Divot-Tritt sorgt für zwei Strafschläge
Im Finale der Nexo Championship in Schottland hatte Shaun Norris lange die besten Chancen, seinen dritten Titel auf der DP World Tour zu gewinnen. Der Südafrikaner war als Führender in die Schlussrunde gestartet und lag nach neun Löchern weiterhin aussichtsreich im Rennen. Doch eine kurze Bewegung mit dem rechten Fuß am fünften Loch beeinträchtigte seine Turnierchancen erheblich.
Vor seinem zweiten Schlag auf dem 349 Meter langen Par 4 bemerkte er ein Divot unter seinem rechten Fuß. Der 44-Jährige trat daraufhin einen Schritt zurück und kickte das Rasenstück aus dem Weg. Anschließend spielte er seinen Schlag und beendete das Loch mit einem Par.
Zunächst schien alles in Ordnung. Doch noch während der Runde wurde die Situation überprüft. Ein Referee sprach Norris nach seinem Abschlag am neunten Loch an und rekonstruierte den Vorgang mit ihm. Wenig später erfuhr Norris, dass sein Par am fünften Loch nicht bestehen bleiben würde.
Der Grund war Regel 8.1, die den Grundsatz „Spielen Sie den Platz, wie Sie ihn vorfinden“ schützt. Konkret untersagt Regel 8.1 a unter anderem, „Divots, die bereits zurückgelegt wurden“, zu entfernen oder niederzudrücken, wenn dadurch die Bedingungen für den Schlag beeinflusst werden.
Aus Sicht der Regeloffiziellen war genau das geschehen. Da Norris das bereits zurückgelegte Divot mit dem Fuß entfernte und somit den Bereich seines beabsichtigten Stands veränderte, wurde er mit der Grundstrafe von zwei Schlägen belegt. Aus dem vermeintlichen Par wurde dadurch eine 6 – ein Doppel-Bogey. Norris fiel von neun unter Par auf sieben unter Par zurück und verlor damit zunächst die alleinige Kontrolle über das Turnier.
Die Entscheidung sorgte anschließend für Diskussionen. Denn auf den Fernsehbildern war kaum zu erkennen, dass Norris mit seinem Tritt einen Vorteil erzielen wollte. Vielmehr schien er das störende Divot unter seinem Fuß beseitigen zu wollen. Genau darin liegt die Tücke von Regel 8.1: Nicht die Absicht des Spielers ist entscheidend, sondern ob er eine Bedingung verbessert hat, die seinen nächsten Schlag beeinflusst.
T7 für Norris
Die Strafe konnte Norris zunächst noch abschütteln. An Loch 11 gelang ihm ein Birdie, doch ein Doppel-Bogey am zwölften Loch dämpfte seine Hoffnungen endgültig. Mit einer 76 (+4) beendete der Südafrikaner die Runde bei insgesamt fünf unter Par und belegte den geteilten siebten Platz – sechs Schläge hinter dem Sieger Scott Jamieson.
Besonders bitter: Nur einen Tag zuvor hatte Norris noch für positive Schlagzeilen gesorgt. Mit einem Albatros am vierten Loch hatte er sich an die Spitze des Leaderboards gespielt. Im Finale wurde ein kurzer Tritt gegen ein Divot hingegen zu einer der teuersten Bewegungen des Turniers.
Das sagt Regelexperte Dietrich von Garn dazu:
„Und wieder einmal sind die Regeln eindeutig. Ein zurückgelegtes Divot darf nicht wieder entfernt werden, ebenso wenig wie andere angewachsene oder als befestigt geltende Gegenstände. Es ist einfach nicht möglich, hier zu differenzieren, da es sonst zu Abgrenzungsproblemen kommt. Was darf man entfernen, weil es nicht stört? Was ist verboten, weil es den Spieler stört? Was ist nötig, weil es wirklich stört?
Es handelt sich hierbei auch nicht um eine „neue” Regel, an die sich ein Spieler noch nicht gewöhnt haben könnte. Was hier geschieht, war schon zu Beginn der Golfkarriere aller aktuell aktiven Tourspieler verboten. Sie müssen es nicht nur wissen, sie wissen es auch. Aber dann kommt die Situation, dass man sich über den nächsten Schlag Gedanken macht und sich dabei so bewegt, dass man die Einnahme des Stands gar nicht bewusst erlebt. Dabei kickt ein Fuß ganz von alleine ein Divot zur Seite. Warum macht man so etwas?
Ich hatte selbst einmal einen solchen Fall als Referee. Ein Spieler wollte mir erklären, dass das Divot keinen Unterschied in der Standposition mache und eine Strafe deshalb nicht angebracht sei, da er sich keinen Vorteil verschafft habe.
Meine Frage an ihn war: „Warum hast Du das Divot dann entfernt?“
Antwort: „Weil es mich gestört hat.“ Kurze Pause. „Oh, Mist!“
Der Fall ist leider eindeutig und keineswegs so „bizarr“, wie es die Presse schreibt."







