„Wir wussten in jeder Sekunde, dass wir uns aufeinander verlassen können“
Diese Reise nach Österreich hat sich definitiv gelohnt. Alena Oppenheimer und Vivienne Bühle (beide Stuttgarter GC Solitude) sowie Annabelle Sapper (Münchener GC) und Maria Anetseder (GC Starnberg) holten Gold bei der Team-Europameisterschaft der Mid-Amateurinnen (AK25) durch einen Sieg im Endspiel gegen Spanien. Als Kapitänin war Rachel de Heuvel vom GC Olching dabei. Wir haben das Erfolgs-Quintett kurz nach der Ankunft zu Hause erreicht.
Glückwunsch zum EM-Titel! Habt ihr damit gerechnet, dass ihr um Gold spielen könnt, und was war euer persönliches Highlight dieser Mid-Am-Team-EM?
Alena Oppenheimer: Wir sind angereist mit dem Ziel, dieses Jahr die Goldmedaille zu holen. Von daher haben wir definitiv damit gerechnet, dass wir um Gold spielen können. Nach der ersten Zählspielrunde mussten wir uns dafür allerdings noch mal strecken. Mein persönliches Highlight dieser Team-EM war der Moment, in dem ich mein Einzel gegen Spanien gewonnen habe und anschließend Vivi auf den letzten Löchern an der Tasche begleitet habe, wie sie unseren finalen Punkt zum Titel geholt hat.
Maria Anetseder: Nach dem ersten Tag hab' ich es nicht mehr gedacht, da die anderen Teams schon sehr stark waren. Rachel (de Heuvel/ Deutschlands Kapitänin, Anm. d. Red.) hat uns eine Ansage gemacht, dass wir nur eine Chance haben, wenn wir am Donnerstag unter Par spielen. Das haben wir gemacht und das war auch mein absolutes Highlight. Wir haben es gemeinsam durchgezogen und geschafft.
Vivienne Bühle: Wir sind auf jeden Fall mit einem starken Team angereist, aber nach dem ersten Zählspieltag sah es nicht sonderlich gut aus. Da hat das Comeback am zweiten Tag schon sehr Spaß gemacht. Persönliche Highlights habe ich zwei: einmal der Putt zum Finale gegen Frankreich auf dem 17. Grün und natürlich der finale Putt zum Sieg gegen Spanien, das war ein unfassbares Gefühl.
Annabelle Sapper: Nach dem ersten Tag der Zählspielqualifikation war der Gedanke an Gold in weiter Ferne. Da war für uns erst mal das Ziel, Schläge gut machen und uns irgendwie unter die Top Vier fürs Halbfinale zu qualifizieren. Mein persönliches Highlight war gar nicht auf dem Golfplatz zu finden. Vielmehr der Team-Zusammenhalt auch mit den Jungs auf und neben dem Golfplatz. Wir hatten eine tolle gemeinsame Zeit.
Kapitänin Rachel de Heuvel: Ehrlich gesagt habe ich schon ein bisschen damit gerechnet, dass wir um Gold spielen können, weil wir die letzten Jahre doch immer recht starke Teams geschickt haben und letztes Jahr Silber geholt hatten. Der Glaube war da, ja. Mein Highlight war die Aufholjagd der Mädels am Donnerstag. Nach dem eher mauen Start am Mittwoch haben sie am Tag danach hervorragendes Golf gespielt. Das hat mich stolz gemacht.
Habt ihr überhaupt parallel Solheim Cup schauen können und wie steht ihr allgemein zum Matchplay-Format?
Oppenheimer: Solheim Cup habe ich parallel nicht geschaut. Das Matchplay-Format finde ich klasse. Dadurch kommt noch mal eine ganz andere Wettkampfkomponente ins Spiel.
Anetseder: Solheim Cup haben wir auf dem iPad bei der Rückfahrt im Auto geschaut, ansonsten hatten wir keine Zeit. Und ja, Matchplay ist absolut super. Finde es schade, dass es so wenig gespielt wird.
Bühle: Solheim Cup schauen konnten wir leider nicht. Aber ich habe immer mal wieder ins Livescoring geschaut, wenn wir gerade Pause hatten. Sonntags am Flughafen musste ich relativ lange warten und konnte so zumindest noch die Einzel anschauen. Matchplay macht mir super viel Spaß, vor allem im Team. Da gibt es nochmal mehr Nervenkitzel und Spannung, man kann aggressiver spielen und nochmal mehr Risiko gehen.
Sapper: Leider war so gut wie keine Zeit zum Solheim-Cup-Schauen. Da waren unsere Tee Times leider sehr parallel und der Reisetag zurück nach Hause auch recht lang. Ich liebe Matchplay. Es entsteht eine ganz andere Dynamik als im Zählspiel, mehr Emotionen und auch häufig spektakuläre Schläge.
De Heuvel: Wir haben vom Solheim Cup eigentlich so gut wie gar nichts mitgekriegt und nur die letzten Löcher auf der Heimfahrt am iPad angeschaut. Matchplay finde ich super spannend. Das ist wie DFB-Pokal, da kann immer alles passieren. Das macht einfach Spaß, vor allem, wenn man gegen so starke Nationen wie Frankreich oder Spanien spielt und gewinnt.
Was macht die besondere Stimmung in eurem EM-Gold-Team aus? Spielt man anders, wenn es um die Mannschaft geht als wenn es ein normales (Einzel-)Event ist?
Oppenheimer: Wir haben uns spielerisch in den Vierern sehr gut ergänzt. Und auch, wenn wir nur für dieses Event zusammengekommen sind, hatten wir ein starkes Teamgefühl. Ich persönlich würde nicht sagen, dass man anders spielt, wenn es um die Mannschaft geht. Es ist einfach nur schöner, den Erfolg miteinander zu teilen und sich auf dem Weg dahin gegenseitig zu unterstützen.
Anetseder: Die Stimmung macht es aus, dass wir uns untereinander super verstehen und auch als Team auftreten. Es ist schon was anderes, wenn man Einzel spielt, klar. Da sind wir Konkurrentinnen, können uns aber auch für die anderen freuen.
Bühle: Wir sind alle mit einem klaren Ziel angereist, waren aber trotzdem entspannt und nicht zu verkrampft. Außerdem haben wir uns super gut verstanden und gegenseitig supportet. Es ist schon nochmal was anderes, wenn man für ein Team spielt, man verspürt mehr Druck, aber man weiß auch, dass die anderen für einen da sind, was gleichzeitig ein schönes Gefühl ist.
Sapper: Ich würde sagen, man spielt schon etwas anders. Es hängt ja am Ende die Mannschaft dahinter, wenn man selber eine schlechte Leistung zeigt. Wir wussten aber zu jeder Sekunde, dass jede sich auf jede verlassen kann und dass jede ihr Bestes gibt. Der gegenseitige Support, auch von unseren Jungs, war enorm.
De Heuvel: Die Stimmung war tatsächlich sehr besonders. Das ist wie eine kleine Familie. Dieses Jahr hatten wir das Glück, dass wir schon drei Spielerinnen hatten, die sich aus dem letzten Jahr kannten. Mit Vivi Bühle haben wir eine zauberhafte Dame dazubekommen, die großartiges Golf spielt. Gemeinsam mit den deutschen Herren waren wir eine Art eingeschworene Einheit. Das ist auch den anderen Nationen aufgefallen.
Den Pokal musstet ihr leider bei der EGA lassen. Aber wo hängt zu Hause die Medaille?
Oppenheimer: Die Medaille liegt in ihrer Schatulle neben der Einzel-Mid-Am-EM-Medaille.
Anetseder: Die Fahne von Loch 15 wird bei Rachel im Büro einen Ehrenplatz bekommen. Die Medaille hängt bei der silbernen vom letzten Jahr und bei der Einzelmedaille aus 2021 bei mir im Eingang.
Bühle: Die Medaille kommt zu den anderen auf ein Regal.
Sapper: Die Medaille kann man leider nicht aufhängen, daher hängt sie nicht an der Wand mit meinen anderen Medaillen, beispielsweise die der IAM 2025. Die Schachtel liegt im Regal neben meinem Pokal von der Bayerischen Meisterschaft aus diesem Jahr neben der Medaille von der letztjährigen Team-EM der AK25.
De Heuvel: Die Medaille steht bei mir im Büro. Die bleibt im Schächtelchen und wird da schön präsentiert. Den Pokal hatten wir mit einem kühlen Getränk gefüllt, es genossen, mussten den Pott dann wieder abgeben.
Vielen Dank für das Interview und Glückunsch nochmal zu EM-Gold!







