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Sehen uns verstehen: Oft lässt sich beim Zuschauen ähnlich viel lernen wie beim Spielen. | © KI-generiertes Bild.

Golf lernen auf dem Sofa: Warum Anfänger den Profis zuschauen sollten

Wer gerade mit Golf begonnen hat, könnte beim Blick auf die Profis zunächst zu einem ernüchternden Ergebnis kommen: Was soll ich bitte von denen lernen?! Rory McIlroy schlägt den Ball in Regionen, die für einen Anfänger unerreichbar erscheinen. Scottie Scheffler trifft Eisen aus schwierigen Lagen, bei denen man selbst vermutlich froh wäre, überhaupt das Grün zu finden. Und rund um die Fahne zaubern die Besten Schläge, deren Nachahmung auf der nächsten Runde ausdrücklich nicht zu empfehlen ist.
Trotzdem lohnt es sich gerade für Einsteigerinnen und Einsteiger, regelmäßig Golf im Fernsehen oder Stream zu verfolgen. Dabei geht es weniger darum, Schwünge zu kopieren oder sich mit den Besten der Welt zu vergleichen, stattdessen können Sie ein Gefühl dafür entwickeln, wie Golf wirklich gespielt wird. Denn vieles, was Profis besonders gut machen, hat nicht ausschließlich mit der Schlagtechnik zu tun. Vier Learnings für alle, die gerade neu dabei sind in unserem wunderbaren Sport: 

1) Es wird nicht immer auf die Fahne gespielt

Für Anfänger ist das Ziel zunächst ziemlich eindeutig: Auf dem Grün befindet sich die Fahne und in diese Richtung sollte der Ball geschlagen werden. Allerdings: Schauen Sie bei den Topspielerinnen und -spielern einmal genauer hin. Profis greifen längst nicht aus jeder scheinbar günstigen Situation die Fahne an. Liegt sie gefährlich hinter einem Bunker, nahe am Wasser oder unmittelbar am Grünrand, landet der Ball häufig bewusst einige Meter entfernt. Sichwort: Risikomanagement.
Fernsehübertragungen helfen beim Verständnis. Grafiken zeigen Gefälle, Entfernungen und gefährliche Bereiche. Kommentatoren erklären, warum eine Spielerin eine bestimmte Seite des Grüns bevorzugt oder weshalb ein vermeintlich großer Abstand zur Fahne trotzdem ein gutes Ergebnis ist. Für Anfänger steckt darin eine wichtige Lektion: Ein guter Golfschlag muss nicht spektakulär sein. Manchmal ist er einfach nur vernünftig.

2) Selbst die Besten machen Fehler

Wer Golf lernt, kann schnell den Eindruck bekommen, ständig Fehler zu machen. Ein Drive verschwindet rechts, das Eisen wird fett getroffen und der vermeintlich einfache Chip segelt über das Grün und der Ball landet im Bunker. Oft denkt man dann: Die anderen können es alle – nur bei einem selbst funktioniert es nicht. Schauen Sie ein paar Stunden Profigolf und Ihr Bild wird sich relativieren. Auch Weltklassespieler treffen Fairways nicht immer. Sie schlagen Bälle in Bunker, verpassen kurze Putts und produzieren gelegentlich Schläge, bei denen sie geradezu menschlich erscheinen.
Der Unterschied zeigt sich im Umgang mit Fehlern. Statt den verpatzten Schlag oder die verkorkste Bahn mehrere Löcher gedanklich mitzuschleppen, beschäftigen sich die Profis unmittelbar mit der nächsten Aufgabe: Wo liegt der Ball? Welche Möglichkeiten gibt es? Welcher Schlag bringt mich sinnvoll zurück ins Spiel? Die beruhigende Erkenntnis für alle, die noch nicht so lang dabei sind: Golf besteht nicht daraus, Fehler vollständig zu vermeiden. Es geht auch darum, vernünftig mit ihnen umzugehen.

3) Wie eine optimale Schlagvorbereitung funktioniert

Am Anfang einer Golfkarriere dreht sich verständlicherweise vieles um Technik. Griff, Haltung, Schwung, Gewichtsverlagerung – im Kopf kann es vor einem Schlag ziemlich laut werden. Beim Zuschauen lohnt es sich deshalb, einmal nicht auf den Schwung zu achten, sondern auf die Sekunden davor. Profis checken die Lage des Balls, wählen ein Ziel, machen gegebenenfalls einen Probeschwung, richten sich aus und schlagen dann erst. Der genaue Ablauf unterscheidet sich von Spieler zu Spieler. Eines haben die meisten Routinen jedoch gemeinsam: Sie sind wiederholbar – und sie verändern sich selten, nur weil auf dem vorherigen Loch ein Fauxpas passiert ist. Klar ist: Sie müssen die Routinen eines Profis nicht kopieren. Aber Sie können sich die Idee dahinter abschauen. Entwickeln Sie einen kleinen Ablauf, den Sie vor jedem Schlag wiederholen. Gerade wenn Nervosität ins Spiel kommt, kann Vertrautes helfen.

4) Was ein guter Score wirklich bedeutet

Par, Birdie, Bogey – die Begriffe lernen Anfänger schnell. Schwieriger ist die Erkenntnis, dass ein Bogey (und schon gar nicht das Par!) für Anfänger nicht an jedem Loch das realistische Ziel sein muss. Hier kann Profigolf ebenfalls lehrreich sein. Selbst die Besten ändern ihre Erwartungen abhängig von den jeweiligen Umständen. Ein Schlag ins Rough verändert den Plan, genauso wie starker Wind. Und nach einem misslungenen Abschlag geht es manchmal nicht mehr vorrangig darum, das ursprünglich gewünschte Ergebnis zu erreichen, sondern einen größeren Schaden zu verhindern.
Übertragen Sie diesen Gedanken auf Ihr eigenes Spiel. Liegt der Ball nach dem Abschlag zwischen Bäumen, muss der nächste Schlag nicht der Heldenschlag durch eine winzige Lücke Richtung Grün sein. Seitlich zurück aufs Fairway ist oft die bessere Lösung. Wer seine Erwartungen an die eigenen Fähigkeiten anpasst, spielt häufig nicht nur erfolgreicher, sondern auch entspannter.

Zuschauen ersetzt Training nicht

Damit kein Missverständnis entsteht: Natürlich lernen Sie Golf am Ende vor allem, indem Sie selbst Bälle schlagen, nicht nur durchs Zuschauen. Aber es kann Ihnen helfen, dieses komplizierte Spiel schneller zu verstehen. 

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