Was die Profis besser macht
Wer mit Trainern, Fitnessexperten oder Tourspielern über Leistungsoptimierung spricht, stößt früher oder später auf das Titleist Performance Institute – kurz TPI. „Wir glauben nicht, dass es den einen perfekten Golfschwung gibt. Wir glauben, dass es Tausende Möglichkeiten gibt, einen Golfschläger zu schwingen“, erklärt Mitgründer Dave Phillips die Grundidee. Entscheidend sei vielmehr, dass jeder Spieler einen Schwung entwickelt, der zu seinen körperlichen Voraussetzungen passt.
Der Ansatz: Statt ausschließlich über klassische Schwungthemen wie Griff, Schlägerebene oder Handgelenkswinkel zu sprechen, beginnt TPI mit dem Körper. Wie beweglich ist die Hüfte? Wie stabil arbeitet der Rumpf? Welche Bewegungen sind überhaupt möglich? Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, folgt die eigentliche Schwunganalyse.
„Wenn ich allen dieselben Anweisungen gebe, werden einige besser und andere schlechter. Deshalb muss ich zuerst verstehen, wie sich ein Mensch bewegt.“ Ausgangspunkt einer TPI-Session ist deshalb eine Bewegungsanalyse, die Einschränkungen bei Mobilität und Stabilität sichtbar machen soll. Dahinter steckt die Überzeugung, dass viele Schwungfehler nicht in erster Linie technische Ursachen haben. Kann sich beispielsweise die Hüfte nicht ausreichend drehen, sucht sich der Körper einen anderen Weg. Die Rotation kommt dann häufig aus dem unteren Rücken – mit Folgen für Konstanz, Geschwindigkeit und nicht selten auch für die Gesundheit.
Der wahre Grund für Rückenschmerzen
„Die meisten Rückenschmerzen beim Golf entstehen nicht im Rücken, sondern weil die Hüfte ihre Beweglichkeit verloren hat“, erklärt Phillips. Aus diesen Erkenntnissen entwickelten Phillips, Dr. Greg Rose und Co. das TPI Assessment beziehungsweise den Movement Screen. Mit verschiedenen Tests wird untersucht, wie sich ein Spieler bewegen kann und wo Einschränkungen vorhanden sind. Die Ergebnisse lassen sich vereinfacht wie eine Ampel darstellen: Rot steht für deutliche Einschränkungen, Gelb für Bereiche, die Aufmerksamkeit benötigen, und Grün signalisiert, dass alles im vorgesehenen Bereich liegt.
Interessanterweise bestehen selbst die besten Spieler der Welt längst nicht jeden dieser Tests. Es gibt allerdings außergewöhnliche Beispiele. Adam Scott besitzt laut Phillips hervorragende körperliche Voraussetzungen. Passend dazu gilt sein Golfschwung seit Jahrzehnten als einer der ästhetischsten und technisch saubersten im Männergolf.
„Auch Dustin Johnson hat mich beeindruckt“, so Phillips. „Mit 41 Jahren absolvierte er eines der besten Screenings, die ich bei einem Spieler dieses Alters gesehen habe. Seine Kombination aus Kraft und Beweglichkeit ist außergewöhnlich.“
Warum Jon Rahm jede Woche getestet wird
Jon Rahm etwa absolviert das Screening laut Phillips nahezu jede Woche. Der Grund: Der Körper verändert sich ständig. „Man wacht an einem Morgen auf und fühlt sich großartig. An einem anderen Tag hätte man gerne noch eine Stunde länger geschlafen. Vielleicht hat man am Vorabend ein Glas Wein mehr getrunken, ist viel gereist, steht unter Stress oder hat etwas gegessen, das der Körper nicht besonders gut verträgt. All diese Dinge können beeinflussen, wie sich der Körper bewegt. Und wenn sich die körperlichen Voraussetzungen verändern, kann sich auch der Golfschwung verändern.“
Auf höchstem Leistungsniveau sei es deshalb entscheidend zu wissen, wie sich ein Spieler an einem bestimmten Tag bewegt. Danach könne das Training ausgerichtet werden. Ist jemand gestresst oder körperlich eingeschränkt, benötigt er möglicherweise mehr physiotherapeutische Arbeit oder konzentriert sich im Training auf Putting und Chipping, um die Belastung durch volle Schläge zu reduzieren.
Technologie spielt bei der Analyse ebenfalls eine wichtige Rolle – liefert für Phillips allein aber noch nicht alle Antworten. „Launch-Monitore und Kameras können uns zeigen, was passiert. Kraftmessplatten und Motion Capture können erklären, wie eine Bewegung entsteht“, erklärt der erfahrene Golfcoach. „Aber für das Warum müssen wir den Körper des Spielers verstehen.“
Aus dieser Idee entwickelte sich in den vergangenen gut 25 Jahren ein weltweites Ausbildungssystem für Golftrainer, Athletikcoaches, Physiotherapeuten und Mediziner. Heute gibt es nach Angaben von TPI mehr als 16.000 zertifizierte Experten in 67 Ländern. Viele Tourspieler lassen sich regelmäßig screenen, bevor überhaupt an der Technik gearbeitet wird. Der Grundgedanke ist dabei bis heute derselbe: Nicht der Körper muss sich einem vermeintlich perfekten Golfschwung anpassen – der Golfschwung muss zum Körper des Spielers passen.







