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Die Underdogs: Die AK-30-Frauen des Berliner GC Gatow haben sich gegen starke Teams behauptet und sich bis ins Finale gespielt. | © privat

Stechen und Berliner Coup: München und Gatow spielen um den Titel

Wiesbaden. Der zweite Turniertag der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft AK 30 der Frauen begann ganz nach Matchplay-Manier: Die Zählspielergebnisse vom Qualifikations-Spieltag waren Schnee von gestern, doch aus den Platzierungen wurden Duelle. Bei angenehmen Bedingungen mit bis zu 22 Grad, wurde über bis zu neun Löcher um jeden einzelnen Punkt gekämpft. Sowohl die Viertelfinalspiele als auch die Halbfinals standen an. Am Ende eines langen Tages stand ein Finale, das vor dem Turnier kaum jemand auf dem Zettel hatte.
 

Zwei Berliner Coups im Viertelfinale

Souverän blieb am Vormittag allein der Spitzenreiter. Der Münchener GC bestätigte seine Führung aus der Qualifikation mit einem 3,5:1,5 gegen den Frankfurter GC. Nach dem verlorenen Auftaktvierer, in dem Tanja Morant und Jessica Lindlau (beide Münchener GC) gegen Lorraine Jedlicki und Carina Brozovsky (beide Frankfurter GC) am letzten Loch unterlagen, drehten die Münchnerinnen die Begegnung im Kollektiv: Quirine-Louise Eijkenboom (2&1), Vicki Stetter (3&2) und Pia Gassner (4&3) holten drei klare Einzelpunkte, Silvia Wilms sicherte gegen Lea Bolz nach geteiltem Match den halben Punkt zum Endstand.
 

Noch deutlicher trat der GC Neuhof auf. Der Vorjahresfinalist ließ dem GC Hamburg-Walddörfer mit 4:1 kaum Luft. Sabine Zipf und Alicia Kalbrunner (beide GC Neuhof) legten im Vierer mit 3&1 vor, Marie-Theres Liehs zog mit dem gleichen Ergebnis nach, und in den drei darauf folgenden eng geführten Einzeln behielten Carolin Pietrulla und Linn Emily Weber jeweils mit 1 auf die Nerven. Einzig Luisa Emmelmann (GC Hamburg-Walddörfer) rettete Zählbares für die Norddeutschen.
 

Für die Überraschungen sorgte die Hauptstadt – zweifach. Der Berliner GC Gatow warf den Qualifikations-Vize GC Olching mit 3:2 aus dem Titelrennen. Nach dem 4&2-Sieg des Vierers Katharina Maurer und Nicole Kunz (beide Berliner GC Gatow) glich Olchings Gabriela Weiß in der letzten Spielgruppierung mit einer Machtdemonstration aus: 5&4 lautete ihr Endstand auf der 9-Loch-Sprintdistanz. Teamkollegin Sophie Hufnagl, die weiter vorne im ersten Einzel spielte, sorgte dann sogar für die Führung. Doch die Gatowerinnen Diana Karwelat und Olivia Neubauer entschieden ihre Einzel jeweils am letzten Loch mit 1auf – zwei Putts, die diese Mannschaft ins Halbfinale trugen. 
 

Fast zeitgleich verabschiedete der G&LC Berlin-Wannsee den Hamburger GC mit 3,5:1,5: Lisa Loeper (3&2), Tina Fischoeder (2&1) und die Wahl-Berlinerin Laura Kowohl (3&1) sammelten drei Einzelpunkte, der Vierersieg von Sabrina Lorf und Sophie Henke (beide Hamburger GC) blieb der einzige Lichtblick für die Hanseatinnen.
 

Viertelfinals

Münchener GC – Frankfurter GC 3,5:1,5
Morant/Lindlau – Jedlicki/Brozovsky 0:1 (1auf) · Eijkenboom – Geis 1:0 (2&1) · Stetter – Junker 1:0 (3&2) · Gassner – Reising 1:0 (4&3) · Wilms – Bolz 0,5:0,5 (AS)

GC Neuhof – GC Hamburg-Walddörfer 4:1
Zipf/Kalbrunner – Wiegmann/Schalk 1:0 (3&1) · Liehs – Schlatermund 1:0 (3&1) · Lundberg – Emmelmann 0:1 (1auf) · Pietrulla – Kaeding 1:0 (1auf) · Weber – Wehle 1:0 (1auf)

Berliner GC Gatow – GC Olching 3:2
Maurer/Kunz – Becker/Grelle 1:0 (4&2) · Loye – Hufnagl 0:1 (2auf) · Karwelat – Drechsler 1:0 (1auf) · Neubauer – Demleitner 1:0 (1auf) · Kuske – Weiß 0:1 (5&4)

G&LC Berlin-Wannsee – Hamburger GC 3,5:1,5
Frie/Löser – Lorf/Henke 0:1 (2&1) · Loeper – Labsch 1:0 (3&2) · Klang – Mühldorfer 0,5:0,5 (AS) · Fischoeder – Tidow 1:0 (2&1) · Kowohl – Fehlauer 1:0 (3&1)

Spannung im Stechen

Nach den Viertelfinals, die allesamt über maximal neun Löcher gespielt wurden, folgten am Nachmittag die ebenfalls über kurze Distanz gespielten Halbfinal-Begegnungen. Der Münchener GC und der GC Neuhof lieferten sich ein Duell, das kaum ausgeglichener hätte verlaufen können. Schon der Vierer setzte den Ton: Morant und Lindlau teilten ihr Match gegen Zipf und Kalbrunner. In den Einzeln wechselte die Initiative dann hin und her. Pietrulla legte mit einem frühen 3&2-Erfolg über Vicky Stetter (Münchener GC) für Neuhof vor. Wilms glich für München mit einem 1auf gegen Weber aus. Liehs brachte Neuhof mit ihrem Sieg gegen Eijkenboom erneut in Führung. Alles lief auf das letzte Einzel zu – und dort hielt Gassner dem Druck stand. Ihr 1-auf-Sieg gegen Anja Lundberg bedeutete das 2,5:2,5 und damit ein Stechen.
 

Wer sollte hier die Verantwortung übernehmen? Zumindest im Fall der Münchnerinnen war die Sache schnell geklärt. „Es war eine einstimmige Entscheidung vom Team“, berichtet Silvia Wilms. „Als klar war, dass es ins Stechen geht, haben alle gesagt: Du machst es und kannst das.“ Auf dem 10. Loch traf sie erneut auf Linn Emily Weber, gegen die sie kurz zuvor bereits das Neun-Loch-Einzel gespielt hatte. Wilms durfte zuerst abschlagen und setzte mit einem starken Drive das erste Signal, während Weber ihren Abschlag nach links ins Rough verzog und sich mit einem Pitch zurück aufs Fairway retten musste. Ihr dritter Schlag lag rund vier Meter neben der Fahne, Wilms' zweiter Schlag etwa sieben Meter. Dann sprach das Adrenalin mit: Der erste Putt der Münchnerin rollte gut zwei Meter über das Loch hinaus. Weber verzog ihren Par-Putt knapp, Wilms lochte den Rückputt – und das Ticket für das Finale war gelöst.
 

Berlin vs. Berlin

Das rein Berliner Halbfinale verlief nicht weniger spannend, folgte aber einer eigenen Dramaturgie. Den ersten Punkt und gleich den überzeugendsten Auftritt des Halbfinaltags lieferte Franziska Loye, die Loeper mit 4&2 abfertigte. Nicole Kunz und Leonie Reuter legten im Vierer mit 2auf nach und brachten Gatow mit 2:0 in eine komfortable Position. Doch Wannsee kam zurück: Tabea Klang bezwang Karwelat mit 1auf, Kowohl setzte sich mit 2&1 gegen Maurer durch – Gleichstand, und die Entscheidung lag beim letzten Einzel. Dort jedoch behielt Olivia Neubauer gegen Fischoeder mit 2auf die Oberhand und schickte Gatow ins Finale.

 

Auf Gatower Seite fiel die Einordnung des Tages entsprechend deutlich aus: „Das ist ein sensationeller Überraschungserfolg unserer AK-30-Frauen“, sagt Leonie Reuter. „Mit dem Einzug ins Finale hat das Team bereits jetzt eine herausragende Leistung vollbracht und sich einen Platz unter den besten Mannschaften Deutschlands gesichert.“ Eine Prognose für den Finaltag will sie daraus allerdings nicht ableiten: „Was morgen noch möglich ist? Wir dürfen gespannt sein, mal sehen, was der Sonntag noch so mit uns vor hat.“

 

So trifft am Finaltag der Münchener GC, seit dem Eröffnungstag das Maß der Dinge, auf einen Endspielgegner mit Underdog-Vibes. Dabei hat Gatow auf seinem Weg mit Olching und Berlin-Wannsee zwei richtig starke Mannschaften ausgeschaltet. Im Spiel um Bronze stehen sich Neuhof und Berlin-Wannsee gegenüber. Beide Begegnungen, in denen es um Medaillen geht, werden über bis zu 18 Löcher ausgetragen.
 

Halbfinals

Münchener GC – GC Neuhof 2,5:2,5 (München siegt im Stechen)
Morant/Lindlau – Zipf/Kalbrunner 0,5:0,5 (AS) · Wilms – Weber 1:0 (1auf) · Eijkenboom – Liehs 0:1 · Stetter – Pietrulla 0:1 (3&2) · Gassner – Lundberg 1:0 (1auf) · Stechen am 10. Loch: Wilms – Weber

Berliner GC Gatow – G&LC Berlin-Wannsee 3:2
Loye – Loeper 1:0 (4&2) · Kunz/Reuter – Frie/Löser 1:0 (2 auf) · Karwelat – Klang 0:1 (1auf) · Maurer – Kowohl 0:1 (2&1) · Neubauer – Fischoeder 1:0 (2auf)
 

Spiele um die Positionen 5 bis 8

GC Hamburg-Walddörfer – Frankfurter GC 3,5:1,5
Wiegmann/Schalk – Brozovsky/Jedlicki 1:0 (2&1) · Schlatermund – Reising 1:0 (3&2) · Emmelmann – Bolz 0:1 (2&1) · Kaeding – Junker 0,5:0,5 (AS) · Wehle – Geis 1:0 (2&1)

Hamburger GC – GC Olching 3,5:1,5
Lorf/Labsch – Becker/Grelle 1:0 (3&1) · Mühldorfer – Hufnagl 1:0 (3&1) · Tidow – Demleitner 1:0 (2&1) · Fehlauer – Weiß 0,5:0,5 (AS) · Domann – de Heuvel 0:1

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