Einbruch auf den letzten Bahnen? So retten Sie Ihre Runde
Sie kennen das bestimmt auch: Die ersten 14 Löcher ist alles nach Plan gelaufen. Sogar mehr als das! Ihre Drives haben die Fairways erreicht, Ihre Pitches die Grüns. Und beim Putten hatten Sie nicht nur ein gutes Händchen, sondern auch das nötige Glück. Bis jetzt. Denn plötzlich funktioniert nichts mehr, was eben noch selbstverständlich schien. So ziehen sich die letzten vier Bahnen unangenehm in die Länge – und die eigentlich starke Runde kippt auf den finalen Metern. PGA Golf Professional Fabian Bünker kennt das Phänomen, natürlich. Er erklärt im Video (s.u.), wie Sie sich Ihre Konstanz bis zum letzten Schlag bewahren können und was es zu tun gilt, wenn Sie merken, dass Ihnen das Spiel entgleitet.
Bünker sieht den Grund für plötzliche Schwächephasen weniger im Schwung als im Kopf. „Sobald du merkst, dass es gut läuft, ändert sich etwas, denn dann fängst du an zu rechnen“, sagt er. Aus dem freien Spiel wird plötzlich eine Hochrechnung. Noch zwei Pars, bloß kein Doppelbogey – und der Traumscore ist geschafft.
Wie Anspannung und Unsicherheit entsteht
Mit dem Rechnen verändert sich der Fokus. Statt sich mit der aktuellen Aufgabe zu beschäftigen, beginnen Golfer, ihr Ergebnis zu verteidigen. Sie spielen plötzlich nicht mehr, um zu gewinnen, sondern um nicht zu verlieren. Die Folge können Anspannung, Unsicherheit und dadurch verkorkste Schläge sein. Bünkers wichtigste Regel lautet: Die Aufgabe besteht nicht darin, eine gute Runde zu Ende zu bringen. Die Aufgabe besteht ausschließlich darin, den nächsten Schlag so gut wie möglich zu spielen. Atem- oder Reset-Techniken können dabei helfen, die Gedanken wieder aus der Zukunft zurück in die Gegenwart zu holen.
Weg mit dem Vermeidungsdenken
Ein zweites Problem taucht häufig auf, wenn das Ergebnis plötzlich etwas zu verlieren scheint. Gedanken wie „Bloß nicht ins Wasser!“ oder: „Jetzt nur keinen Fehler machen!“, bestimmen und verändern Ihre Schlagvorbereitung. „Du spielst nicht mehr aktiv, sondern defensiv. Du willst Fehler vermeiden, anstatt gute Schläge zu spielen“, sagt Bünker. Sein Rat: Formulieren Sie konkret, was passieren soll. Statt „Nicht ins Wasser!“ lautet die Aufgabe beispielsweise: „Ich spiele den Ball auf die linke Seite des Fairways.“ Anschließend visualisieren Sie den gewünschten Ballflug und fokussieren sich auf das gewählte Ziel.
Mentale Pausen zwischen den Schlägen
Hinzu kommt ein Faktor, der wenig mit Nervosität zu tun hat: Eine vier- bis fünfstündige Golfrunde kostet Energie. Permanent müssen Entscheidungen getroffen, Emotionen verarbeitet und die Konzentration für den nächsten Schlag neu aufgebaut werden. Gegen Ende der Runde werden Routinen deshalb schnell nachlässiger und Entscheidungen ungenauer. Bünker empfiehlt bewusste mentale Pausen zwischen den Schlägen sowie ausreichend Flüssigkeit und kleine Snacks während der Runde. Vor allem aber müssen Golfer nicht vier oder fünf Stunden am Stück über Golf nachdenken. Zwischen den Schlägen darf abgeschaltet werden. Erst wenn die nächste Aufgabe ansteht, wird der Fokus wieder geschärft und auf das Wesentliche gerichtet.
Mentale Stärke lässt sich trainieren
Wenn eine starke Runde auf den letzten Löchern doch noch zu scheitern droht, muss deshalb nicht plötzlich die Schwungtechnik das Problem sein. Häufig fehlt vielmehr eine mentale Struktur, auf die sich Spielerinnen und Spieler unter wachsendem Druck verlassen können. Klar ist: Routinen und Strategien für Drucksituationen lassen sich ebenso trainieren wie technische Aspekte des Schwungs. Wer daran arbeitet, erhöht die Chance, die nächste Traumrunde nicht nur zu beginnen, sondern sie auch zu Ende zu spielen.








