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Die neue Nummer eins im Herrentennis, Alexander „Sascha“ Zverev, greift auch sehr gerne zum Golfschläger. | © Joe Scarnici/Getty Images For Laver Cup

Nummer eins auf dem Court, ehrgeizig auf dem Golfplatz

Alexander Zverev hat ein großes Karriereziel erreicht: Seit dem 2. November 2026 ist der Hamburger die neue Nummer eins der Tennis-Weltrangliste. Doch auch wenn der 29-Jährige aktuell den Höhepunkt seiner Laufbahn erreicht hat, dreht sich in seiner Freizeit nicht alles um den gelben Filzball. Wann immer es der Turnierkalender zulässt, zieht es ihn auf den Golfplatz. Dort trifft er inzwischen regelmäßig auf prominente Konkurrenz.

 

Wie ernst Zverev den Golfsport nimmt, zeigen nicht nur diverse Videos in den sozialen Netzwerken. So schaute er im April 2026 während seines Aufenthalts bei den BMW Open in München im Golfclub Eichenried vorbei. Einen Tag nach seinem Halbfinal-Aus beim Tennisturnier nutzte er seinen 29. Geburtstag für eine Runde Golf. „Sehr, sehr gerne tausche ich den Tennisschläger mal gegen den Golfschläger aus und freue mich, hier spielen zu dürfen“, sagte er bei seinem Besuch.

 

Dass Golf für Zverev mehr als ein gelegentlicher Zeitvertreib ist, wurde auch im März 2026 deutlich. Während des Masters in Indian Wells verbrachte er einen Großteil seiner turnierfreien Zeit auf dem Golfplatz. Gemeinsam mit Carlos Alcaraz spielte er dort nach eigener Aussage nahezu täglich. „Wir sind sehr ehrgeizig“, erklärte Zverev, der übrigens linksherum Golf spielt, also mit seiner Rückhand aus dem Tennis durchschwingt. Sein Handicap bezifferte er auf etwas über acht, Alcaraz bewege sich auf einem ähnlichen Niveau. Entsprechend umkämpft seien die Duelle der beiden.

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Zverev teilt seine Golfleidenschaft inzwischen auch mit einigen seiner größten Konkurrenten auf der ATP Tour. In Indian Wells stieß Novak Djokovic zu den beiden. Für den Serben war es das erste gemeinsame Golfspiel mit Zverev und Alcaraz, wie er selbst sagte. Er zeigte sich besonders beeindruckt von der Schlaglänge des Spaniers. Dieser habe gleich am ersten Loch einen Drive über rund 300 Yards geschlagen und damit auf einem Par 5 sogar eine Eagle-Chance eröffnet. Djokovic kommentierte das augenzwinkernd mit der Frage, ob es eigentlich irgendetwas gebe, das Alcaraz nicht könne.

Kohlschreiber: Vom Tennisprofi zum ambitionierten Golfer

Dass ehemalige deutsche Tennisprofis auch auf dem Golfplatz eine gute Figur machen, beweist Philipp Kohlschreiber. Der ehemalige Weltranglisten-16. widmet sich seit seinem Karriereende im Jahr 2022 zunehmend dem Golfsport. Bereits vor rund 20 Jahren kam er erstmals mit Golf in Berührung. Inzwischen ist aus dem anfänglichen Ausprobieren eine ernsthafte Leidenschaft geworden.

 

Kohlschreiber spielt im Golfpark München Aschheim, gehört dort zur ersten Herrenmannschaft und verfügt über ein einstelliges Handicap. In einem Interview bezifferte er dieses auf fünf. Seine sportliche Vergangenheit ist dabei durchaus hilfreich: Bewegungsgefühl, Ballgefühl und die Bereitschaft, an technischen Details zu arbeiten, bringen ihn schnell voran. Allerdings sieht er auch grundlegende Unterschiede zwischen beiden Sportarten. Während die Armbewegung beim Tennis die Hüftrotation maßgeblich abschließt, wird die Bewegung beim Golf von der Hüfte eingeleitet.

 

Wie intensiv er sich mittlerweile mit dem Golfsport beschäftigt, zeigte sich auch bei seiner Teilnahme an verschiedenen Pro-Am-Turnieren, unter anderem im Rahmen der BMW International Open. Golf ist für Kohlschreiber längst ein fester Bestandteil seines Alltags geworden. Nach dem Ende seiner Tenniskarriere schätzt er insbesondere die Ruhe und die Zeit in der Natur.

Boris Becker: Golf als Gegenpol zum Tennis

Auch Boris Becker verbindet eine lange Beziehung mit dem Golfsport. Bereits im Alter von 16 Jahren griff der spätere Wimbledon-Champion erstmals zum Golfschläger. Vor allem während seiner Zeit als Tennisprofi nutzte er die Runden, um für einige Stunden dem Turnierstress zu entkommen. 2009 beschrieb Becker in einem Gastbeitrag seine Faszination für das Spiel. Besonders reizte ihn der mentale Unterschied zum Tennis: Während er auf dem Court auch auf die Aktionen seines Gegners reagieren musste, sei Golf die absolute Auseinandersetzung mit sich selbst. Jeder Schlag, jede Entscheidung und letztlich jedes Ergebnis liege in der eigenen Verantwortung.

Diese Perspektive dürfte vielen Tennisprofis bekannt vorkommen. Auch auf dem Tennisplatz entscheiden Konzentration, Nervenstärke und die Fähigkeit, mit Fehlern umzugehen, über Erfolg oder Misserfolg. Auf dem Golfplatz gibt es allerdings keinen Gegner, auf den man die Verantwortung abwälzen könnte.

Andy Roddick: Golf als Therapie

Andy Roddick ist einer derjenigen, die nach dem Ende ihrer Tennis-Karriere besonders intensiv zum Golfschläger griffen. Der US-Amerikaner, der 2003 die US Open gewann und früher die Nummer eins der Welt war, entwickelte Golf nach seinem Rücktritt zu einer regelrechten Ersatzleidenschaft. In den ersten beiden Jahren nach seinem Karriereende spielte er eigenen Angaben zufolge bis zu fünfmal pro Woche. Fast jeden Morgen stand er um acht Uhr am ersten Abschlag.

 

Golf sei für ihn eine Art Therapie gewesen, so Roddick. Nach Jahren, in denen es im Tennis vor allem darum gegangen sei, das eigene Leistungsniveau zu halten, habe er im Golf wieder die Möglichkeit gehabt, sich kontinuierlich zu verbessern. Inzwischen spielt der Amerikaner ein Handicap zwischen zwei und drei und ist sogar geschäftlich in der Golfbranche engagiert.

 

Roddick kennt zahlreiche golfende Tennisgrößen und hat eine klare Meinung dazu, wer von ihnen besonders gut spielt. Mardy Fish sei der Beste, so Roddick. Auch Ivan Lendl, Tim Henman und Jim Courier seien starke Golfer. Rafael Nadal stehe kurz vor dem Scratch-Handicap, während Andy Murray nach seinem Karriereende innerhalb eines Monats von Handicap acht auf zwei gekommen sei.

Casper Ruud ist wohl einer der golfbegeistertsten aktiven Tennisprofis. Der Norweger spielt seit seiner Kindheit Golf, hat sogar einen eigenen Instagram-Account für seine Runden und sein Spiel. Wie gut er ist, bewies er im März 2025 im legendären Augusta National, als er eine Runde in den 70ern spielte und das Erlebnis als eines der unglaublichsten seiner Karriere bezeichnete. 

 

Dass sich außergewöhnliches Ballgefühl und sportlicher Ehrgeiz auch auf den Golfplatz übertragen lassen, beweist Rafael Nadal. Der Spanier spielt mit einem Handicap im niedrigen einstelligen Bereich und nimmt in seiner Heimat regelmäßig an Golfturnieren teil. Bei den Balearischen Golfmeisterschaften hat er bereits vordere Platzierungen erreicht. Seine sportliche Disziplin und sein ausgeprägter Wettkampfgeist kommen ihm dabei offensichtlich zugute.

 

Ob Alexander Zverev irgendwann ein ähnlich niedriges Handicap erreichen wird, bleibt abzuwarten. Aktuell dürfte der Hamburger genügend Aufgaben auf dem Tennisplatz haben. Schließlich ist er gerade erst an der Spitze der Weltrangliste angekommen. Auf dem Golfplatz wartet derweil eine Herausforderung auf ihn, die er nur allzu gut aus seinem Beruf kennt: Carlos Alcaraz in Schach zu halten.

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