Bechheim: „Präventionstraining ist eine massive Chance“
Prävention bedeutet heute viel mehr als nur Krankheiten vorzubeugen. Auch Fitness, Koordination, Beweglichkeit und Kräftigung sind wichtige Aspekte. Genau darin sieht Yvonne Bechheim großes Potenzial für Golfclubs. Die Leiterin des Fortbildungsinstituts Independent Workout beschäftigt sich mit Prävention und Gesundheitsförderung. Im DGV-Podcast „Lange Rede, kurzes Spiel“ erklärt sie, wie Vereine entsprechende Angebote nutzen können.
Einstieg in den Sport ohne Golfschläger
Dieser Ansatz ist besonders für Kinder und Jugendliche interessant. Denn Präventionskurse müssen keineswegs als Golfkurse konzipiert sein. Koordination, Kräftigung und Beweglichkeit können mit spielerischen Elementen kombiniert werden, wobei erste Golfschläge durchaus integriert werden können. „Man kann einen Schläger mitnehmen”, erklärt Bechheim. Der Kurs dürfe nur nicht als reiner Golfkurs angelegt sein.
Damit könnten Golfclubs die Lücke zwischen Schnuppertag oder Ferienprogramm und dem eigentlichen Golftraining schließen. Gerade dieser zweite Schritt fehlt häufig. Nach einem ersten Kontakt können interessierte Kinder beispielsweise in einen mehrwöchigen Präventionskurs wechseln und so kontinuierlich an Bewegung und den Golfsport herangeführt werden. Voraussetzung ist allerdings, dass der Trainer entsprechend zertifiziert ist und das Kurskonzept den Vorgaben entspricht. Es muss nicht zwingend ein Golflehrer sein. Laut Bechheim können sich auch interessierte Eltern oder andere Vereinsmitglieder zum Präventionstrainer weiterbilden und anschließend entsprechende Angebote im Club übernehmen.
Krankenkassen als Partner
Ein wesentlicher Bestandteil des Modells ist die Unterstützung durch die Krankenkassen. Unter bestimmten Voraussetzungen können Präventionskurse bezuschusst werden. Bechheim nennt dabei unterschiedliche Zuschüsse, die je nach Krankenkasse variieren. Das Angebot kann für Golfclubs deshalb nicht nur eine Möglichkeit zur Mitgliedergewinnung sein, sondern ist auch wirtschaftlich interessant. Entscheidend ist, möglichst viele Kinder zu erreichen. Denn aus einer größeren Gruppe können sich auch Talente entwickeln, die sonst vielleicht nie mit Golf in Berührung gekommen wären. „Man muss versuchen, mehr mit Masse zu arbeiten, um dann wirklich auch entsprechende Talente zu finden“, sagt Bechheim.
Das Konzept lässt sich zudem auf Erwachsene übertragen. Präventionstrainer könnten beispielsweise im Winter Kurse zur Saisonvorbereitung, Kräftigung oder Beweglichkeit anbieten und damit die Arbeit des Golflehrers ergänzen. „Jeder Golfverein sollte einen Präventionsbeauftragten haben“, lautet Bechheims klare Forderung. Für den Golfsport sieht sie vor allem bei den Einstiegshürden Handlungsbedarf. Golf müsse breiter zugänglich werden, insbesondere für Kinder und Jugendliche. Niedrigere Hürden und zusätzliche Bewegungsangebote könnten dabei helfen, neue Zielgruppen zu erreichen und sie langfristig an den Verein zu binden.
Die Botschaft der Podcast-Folge ist damit klar: Die Nachwuchsgewinnung muss nicht zwingend mit dem ersten Abschlag beginnen. Sie kann bereits viel früher ansetzen – bei Bewegung, Spaß und einem niedrigschwelligen Zugang zum Sport. Genau darin sieht Bechheim eine „massive Chance“ für die Golfclubs.







