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Auf dieser Seite findest Du alle News zur Deutschen Golf Liga presented by All4Golf seit dem Final Four 2023. 

Gleich Meister im ersten Jahr mit Hösels Herren: Coach Dawie Stander schafft die Überraschung beim Final Four am Riedhof. | © DGV/Heigl

Der Meistermacher mit KI und rosa Socken

Hätte das Final Four 2025 ein Gesicht – es wäre das von Dawie Stander. Graue Haare, grauer Vollbart, graue Brille. Grau. So wie das Wetter an diesem „Sommer“-Wochenende im GC München-Riedhof. Bei genauerem Hinsehen wird aber schnell klar: Hinter der grauen Fassade steckt eine Menge Leidenschaft, Leben, Liebe zum Golfsport und Buntes.

 

Die Farbe trägt Dawie Stander nämlich an den Füßen. „Ich habe früher von meinen Kindern zu Weihnachten immer bunte Socken bekommen. Mein Sohn hat mir dann mal welche in rosa gekauft. Die fand ich schön und trage seitdem immer rosa Socken“, erzählt der Coach der Höseler Herren. Er schreibt die vielleicht schönste Geschichte in Golf-Deutschland 2025. Eine Story, die viele – vor allem in NRW – nicht für möglich gehalten hätten. Er selbst schon, denn der Südafrikaner ist ein positiver, sehr beliebter Trainer, dessen Weg nach Deutschland eigentlich mehr Zufall war.

 

Geboren wird Dawie Stander am 26. Juni 1969 in Johannesburg. Im Alter von sechs Jahren beginnt er mit Golf, mit 16 hat er Handicap 0. Gemeinsam mit Ernie Els und Retief Goosen spielt er in der südafrikanischen Jugend-Nationalmannschaft AK18. „Wir haben heute noch ab und zu Kontakt und trinken ein Bier zusammen, wenn wir uns treffen.“ 1987 macht er die Allgemeine Hochschulreife in Krugersdorp und wird anschließend vom National Service eingezogen, um für zwei Jahre seinen Wehrdienst abzuleisten. Dann geht er in die USA, um als Profi sein Glück zu versuchen, während es Els und Goosen auf der European Tour versuchen. 

Bis 2001 startet Dawie Stander auf verschiedenen Touren, absolviert parallel dazu seine Golflehrer-Ausbildung. Mehr durch Zufall verschlägt es ihn nach Deutschland. „Ich wollte eigentlich nur meinen Freund Glen Hutcheson besuchen und ein paar Tage bleiben. Daraus wurden dann Wochen, Monate und mehr. Ich fand es gut in Deutschland und habe festgestellt, dass die Menschen hier sehr begeistert vom Lernen sind.“ Er verliebt sich, gründet eine Familie – und bleibt für immer. Nach verschiedenen Stationen landet er im GC Hubbelrath, mit dessen Mädchen er 2004 und 2007 Deutscher Mannschaftsmeister wird.

 

Bis heute ist er als Pro in Hubbelrath aktiv und gibt dort Unterricht. Umso kurioser, dass er 2025 das Final Four mit den Herren des benachbarten GC Hösel gewinnt – im Endspiel gegen Hubbelrath. „Marcel Zillekens von Hösel hat mich letztes Jahr angerufen und gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Seit 1. Januar arbeiten wir zusammen und es macht mächtig Spaß mit den Jungs.“ Beim ersten Treffen sagt er ihnen, dass sie das Zeug dazu haben, Deutscher Meister zu werden. Und jetzt fragen sich die Spieler, die Anfang der Saison nicht daran geglaubt hatten, wie er das gemacht hat. Er hat ihnen ein Selbstverständnis der eigenen Stärke vermittelt statt immer wieder neue Technik-Analysen zu machen.

 

Wir haben viel kurzes Spiel und das Mentale trainiert, verschiedene Situationen durchgespielt. Ich wollte dem Team immer wieder vermitteln, dass sie die Besten sind.“ Beispiel: Schon vor dem Final Four hatte Coach Dawie Stander seinen Spielern den Termin für die Club Trophy, also den Europa Cup der besten Mannschaften des Kontinents, geschickt. „Damit sie sich den schon mal frei halten.“ An das Team gab es die Botschaft: Ihr werdet Champion! Und so kam es auch, was zum einen mit Können und festem Glauben, aber irgendwie auch mit Poker zu tun hat.

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Beim Poker geht’s ständig um Entscheidungen: Wahrscheinlichkeiten abwägen, Risiken einschätzen, berechnen, ob ein Move Sinn macht oder nicht. Und genau diese Denkweise nutze ich mittlerweile auch im Golf. Ich schaue mir viele Entscheidungen strategisch an: Was ist die bessere Option? Welche Entscheidung bringt langfristig den größeren Vorteil? Manchmal rechne ich das sogar richtig aus, zum Beispiel ob ein Driver auf einer bestimmten Bahn mehr bringt als ein 7er-Eisen oder ob es sich lohnt, ein Grün anzugreifen oder lieber vorzulegen“, erklärt Coach Stander.

 

Weil er zu Beginn der Saison neu war in Hösel, musste er schnell an Informationen über seine Spieler kommen. Also hatte er sich auf der OpenAI-Plattform ein eigenes ChatGPT gebaut. „Mein persönlicher Golf-Assistent sozusagen, den habe ich Optimal Game Strategy genannt.“ Mehr als 200 selbst erstellte Fragen lädt er dort hinein, um alles rund um Mentalität, Platzstrategie, Trainingsverhalten, Stärken, Schwächen usw. zu erfahren. Die Spieler beantworten die Fragen und der Coach analysiert ihre Ergebnisse der letzten zwei Jahre. „Ich konnte dadurch Muster erkennen. Wann sie Birdie-Serien hatten, wann sie auf einmal zwei Bogeys gemacht und dann wieder ein Birdie gespielt haben. Wie sie auf den Front Nine oder den Back Nine spielen. Wie sie morgens und wie nachmittags drauf waren.“

Vor dem Final Four geht er noch einen Schritt weiter und scannt alle Gegner: deren Ergebnisse, Aufstellungen, wie sie an den DGL-Spieltagen performt haben. Alle Daten fließen in den GPT (Generative Pre-trained Transformer) ein. „Das hat mir gezeigt, wer bei denen gefährlich ist, welche Spieler angreifbar sind, welche Vierer stark sind oder eher schwächer. So konnte ich meine eigene Aufstellung viel gezielter planen.“ Kurz: Dawie Stander nutzt KI, um seine Spieler und seine Gegner besser zu verstehen. Nicht als Spielerei, sondern als Tool für bessere Entscheidungen. 

 

Am Riedhof hat's geklappt. Was aber sicher nicht nur an Künstlicher Intelligenz, sondern auch an natürlichem Teamspirit lag. Hösels Herren sind Deutscher Mannschaftsmeister. Zum ersten Mal – und mit ihrem neuen Coach Dawie Stander, der schon für 2026 plant. Man darf gespannt sein auf die Weiterentwicklung und Performance des neuen Champions, der im kommenden Jahr wohl nicht mehr unterschätzt werden wird. Zumal der Mann mit grauen Haaren und grauem Bart das Zepter schwingt – und offen ist für neue Wege. In Hösel sind sie völlig von den Socken. Und die sind beim neuen Deutschen Mannschaftsmeister definitiv rosa. 

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