Münchener GC eröffnet stark
Wiesbaden. Wenn sich die besten AK-30-Mannschaften Deutschlands treffen, dann entscheidet der Eröffnungstag zwar noch keinen Titel – aber er sortiert die Hierarchie mit brutaler Klarheit und einer mitunter ärgerlichen Vorentscheidungs-Gewalt. Im GC Gäuboden geriet diese Sortierung am Eröffnungstag zu einem kleinen Beben: Der Münchener GC übernahm mit +22 Schlägen die Führung in der Zählspielqualifikation, während sich die amtierende Meister des Stuttgarter GC Solitude mit +63 Zählern auf Platz neun einsortieren – und damit außerhalb der acht Teams, die in den noch anstehenden zwei Turniertagen im Flight A um die Meisterschaft spielen. Die Titelverteidigung ist damit bereits nach dem ersten Tag Geschichte.
Fünf der jeweils sechs gespielten Einzel zählen pro Mannschaft. Herzstück des Münchener Auftritts war Vicki Stetter (Münchener GC). Ihre 68er Runde (-4) blieb eine von insgesamt nur zwei unter der Platznorm. Stark vor allem die Birdie-Strecke um den Turn herum: auf den Löchern 8 bis 11 machte Stetter jeweils einen Schlag gut. Sie verschaffte ihrer Mannschaft damit das Polster, das Silvia Wilms und Pia Gassner mit je 76 Schlägen (+4) stabilisierten. Dabei musste gerade die so routinierte Wilms eine unglückliche Eröffnung hinnehmen: Doppelbogey an Bahn 1. Jessica Lindlau und Tanja Morant notierten als ebenfalls gezählte Ergebnisse jeweils eine 81 (+9).
Die Europameisterin ist dabei
Hinter dem Münchener GC folgt mit dem GC Olching (+25) ein zweites bayerisches Team, angeführt von der frisch gebackenen Mannschafts-Europameisterin Rachel de Heuvel und ihrer 70 (-2). Der Hamburger GC, im Vorjahr als Gastgeber Dritter, legt mit +28 eine solide, breit getragene Runde hin – Franca Fehlauer (73; +1) und Katinka Mühldorfer (75; +3) übernahmen die Führungsarbeit. Mit dem GC Hamburg-Walddörfer (+39), dem GC Neuhof (+43), dem G&LC Berlin-Wannsee (+43), dem Berliner GC Gatow (+47) und dem Frankfurter GC (+59) komplettierten fünf weitere Teams die Meisterschaftsgruppe. Der amtierende Vizemeister GC Neuhof rettete sich dabei vor allem über Linn Emily Weber (75; +3).
Bei Stuttgart lief hingegen fast alles gegen die Erwartung – oder zumindest die Hoffnung. Hanne Rieke Gerding (Stuttgarter GC Solitude) hielt mit einer 75 tapfer die Fahne, doch die weiteren Zählrunden lagen zwischen 85 und 90 Schlägen – in einem Feld, in dem 28 über Par schon Platz drei bedeuteten, war das zu viel. Und das, obwohl die Mannschaft außerhalb des Streichergebnisses in ihrem Team-Handicap sogar nominell etwas stärker als im vergangenen Jahr antrat. Für die Schwäbinnen geht es nun noch bestenfalls um Platz neun, aber leider nicht mehr um den Wanderpokal.
Ein Parklandkurs mit bayerischer Handschrift
Der gastgebende GC Gäuboden richtet in diesem Jahr erstmals eine Deutsche Mannschaftsmeisterschaft aus – für den 1992 gegründeten Club ist dies nach eigenem Bekennen eine besondere Ehre und dazu eine Gelegenheit, um Platz und Gastfreundschaft weit über die Region hinaus zu zeigen. Ohne Frage sind die DMM AK 30 ein Höhepunkt der bisherigen Vereinsgeschichte. Die Anlage liegt sieben Kilometer außerhalb von Straubing auf dem fruchtbaren Gäuboden, der niederbayerischen Donauebene, und erstreckt sich über knapp 120 Hektar am Fuße des Bayerischen Waldes.
Der Meisterschaftsplatz ist ein flach gelegener Parklandkurs. Breite, eingewachsene Fairways verzeihen den einen oder anderen verzogenen Schlag, doch die überdurchschnittlich großen, ondulierten und schnellen Grüns fordern präzise Annäherungen und Nerven beim Putten. Wasser ist der eigentliche Taktgeber: Bereits Loch eins gilt als schwerste Bahn, mit einem See links der Spielbahn und einem frontalen Wasserhindernis vor dem Grün. Es folgt ein Par-4-Dogleg mit Inselgrün, und das 381 Meter lange siebte Loch zählt zu den härtesten Par-4-Bahnen der Runde. Wer vom ersten Abschlag nach Norden schaut, sieht die Wallfahrtskirche auf dem Bogenberg vor der Kulisse des Bayerischen Waldes – eine der schöneren Ablenkungen im deutschen Turniergolf.
Bedingungen ohne Ausreden
Das Wetter spielte am Eröffnungstag die Rolle des neutralen Beobachters. Bei Temperaturen von morgens rund 13 Grad bis zu etwa 18 bis 20 Grad am Mittag blieb es bei überwiegend dichter Bewölkung trocken, der schwache Wind war ebenfalls kein Faktor. Man könnte sagen: Wer heute scheiterte, scheiterte am Platz – und der forderte in der Tat seinen Tribut.
Schon der erste der insgesamt drei Turniertage hat Fakten geschaffen und Vorentscheidungen herbeigeführt. Am zweiten Turniertag wird es erneut ernst - und zwar gleich im doppelten Sinne: In Flight A trifft am Vormittag Spitzenreiter München auf den Frankfurter GC, Olching gegen Gatow, der Hamburger GC gegen Wannsee und Hamburg-Walddörfer gegen den GC Neuhof. Über jeweils bis zu neun Löcher werden die Halbfinalisten ermittelt. Das Halbfinale wird dann am Nachmittag ausgetragen - erneut über die Sprintdistanz von maximal neun Löcher. Hier werden die Finalpaarungen ermittelt, die dann am dritten und letzten Turniertag aufeinander treffen.







