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Zum 01.01.2027 startet im Golfclub Augsburg das Golf Center Augsburg by Sebastian Heisele. | © Heisele

Heisele, der Golfarchitekt

Architekten bauen für die Zukunft. Sie planen, verbinden, korrigieren, verwerfen und beginnen manchmal noch einmal von vorn. Sebastian Heisele hat Architektur studiert und arbeitet heute in einem anderen Maßstab und mit einem anderen Material. Er baut keine Häuser, sondern Golfer. Er selbst beschreibt seinen Ansatz wie folgt: „Um es in der Architektursprache auszudrücken, besteht meine Aufgabe darin, Häuser zu renovieren. Gezielte Veränderungen vorzunehmen, um das große Ganze zu begünstigen.“ Ein Satz, der ziemlich gut zusammenfasst, wie der 38-Jährige inzwischen über Coaching denkt.

 

Seit Oktober lernt Heisele die Aufgaben des Head Pros beim GC Augsburg kennen. Dort möchte er den langjährigen Erfolg von Felix Eibl fortsetzen. Für ihn ist es zugleich eine Rückkehr in die Region und der Beginn eines neuen Kapitels. Nach Stationen in Wörthsee und Straßlach soll Augsburg mehr sein als nur die nächste Trainerstation. Heisele möchte bleiben und etwas entwickeln.

Vom Tourspieler zum Coach

In diesem Herbst deutete sich zumindest kurz an, dass er noch einmal selbst auf die Tour zurückkehren könnte. Heisele tauchte bei der DP World Tour Q-School in Österreich auf. Ein Comebackversuch war das allerdings nicht. Vielmehr wollte er offenbar noch einmal das Gefühl des Wettkampfs erleben, seinen Körper und sein Spiel testen und einen Teil dessen spüren, was seine Karriere geprägt hat. Denn seine Zukunft liegt nicht mehr auf der Tour. „Ich habe nicht das Ziel, auf die DP World Tour zurückzukehren“, stellte er ausdrücklich klar. Am Ende fehlten ihm nur zwei Schläge zur Qualifikation für die Second Stage der Qualifying School.

 

Was bleibt, sind die Erfahrungen aus seinen Jahren als Spieler, in denen er viermal auf der Pro Golf Tour und einmal auf der HotelPlanner Tour gewann. Und genau diese Erfahrungen möchte Heisele nun weitergeben. Sein Verständnis vom Coaching hat sich dabei im Laufe der Jahre verändert. Er beschreibt sich als neugierig, lernbereit und offen für neue Erkenntnisse. Fortbildungen, Austausch und neue Ansätze sind für ihn selbstverständlich.

Dabei geht es ihm ausdrücklich nicht darum, seinen eigenen Schwung zum Maßstab für andere zu machen. Gerade das könnte für einen ehemaligen Tourspieler eine Herausforderung sein. Wer selbst über Jahre auf höchstem Niveau gespielt hat, weiß, welche Bewegungen bei ihm funktionieren. Doch daraus folgt nicht automatisch, dass sie auch für andere Spieler die richtige Lösung sind. Heisele versucht deshalb zunächst, das Gesamtbild zu verstehen. „Man muss halt auch einen Weg finden, die Leute abzuholen und besser zu machen“, sagt er.

Nicht der schönste Schwung gewinnt

Damit sind wir bei dem Begriff, der Heiseles heutige Arbeit besonders gut beschreibt: Performance Coaching. Für ihn liegt der Unterschied zum klassischen Golfunterricht vor allem in der Perspektive. Der Golftrainer beschäftigt sich stärker mit einzelnen technischen Bereichen. Der Performance Coach betrachtet das große Ganze. Nicht der schönste, sondern der effektivste Schwung ist das Ziel.

 

Scottie Scheffler ist ein prominentes Beispiel dafür. Sein Schwung entspricht nicht unbedingt dem klassischen Lehrbuchbild. Aber er funktioniert. Und das auf höchstem Niveau. „Es geht weniger darum, die Golfer in eine Schablone zu pressen, sondern ihre Golfleistung auf unterschiedlichste Weise zu verbessern“, sagt Heisele sinngemäß über die Entwicklung des modernen Coachings. Dabei spielen Daten eine immer größere Rolle: TrackMan, ShotLink, Wahrscheinlichkeiten, Lochstrategien und die Frage, welcher Schlag in welcher Situation die besten Erfolgsaussichten bietet.

 

Nicht der Spieler soll in ein System passen, sondern das System soll zum Spieler passen. Das gilt für Tourprofis genauso wie für Clubgolfer. Gerade bei Amateuren ist für Heisele jedoch nicht jede vermeintliche Schwungbaustelle automatisch eine echte Baustelle. Manchmal braucht es eine große Veränderung. Oft sind es aber die kleinen Dinge, die langfristig einen Unterschied machen. „Geduld“ ist dabei eine Eigenschaft, die Heisele für seine heutige Arbeit als besonders wichtig erachtet. Denn Entwicklung lässt sich nicht erzwingen.

Ein Zuhause für Golfer

In Augsburg möchte Heisele diesen Gedanken nun in eine größere Struktur überführen. Das Golfcenter Augsburg soll dabei mehr als nur eine weitere Trainingsmöglichkeit sein. Es soll ein Treffpunkt sein. Leistungssportler sollen dort ebenso ihren Platz finden wie ambitionierte Clubgolfer oder Spieler, die einfach mehr Freude an ihrem Hobby haben möchten. Training, Austausch und Gemeinschaft sollen dort zusammenkommen. Heisele spricht davon, Menschen mit Golfaffinität zusammenzubringen und daraus ein soziales Erlebnis zu machen.

 

Der Name „Golfcenter” klingt zunächst nach Leistungszentrum. Heiseles Idee ist jedoch breiter gefasst. Auch weitere Trainer sollen eingebunden werden. Einer davon ist Bernd Ritthammer, den Heisele als Weggefährten bezeichnet. Gemeinsam wollen sie ein Umfeld schaffen, in dem Wissen nicht an einer Person hängt, sondern geteilt wird. Das entspricht Heiseles Selbstverständnis: Er möchte nicht alles selbst machen. Er möchte Strukturen schaffen, in denen andere besser werden können.

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Einer dieser Spieler ist Philipp Macionga. Der Augsburger gehört zum National Team Germany und feierte 2026 seinen ersten Sieg auf der Pro Golf Tour. Am Ende der Saison belegte er den dritten Platz in der Order of Merit, was den Aufstieg auf die HotelPlanner Tour 2027 bedeutete. Heisele begleitete Macionga in den vergangenen Monaten in seiner Funktion als Performance Coach im Nationalteam punktuell. Nicht als Ersatz für dessen Heimtrainer Felix Eibl, sondern als zusätzliche Perspektive: So stand er Macionga beispielsweise schon einmal bei einem Event der Pro Golf Tour in Polen als Caddie zur Seite.

 

Heisele hat selbst erlebt, wie wertvoll es sein kann, wenn ein erfahrener Spieler oder Coach eine Perspektive von außen liefert. „Ich habe all meinen Mut zusammengenommen und Thomas Björn nach Tipps für mein Wedge-Spiel gefragt. Er nahm sich Stunden Zeit und hat mir enorm weitergeholfen.“ Für junge Spieler geht es laut Heisele darum, den verfügbaren Erfahrungsschatz anzuzapfen und alles aufzusaugen.

Kein zweiter Bernhard Langer

Und über allem schwebt in Augsburg natürlich eine große Figur: Bernhard Langer. Der erfolgreichste deutsche Golfer aller Zeiten ist eng mit dem Club verbunden und bis heute präsent. Der Geist des ehemaligen Masters-Champions ist in Augsburg spürbar. Doch Heisele versucht nicht, den nächsten Langer zu formen. Er will individuelle Spieler entwickeln. Unterschiedliche Schwünge, unterschiedliche Voraussetzungen, unterschiedliche Wege. Das passt zu seinem Verständnis von Coaching – und vielleicht auch zu seinem früheren Studium.

 

Ein guter Architekt baut schließlich nicht für ein abstraktes Ideal. Er baut für die Menschen, die später darin leben. Deshalb richtet sich Heiseles Arbeit nicht nur an junge Talente. Eine der letzten Fragen des Gesprächs betrifft einen Golfer mit Handicap 20: Kann der überhaupt zu Heisele ins Training kommen? Die Antwort ist kurz. „Ich bin für alle da.“ Heisele möchte die beiden Welten des Tourspielers und des Clubpros verbinden. Die Erfahrung aus dem Profisport, das Wissen aus dem Coaching, die Daten des modernen Performance Golf und die ganz unterschiedlichen Bedürfnisse von Amateuren und Profis sollen in Augsburg zusammengeführt werden. Sebastian Heisele baut also weiter. Nur eben keine Häuser.

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