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Niall Sheils Donegan hebt beim Walker Cup im irischen Lahinch Golf Club einen vermeintlich geschenkten Putt auf. | © Oisin Keniry/R&A/R&A via Getty Images

Geschenkt, oder?

Es war einer dieser Momente, die auf einem Golfplatz beinahe automatisch passieren. Ein kurzer Putt läuft knapp am Loch vorbei, der Spieler geht schon zum Ball und nimmt ihn vom Grün. Geschenkt, oder? Im normalen Zählspiel auf der privaten Runde ist das vielleicht eine Selbstverständlichkeit, im Matchplay allerdings nur, wenn der Gegner den Putt tatsächlich geschenkt hat.

 

Beim Walker Cup in Lahinch wurde genau diese Feinheit Niall Sheils Donegan zum Verhängnis. Der Schotte spielte am Samstagmorgen gemeinsam mit Josh Hill gegen die US-Amerikaner Ryder Cowan und Josiah Gilbert. Nach acht Löchern lag das britisch-irische Duo bereits mit vier Löchern Vorsprung vorne. Am neunten Loch bot sich Donegan die Chance, den Vorsprung sogar auf fünf Löcher auszubauen. Sein Putt aus rund zwei Metern verfehlte jedoch das Loch und rollte etwa 45 Zentimeter darüber hinaus.

 

Donegan reagierte instinktiv, ging zum Ball und zog ihn mit dem Putter zurück – offenbar in der Annahme, dass die Amerikaner den kurzen Putt ohnehin schenken würden. Doch genau das hatten Cowan und Gilbert noch nicht getan. Cowan wies sofort darauf hin. Ein Referee wurde hinzugezogen und entschied zugunsten der Amerikaner. Anstatt das Loch zu teilen und somit weiterhin vier Löcher Vorsprung zu haben, verlor GB&I das Loch. Aus dem vermeintlichen 5 auf wurde somit ein 3 auf. 

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Dieser Fall ist ein gutes Beispiel dafür, warum im Matchplay andere Regeln gelten als im Zählspiel. Gemäß Regel 3.2b kann ein Spieler dem Gegner den nächsten Schlag schenken, was jedoch eindeutig kommuniziert werden muss. Dies kann verbal oder durch eine unmissverständliche Geste erfolgen. Es reicht nicht, einfach davon auszugehen, dass ein kurzer Putt geschenkt wird. 

 

Donegan hatte also einen klassischen Matchplay-Fehler begangen. Nicht, weil er den Putt aufgehoben hatte, sondern weil er dies zu früh tat. Und das war dem 21-Jährigen auch bewusst. Nach der Runde nahm er die Schuld vollständig auf sich. „Das war ganz allein meine Schuld. Ich habe den Zwei-Meter-Putt gespielt und ihn wie ein Idiot verfehlt.“ Er habe einen Fuß zurückgestellt und den Ball einfach weggezogen, „als wäre ich in einer Sonntagsrunde“. Doch das seien eben nicht die Regeln des Golfs. Entscheidend sei anschließend gewesen, sich davon nicht aus dem Konzept bringen zu lassen. 

Cowan musste ihn nicht schenken

Genau hier liegt auch der Grund für die anschließende Diskussion in den sozialen Medien. Einige Beobachter waren der Meinung, dass Cowan den kurzen Putt angesichts der Situation einfach hätte schenken können. Andere stellten sich hingegen klar auf die Seite des Amerikaners: Wenn er den Putt nicht schenken wollte, musste er das auch nicht tun.

 

Cowan war regeltechnisch völlig im Recht. Ein geschenkter Putt ist schließlich kein Automatismus. Und schon gar nicht wird er dadurch zu einem solchen, wenn der Gegner seinen Ball eigenmächtig aufhebt. Die Entscheidung sorgte dennoch für Gesprächsstoff – gerade weil der Putt so kurz war und Donegan offenbar davon ausging, dass er ihm geschenkt werden würde.

 

Für die Partie hatte der Fauxpas letztlich allerdings kaum Konsequenzen. Donegan und Hill ließen sich nicht aus der Ruhe bringen, bauten ihre Führung wieder aus und gewannen schließlich mit 4&3. Damit holten sie den ersten Punkt für GB&I in ihrer Partie und trugen dazu bei, dass die Gastgeber die morgendliche Foursomes-Session mit 2,5:1,5 für sich entscheiden konnten.

 

Der vermeintlich geschenkte Putt bleibt damit vor allem eine kuriose Walker-Cup-Geschichte – und eine kleine Erinnerung an eine der wichtigsten Matchplay-Regeln: Erst aufheben, wenn der Gegner wirklich „geschenkt“ hat.

Das sagt Regelexperte Dietrich von Garn dazu:

„Im Lochspiel kann ein Gegner dem Spieler Schläge schenken, wenn er der Ansicht ist, dass der Spieler den Ball mit dem nächsten Schlag einlochen kann. Das kann auch der Fall sein, wenn es dem Gegner für den Spielverlauf gleichgültig ist, ob der Spieler mit einem oder zwei Schlägen einlocht. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn der Gegner bereits zum Par 4 eingelocht hat, während der Gegner mit dem vierten Schlag noch außerhalb des Lochs liegt. Natürlich kann es auch so sein, dass der Gegner bereits zwei Schläge im Teich vor dem Grün versenkt hat, während der Spieler mit zwei Schlägen auf dem Grün liegt.

 

Ein solches Schenken ist (wie bei allen Geschenken) immer freiwillig, denn sonst wäre es kein Geschenk. Eine beliebte Taktik ist es, auf drei oder vier Löchern jeweils den Putt zu schenken und dann, wenn es darauf ankommt, den Putt nicht zu schenken. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass der Spieler sich so viele unnötige Gedanken um den Putt macht, dass er das Loch nicht trifft. Manche werden sagen, das sei unfair, aber das ist es nicht, sondern seit Jahrhunderten eine beliebte Praxis im Lochspiel.

 

Manchmal steht der Spieler vor der Frage, ob der Gegner ihm den Ball geschenkt hat oder nicht. Nicht immer ist ein klares „geschenkt“ zu hören, wenn ein Ball am Loch zur Ruhe kommt. Auch ein „Nimm auf“, „Tu weg“ oder eine entsprechende Handbewegung dürfen zu Recht als „geschenkt“ interpretiert werden. Es gab jedoch schon Fälle, in denen der Gegner den Putt des Spielers mit einem „Gut!” kommentierte, als dieser am Lochrand zum Liegen kam. Nachdem der Spieler den vermeintlich geschenkten Ball aufgenommen hatte, musste der Gegner klarstellen, dass er gemeint hatte, es sei ein guter Putt gewesen, aber nicht mehr. Wenn zwei oder drei dicht am Loch liegende Putts geschenkt wurden, ist dies bei einem weiteren Putt nicht automatisch wieder so.

 

Es ist also dringend zu empfehlen, in unklaren Situationen nachzufragen: „Meinst du, der ist geschenkt?“, oder den Putt zu spielen, um Diskussionen aus dem Weg zu gehen. Selbst wenn es nur um ein Bier in einer informellen Runde geht, weiß sicher jeder, wie sehr sich manche Spieler sträuben, mit dem Bezahlen eines Biers eine Niederlage einzugestehen.“

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