Ruhig im Kopf: Besser umgehen mit Ablenkungen auf der Runde
Der Probeschwung fühlt sich gut an, die Schlagidee steht fest und der Fokus ist auch da. Doch genau in diesem Moment springt der Rasensprenger an. Ein Mitspieler spricht, obwohl er doch weiß, dass er eigentlich schweigen sollte. Oder eine Biene schwirrt Ihnen um den Kopf. Klingt nach Kleinigkeiten, bringt aber viele Golferinnen und Golfer aus dem Konzept. PGA Golf Professional Fabian Bünker erklärt in seinem Video (s.u.), warum Ablenkungen auf dem Golfplatz oft nicht das tatsächliche Problem sind – und wie Sie besser damit umgehen können.
Was die Konzentration stören kann
Die Vorstellung vom perfekten Fokus ist verlockend: absolute Ruhe, keine Ablenkungen, volle Konzentration auf den nächsten Schlag. Die Realität auf dem Platz sieht jedoch meistens anders aus. Mitspieler, Tiere, Maschinen, Verkehrslärm, klingelnde Handys, bei Turnieren manchmal vielleicht auch Zuschauer – all diese Faktoren sorgen regelmäßig für Unterbrechungen der Konzentration. Das Problem: Viele dieser Einflüsse können Sie nicht kontrollieren. Und sobald die Ablenkung wahrgenommen wurde, ist die Konzentration sowieso unterbrochen. Ablenkung bedeutet für Bünker vor allem eines: Der Fokus wandert weg von der eigentlichen Aufgabe. Statt sich auf den Schlag zu konzentrieren, beschäftigt sich das Gehirn plötzlich mit dem Störfaktor.
Warum Amateure mit Ablenkungen oft falsch umgehen
Nach Bünkers Erfahrung verschlimmern viele Golfer die Situation unbewusst selbst. Sie versuchen, die Ablenkung aktiv auszublenden oder ärgern sich darüber. Genau dadurch rückt die Störung jedoch noch stärker in den Mittelpunkt. Der Fokus liegt dann nicht mehr auf dem Schlag, sondern auf dem Versuch, sich nicht stören zu lassen. Je länger sich ein Spieler mit dem Geräusch, der Bewegung oder der Unterbrechung beschäftigt, desto größer wird deren Einfluss auf den nächsten Schlag.
Hauptursache fehlender mentaler Stärke
Natürlich lassen sich auch Spitzengolfer gelegentlich aus dem Konzept bringen. Wer jedoch regelmäßig auf Störungen reagiert, sollte laut Bünker tiefer nach der Ursache suchen. Denn häufig sind Rasenmäher, Mitspieler oder Hintergrundgeräusche nicht das eigentliche Problem. Vielmehr zeigen sie auf, dass Vertrauen in das eigene Spiel oder mentale Stabilität fehlen. Wer sich auf seinen Schlag konzentriert und Vertrauen in seine Fähigkeiten hat, lässt sich deutlich schwerer aus dem Konzept bringen. Ablenkungen werden dadurch zu einer Art Indikator: Sie machen sichtbar, wo mentale Stärke noch ausbaufähig ist.
Warum Sie eine Schlagroutine brauchen
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Schlagroutine. Wer vor jedem Schlag denselben Ablauf durchläuft, schafft sich einen festen Anker, auf den er jederzeit zurückgreifen kann. Gerade bei anhaltenden Störungen – etwa einem Rasenmäher, der über mehrere Löcher hinweg arbeitet – hilft eine klare Routine dabei, den Fokus immer wieder auf die eigentliche Aufgabe zurückzulenken. Deshalb empfiehlt Bünker, eine Pre-Shot-Routine aufzubauen und konsequent anzuwenden.
So gelingt der mentale Reset
Kommt es dennoch zu einer Ablenkung, rät Bünker zu einem einfachen Vorgehen. Zunächst sollte die Störung wahrgenommen, aber nicht bewertet werden. Anschließend geht der Spieler in seinem Ablauf einen Schritt zurück. Das kann bedeuten, sich noch einmal neu auszurichten, die Ansprechposition erneut einzunehmen oder das Setup komplett neu aufzubauen. Wichtig dabei: nicht hetzen lassen. Der bewusste Neustart innerhalb der Routine gibt Sicherheit und hilft, den Fokus wieder auf den Schlag zu richten. Mit der Zeit entsteht dadurch ein automatisierter Umgang mit Störungen. Statt sich über die Unterbrechung zu ärgern, verknüpft das Gehirn sie mit einer klaren Reaktion: einen Schritt zurückgehen, die Routine erneut beginnen und weitermachen.
Mentale Stärke trainieren
Bünker betont allerdings auch, dass es keine Universallösung gibt. Nicht jede Methode funktioniert für jeden Golfer gleichermaßen. Zudem entsteht mentale Stärke nicht durch einen einzelnen Gedanken oder Trick. Vielmehr ist sie das Ergebnis verschiedener Faktoren, die zusammenwirken. Der bewusste Umgang mit Ablenkungen kann dabei jedoch ein wichtiger Baustein sein. Störungen wird es schließlich immer geben. Entscheidend ist, wie Sie darauf reagieren.








