegen den Berliner GC Gatow. Ein Start-Ziel-Sieg, wenn man dies bei einem Matchplay-Turnier überhaupt so sagen kann. All das bei angenehmen Spielbedingungen mit wechselnder Bewölkung, kühlem Morgen und Höchstwerten um 23 Grad. Der Wind nach wie vor nur schwach. Es gab also keine Ausreden – und die Münchnerinnen brauchten auch keine.
Frühe Gleisstellung im Finale
Der Vierer gab die Marschrichtung vor. Tanja Morant und Jessica Lindlau (beide Münchener GC) fertigten Nicole Kunz und Leonie Reuter (beide Berliner GC Gatow) mit 6&5 sehr früh ab – nach 13 gespielten Löchern war das Duell entschieden, und München hatte den ersten Punkt, scheinbar bevor Gatow überhaupt ins Turnier gefunden hatte.
Kurz darauf machte Silvia Wilms, die Heldin des Halbfinal-Stechens, den Vorsprung komfortabel: Ihr 6&5-Erfolg über Olivia Neubauer fiel ebenso deutlich und ebenso früh aus. Ein starker Vorsprung für die ohnehin favorisierten Süddeutschen. Im letztendlich entscheidenden Match standen sich die frühere Nationalspielerin Pia Gassner (Münchener GC) und die frühere Bundesliga-Spielerin Franziska Loye (Berliner GC Gatow) gegenüber. Nach Bahn 15 lag Gassner bereits dormie mit 3auf. Doch Loye wehrte sich verbissen und holte den Lochsieg an Bahn 16. Dann an Bahn 17 allerdings, legte Gassner, die mit ihrem Einzelsieg das Stechen gegen Neuhof überhaupt erst möglich gemacht hatte, ebenfalls mit Lochsieg nach und schliesst zum 3&1-Sieg gegen Loye ab. Das war der entscheidende Punkt zum 3:0 und zur Meisterschaft.
Die dahinter spielende Quirine-Louise Eijkenboom (Münchener GC) lag gegen Diana Karwelat (Berliner GC Gatow) zeitweise mit zwei Löchern zurück, drehte ihr Match aber in der Schlussphase. Zum Zeitpunkt der Entscheidung stand es 1auf für Eijkenboom - mit noch zwei Bahnen zu gehen. Die Duellantinnen verständigten sich auf einen geteilten Punkt. Dass Anne-Sophie Kuske im letzten Einzel nach 15 Bahnen mit 1auf gegen Vicky Stetter (vielen noch als Vicky Troeltsch bekannt) führte und den Ehrenpunkt für Gatow holte, änderte an der Hierarchie des Tages nichts mehr.
Vizemeister: Gatow glücklich
Auch wenn das Finalwunder aus Hauptstadt-Sicht ausblieb: Für die Berlinerinnen ist Silber dennoch ein Ausrufezeichen. Als Siebte der Zählspielqualifikation gestartet, schalteten sie im Viertelfinale mit dem GC Olching den Qualifikationszweiten und im rein Berliner Halbfinale den starken G&LC Berlin-Wannsee aus. „Das ist ein sensationeller Überraschungserfolg unserer AK-30-Frauen“, hatte Leonie Reuter schon vor dem Endspiel gesagt. „Mit dem Einzug ins Finale hat das Team bereits jetzt eine herausragende Leistung vollbracht und sich einen Platz unter den besten Mannschaften Deutschlands gesichert.“
Auch bei den Münchnerinnen brauchte es keine großen Analysen. Am Vortag hatte Silvia Wilms im Stechen am 10. Loch den Finaleinzug gesichert, am Finaltag lieferte sie mit 6&5 den vielleicht wichtigsten Baustein zum Titel – und danach vor allem eine Erklärung, die weniger mit Technik als mit Zusammenhalt zu tun hatte. „Wir sind super happy. Wieder in Bayern gewonnen!“, sagte sie. Und weiter: „Wir sind so eine harmonische Mannschaft, kennen uns so lange und können uns aufeinander verlassen.“
Genau das war über drei Turniertage die Signatur dieser Mannschaft: keine Einzelshow, sondern ein Kollektiv, in dem alle massiv zum Sieg beitrugen und in dem immer wieder andere Spielerinnen die entscheidenden Szenen gestalteten: Vicki Stetter mit der besten Qualifikationsrunde am Eröffnungstag, Eijkenboom mit dem ersten Punkt im Viertelfinale, Pia Gassner mit dem Punkt zum Stechen im Halbfinale, Wilms selbst im Stechen, Morant und Lindlau mit dem ersten und dazu sehr deutlichen Punkt im Finale.

Wannsee dreht das Bronzespiel
Im Spiel um Platz drei trafen zwei Mannschaften aufeinander, die in ihren Halbfinals denkbar knapp gescheitert waren – Neuhof im Stechen, Wannsee im letzten Einzel. Dieses Mal gewannen die Berlinerinnen das bessere Ende für sich: Alina Frie und Laura Löser setzten mit einem 5&4 im Vierer das erste Signal, Lisa Loeper erhöhte mit 3&2 gegen Marie-Theres Liehs.
Neuhof hielt die Begegnung durch Carolin Pietrulla (2&1 gegen Tabea Klang) kurz offen, doch Tina Fischoeder machte mit einem 3&2-Sieg über Linn Emily Weber den Weg frei. Anja Lundberg und Laura Kowohl teilten ihr Duell zum 3,5:1,5-Endstand. Für den Vorjahresfinalisten Neuhof bleibt damit der vierte Platz – und die Erkenntnis, wie schmal der Grat zwischen Stechen und Medaille war. Die Titelverteidigerinnen des Stuttgarter GC Solitude waren bereits am Eröffnungstag als Neunte der Qualifikation aus dem Titelrennen gefallen.
Im Duell um Platz fünf setzte sich der Hamburger GC mit 3:3 gegen den GC Hamburg-Walddörfer durch und beendete das Turnier als bestes norddeutsches Team. Den siebten Platz sicherte sich der Frankfurter GC mit 3:2 gegen den GC Olching, der nach Rang zwei in der Qualifikation ein enttäuschendes Wochenende erlebte.
Für den GC Gäuboden war die Premiere als Ausrichter einer Deutschen Meisterschaft ein Erfolg auf ganzer Linie. „Wir haben uns aktiv um eine Deutsche Meisterschaft beworben, und der Bayerische Golfverband hat uns empfohlen“, sagt Inhaber Florian Erhardsberger. „Die Stimmung ist gut, die Zuschauer sind da, viele unserer Mitglieder sind hier und der Parkplatz ist voll. Wir wollen uns einfach freuen, dass wir das so gemacht haben.“
Ergebnisse Finaltag, Flight A
Spiel um Platz 1: Münchener GC – Berliner GC Gatow 3,5:1,5
Morant/Lindlau – Kunz/Reuter 1:0 (6&5) · Gassner – Loye 1:0 (3&1) · Eijkenboom – Karwelat 0,5:0,5 (AS) · Wilms – Neubauer 1:0 (6&5) · Stetter – Kuske 0:1 (1auf)
Spiel um Platz 3: G&LC Berlin-Wannsee – GC Neuhof 3,5:1,5
Frie/Löser – Zipf/Kalbrunner 1:0 (5&4) · Loeper – Liehs 1:0 (3&2) · Klang – Pietrulla 0:1 (2&1) · Fischoeder – Weber 1:0 (3&2) · Kowohl – Lundberg 0,5:0,5 (AS)
Spiel um Platz 5: Hamburger GC – GC Hamburg-Walddörfer 3:2
Tidow/Fehlauer – Wiegmann/Schalk 1:0 (2&1) · Lorf – Schlatermund 0:1 (1auf) · Henke – Emmelmann 1:0 (3&2) · Mühldorfer – Kaeding 1:0 (2auf) · Labsch – Wehle 0:1 (1auf)
Spiel um Platz 7: Frankfurter GC – GC Olching 3:2
Preisler/Wagner – Becker/Grelle 1:0 (2&1) · Geis – Demleitner 1:0 (3&1) · Jedlicki – Drechsler 0:1 (4&3) · Junker – Hufnagl 0:1 (3&1) · Bolz – Weiß 1:0 (2&1)
Endstand Flight A:
1. Münchener GC
2. Berliner GC Gatow
3. G&LC Berlin-Wannsee
4. GC Neuhof
5. Hamburger GC
6. GC Hamburg-Walddörfer
7. Frankfurter GC
8. GC Olching
Endstand Flight B:
9. Stuttgarter GC Solitude
10. Dortmunder GC
11. GC Trier
12. GC Bergisch Land
13. Club zur Vahr
14. GK Braunschweig








