Adler: „Pro-Am mit Martin Kaymer war für mich der Horror“
René Adler spielt seit 2007 Golf, wenn auch lange Zeit eher unregelmäßig. Rückenprobleme und seine Fußballkarriere sorgten immer wieder für längere Pausen. Inzwischen ist Golf das liebste Hobby des ehemaligen Bundesliga-Torhüters, der für Bayer Leverkusen, den Hamburger SV und Mainz 05 spielte und zwölfmal für die deutsche Nationalmannschaft auflief. Wenn es das Wetter zulässt, versucht er, ein- bis zweimal pro Woche auf den Platz zu kommen.
Dabei geht es Adler nicht allein um Bewegung an der frischen Luft. Ihn reizt vor allem der sportliche Wettkampf. „Es gibt wenige Sportarten, bei denen wirklich jeder Schlag das Momentum immer wieder drehen kann“, sagt er im Gespräch auf der Hamburger Wendlohe. Gleichzeitig hat er als ehemaliger Leistungssportler einen hohen Anspruch an sich selbst. Wer einmal in einer Sportart gut gewesen sei, wolle auch beim Golf zumindest ordentlich spielen, damit es Spaß mache.
Sein aktuelles Handicap liegt bei 14,6, das Ziel ist klar: irgendwann einstellig spielen. Dafür weiß er, wo er ansetzen muss: vor allem rund ums und auf dem Grün sowie bei der Konstanz vom Abschlag. Auch das Training gehört für ihn zur Runde: Wenn möglich, nimmt er sich Zeit zum Einschlagen, übt das kurze Spiel und geht anschließend noch auf die Range oder spielt neun Löcher.
Das Pro-Am mit Kaymer
Wie groß der Unterschied zwischen Fußball und Golf sein kann, erfuhr Adler bei einem Pro-Am mit Martin Kaymer. Die beiden kannten sich aus ihrer Zeit im Fußballumfeld und standen eine Zeit lang in engem Austausch. Als Kaymer die Nummer eins der Welt war, spielten sie gemeinsam ein Turnier im Lerchenhof. Was für Adler zu einer der schlimmsten Golferfahrungen seines Lebens wurde, lag jedoch nicht an seinem prominenten Spielpartner, sondern an der ungewohnten Aufmerksamkeit.
„Ich habe ja nichts gegen 80.000 Leute im Stadion, aber wenn 300 hinter dir stehen, es mucksmäuschenstill ist und du dann einen Fehler machst, ist das etwas ganz anderes“, erzählt Adler. Während er im Fußball große Menschenmengen gewohnt war, setzte ihn die stille Beobachtung beim Golf unter Druck. Anstatt souveräner Schläge sammelte er vor allem Meter nach links und rechts. Seine Konsequenz: Erst wieder bei einem Pro-Am antreten, wenn das eigene Spiel so stabil ist, dass es auch Spaß macht.
Eine neue Identität nach dem Fußball
Auch abseits des Golfplatzes dreht sich im Podcast alles um Leistungsdruck, Rückschläge und Veränderungen. Nach dem Ende seiner aktiven Karriere musste sich Adler neu orientieren. Im Profifußball ist man es gewohnt, ständig bewertet zu werden: nach jedem Spiel, anhand von Ergebnissen und Leistungen. Fällt diese unmittelbare Rückmeldung weg, verändert sich auch der Blick auf die eigene Identität.
Adler wollte zunächst bewusst Abstand vom Fußball gewinnen. Rückblickend beschäftigt ihn allerdings eine verpasste Chance: Er hätte gerne im Ausland gelebt und gearbeitet. Aus Sorge, eine Gelegenheit im Fernsehen zu verpassen, habe er damals den Schritt nicht gewagt. Heute würde er manches anders machen. Die Dinge, die man aus Angst nicht getan hat, gehören zu dem, was man später am meisten bereut, sagt er.
Eine Trainerkarriere kam für ihn dagegen nie infrage. Sein Interesse gilt eher dem großen Ganzen, der Strategie und der wirtschaftlichen Seite des Sports. Schon während seiner Zeit beim HSV absolvierte er ein Sportmanagementstudium und gründete später mit anderen das Unternehmen Titan, das Torwarthandschuhe vertreibt. Daneben sammelte er Erfahrungen mit weiteren Gründungen und Investments – nicht alle waren erfolgreich. Gerade daraus habe er gelernt, sich intensiver mit finanziellen Entscheidungen auseinanderzusetzen.
Mehr Offenheit im Golfsport
Heute wird Adler außerdem als Redner von Unternehmen gebucht. In seinen Vorträgen geht es um den Umgang mit Rückschlägen und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Dabei präsentiert er keine einfache Erfolgsformel, sondern erzählt offen von seiner Karriere, von schwierigen Phasen und von Entscheidungen, die er heute anders treffen würde.
Diese Offenheit wünscht er sich auch für den Golfsport. Tradition sei wichtig, dürfe aber nicht dazu führen, neue Formate und jüngere Zielgruppen auszuschließen. Influencer und Social Media könnten dabei helfen, Golf zeitgemäßer zu präsentieren. Adler selbst sieht sich zwar als Traditionalist, plädiert aber dafür, neue Ansätze nicht vorschnell abzulehnen.
Als Beispiel nennt er Schweden, wo er früher mit seinem Bruder und Freunden Golf spielte. Dort habe er erlebt, wie niedrig die Einstiegshürden sein können und wie selbstverständlich ganze Familien gemeinsam auf den Platz gehen. In Deutschland hingegen hat er manchmal das Gefühl, der Entwicklung hinterherzuhinken. Für Adler liegt darin eine Chance: Golf kann seine Tradition bewahren und sich zugleich öffnen, um mehr Menschen den Zugang zu diesem Sport zu ermöglichen.







