Henseleit im Rematch: Solheim-Cup-Champion stellt sich erneut zum Match
Esther Henseleit hatte nicht viel Zeit zum Durchatmen. Am 13. September feierte die Hamburgerin mit Team Europa den Gewinn des Solheim Cups 2026, nur wenige Tage später stand sie bereits wieder auf dem Platz des Golfclubs am Meer in Bad Zwischenahn. Dort, wo Henseleit im Alter von acht Jahren mit dem Golfspielen begann, kommt es zum Rematch mit dem YouTuber Kevin Werner vom Kanal KW GOLF.
Die Ausgangslage ist dabei durchaus ungewöhnlich: Nachdem Werner beim ersten Aufeinandertreffen im vergangenen Jahr mit fünf Schlägen Vorsprung im Zählspiel angetreten war, wird diesmal Matchplay über neun Löcher gespielt. Die fünf Vorgabeschläge behält Werner an den fünf schwierigsten Löchern. Henseleit bringt dafür einen nicht ganz unwesentlichen Vorteil mit. „Ich glaube, ich kenne den Platz ganz gut“, sagt die 27-Jährige im Video.
„Ich bin noch ein bisschen kaputt“
Dass die kurze Erholungszeit nach dem Solheim Cup Spuren hinterlassen hat, macht Henseleit gleich zu Beginn deutlich. „Ich bin noch ein bisschen kaputt, um ehrlich zu sein“, erklärt sie. Die Woche in den Niederlanden sei von viel Adrenalin und Emotionen geprägt gewesen. Als Einzelsportlerin sei es zudem ungewohnt, eine ganze Woche praktisch ständig mit dem Team zusammen zu sein – vom gemeinsamen Frühstück bis zum Abendessen.
Gleichzeitig hat die Teamwoche bei ihr einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Besonders das gemeinsame Feiern des Erfolgs hebt sie hervor. Anders als bei einem normalen Turniersieg stehe am Ende nicht eine einzelne Spielerin im Mittelpunkt. „Wir sind halt wirklich ein Team von 30 Leuten, das die ganze Woche hart gearbeitet hat, und dann können wir alle zusammen feiern“, beschreibt Henseleit den besonderen Reiz des Solheim Cups.
In Cromvoirt setzte sich Team Europa schließlich mit 15:13 gegen die USA durch. Henseleit gewann dabei an den ersten beiden Tagen zwei Foursomes gemeinsam mit Leona Maguire, verlor allerdings ihr Einzel am Sonntag gegen Alison Lee, obwohl sie zwischenzeitlich mit vier Löchern in Führung lag.
Mehr als nur Golf
Bei dem Match auf ihrem Heimatplatz geht es jedoch nicht nur um den Solheim Cup. Henseleit gewährt auch Einblicke in ihren Alltag als Profi. So spricht sie etwa über ihren Ehemann und Caddie Reece Phillips, mit dem sie seit dem vergangenen Jahr verheiratet ist. Beide verbringen einen Großteil ihres Berufslebens gemeinsam auf dem Golfplatz.
Das funktioniere gerade deshalb gut, weil sie beide entspannt sind und Golf keine Konflikte hervorruft, erklärt Henseleit. „Er kennt mich besser als jeder andere“, sagt sie über ihn. Eine klare Trennung zwischen beruflicher und privater Rolle sei jedoch nicht immer möglich.
Dabei wird auch deutlich, welche Bedeutung ein Caddie für eine Tourspielerin hat. Henseleit beschreibt die Person an ihrer Seite nicht lediglich als jemanden, der die Tasche trägt. Der Caddie ist die einzige Person, mit der sich eine Spielerin während der Runde über Entscheidungen beraten darf. Hinzu kommen taktische und mentale Unterstützung sowie organisatorische Aufgaben. „Am Ende ist er dann auch irgendwie so ein Mentaltrainer“, beschreibt Henseleit die Rolle.
Der Solheim Cup und Olympia
Es wird besonders interessant, als Werner wissen möchte, welchen Stellenwert der Sieg beim Solheim Cup in Henseleits Karriere einnimmt. Ihre Antwort fällt differenziert aus. Der Triumph mit Europa sei „ganz weit oben“, gleichzeitig sei ein Vergleich mit ihren persönlichen Erfolgen schwierig, da Golf ein Einzelsport ist.
Ihre Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris ordnet sie noch etwas höher ein. Olympia finde schließlich nur alle vier Jahre statt, während der Solheim Cup alle zwei Jahre ausgetragen werde. Zudem könne eine einzelne Spielerin beim Teamwettbewerb nicht allein für den Erfolg verantwortlich gemacht werden. Trotzdem hat der Sieg für sie einen besonderen emotionalen Wert. Gerade das gemeinsame Erlebnis und die Möglichkeit, für Europa und die Teamkolleginnen zu spielen, machen den Wettbewerb einzigartig.
Vom Equipment bis zum Draw
Zwischen den Fragen zum Solheim Cup wird selbstverständlich auch Golf gespielt. Henseleit spricht über ihr aktuelles Equipment, darunter ihren neuen Spider-Putter. Sie habe zuletzt verschiedene Modelle bewusst ausprobiert, um im Wettkampf ein neues Gefühl zu entwickeln. Seit der US Open ist der aktuelle Putter nun fest in ihrer Tasche.
Auch ihr Ball und ihre Schlagkurve sind Thema. Henseleit spielt den TP5x und erklärt, dass sie diesen gerade bei Wind als besser kontrollierbar empfindet. Ihr natürlicher Schlag ist ein Draw, der bei Werner mehrfach für Staunen sorgt. Henseleit startet den Ball bewusst weit rechts vom Ziel und vertraut darauf, dass er anschließend zurück in Richtung Fahne dreht. Es gibt auch eine kleine Lehrstunde zum Wedge-Spiel.
Henseleit erklärt, dass volle Wedges unter bestimmten Bedingungen durchaus sinnvoll sein können. Auf harten und schnellen Grüns, wie sie sie auf der Tour häufig vorfindet, kann der zusätzliche Spin dabei helfen, den Ball zum Halten zu bringen. Bei weichen Grüns oder starkem Wind ist dagegen mehr Vorsicht angesagt.
Henseleit hat noch einiges vor
Sportlich entwickelt sich das Match zu einem deutlich engeren Duell als beim ersten Aufeinandertreffen. Nach dem Spiel richtet sich der Blick bereits wieder nach vorne. Der Gewinn des Solheim Cups ist für Henseleit keineswegs der Punkt, an dem sie ihre sportlichen Ziele erreicht hat. Im Gegenteil: Sie möchte endlich ein Turnier auf der LPGA Tour gewinnen, nachdem sie bereits mehrfach bei großen Turnieren weit vorne gelandet ist. Außerdem will sie sich in der Weltrangliste weiter verbessern. Und auch Olympia ist bereits wieder ein Thema. Bei den Spielen 2028 in Los Angeles möchte sie erneut dabei sein.







