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Mehr Florida in Europa: Für die Nachsaat eignen sich neue Mischungen | © Golfsustainable/P. Himmel

Ran an die Reparatur

Um im nächsten Jahr auf einem Golfplatz wieder erstklassige Spielbedingungen bieten zu können, führt für die Verantwortlichen einer Golfanlage an einem konsequenten Programm zur Renovation der Flächen kein Weg vorbei. 

 

„Je nach Region ist in etwa bis Mitte Oktober Zeit für die Nachsaat“, erklärt Christian Steinhauser, Präsident des Greenkeeper Verbands Deutschland. „Mitte Oktober ist allerdings schon ein später Zeitpunkt, weil das keimende Saatgut nicht kaputt gehen darf. Frostnächte sind hier die große Gefahr.“

 

Nachsaaten sind für Deutschlands Greenkeeper eigentlich eine Standardarbeit. Den Golfern fallen sie in der Regel kaum auf. Mit den Veränderungen des Klimas ist die Auswahl des Saatguts aber deutlich komplizierter geworden. Wie soll man auf Temperaturen über 40 Grad, andauernde Trockenheit und womöglich Beregnungsbeschränkungen reagieren?

Neue Mischungen bei Hitze und Trockenheit

„Wir sehen schon, dass langfristig der Bedarf an der Verwendung von eher trockenheitstoleranteren Gräsern bei der Nachsaatmaßnahmen immer höher wird“, stellt Prof. Martin Thieme-Hack von der Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur an der Hochschule Osnabrück fest. „Gerade die großen Spielflächen, wie z.B. Fairways werden häufig gar nicht beregnet oder die zur Verfügung stehenden Wassermengen reichen nicht mehr über den ganzen Sommer.“ Deshalb ändern erfahrene Head-Greenkeeper inzwischen das Saatgut. Vor allem Festuca, eine besonders trockenheitsresistente Sorte, spielt nun auch in Deutschland eine größere Rolle, während früher – so Christian Steinhauser –auf Fairways vorwiegend das sogenannte Lolium ausgesät wurde. „Inzwischen spielen Mischungen eine deutlich größere Rolle“, erklärt er. „Lolium sorgt für die schnelle Regeneration, Festuca sät man, um für Trockenzeiten gerüstet zu sein.“

 

Verallgemeinern kann man diese Auswahl für Golfplätze nicht. „Um die spielerischen und ästhetischen Eigenschaften langfristig zu gewährleiten, muss aber jede Golfanlage, je nach Region, Boden und Lage das für sich passende Konzept finden“, rät Daniel Hunt, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kompetenzzentrum Rasen der Hochschule Osnabrück“. Denn auch das ist klar: Je nach Baumbestand und Schatten, Art der Erde und den unterschiedlichen Klimabedingungen können die Anforderungen in Schleswig-Holstein oder Niedersachsen komplett anders sein als etwa in Bayern oder Baden-Württemberg.

Mehr Florida in Europa

Vor allem der äußerste Südwesten Deutschlands hat sich klimatisch in den vergangenen Jahren so entwickelt, dass hier in Zukunft unter Umständen sogar Gräser zum Einsatz kommen könnten, die man bis dato eher aus den Südstaaten der USA, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Südeuropa kannte. Das sogenannte Bermudagras gilt als besonders hitzeresistent und überzeugt gleichzeitig mit besonders wenig Wasserverbrauch. Wer seinen Urlaub in Dubai oder Florida verbringt, spielt meist auf Bermudafairways. Und selbst die Fußballfelder Italiens, zum Beispiel in Rom, werden inzwischen damit eingesät, weil das bisherige Saatgut vor dem immer trockeneren und heißeren Klima kapitulierte. 

 

„Wenn ich Head-Greenkeeper in der Freiburger Region wäre, würde ich wahrscheinlich schon mal ein wenig auf Testflächen damit experimentieren“, überlegt Christian Steinhauser. Er ist nicht der einzige Head-Greenkeeper, der weiß, wie wichtig Testfelder mit neuen Rasensorten sind. Auch im französischen Bordeaux und auf Plätzen rund um Paris werden längst Tests mit Bermudagras gemacht. „Die Möglichkeiten, Bermudagras in bestimmten Teilen Deutschlands einzusetzen, werden vermutlich immer größer“, stellt Prof. Martin Thieme-Hack fest. Er weist aber auch auf die Tatsache hin, dass Bermuda bei weniger als 15 Grad Außentemperatur in eine Art Entwicklungsruhe geht. Für den Golfer bedeutet das: Er spielt auf braunem Gras. 

 

Im Moment geht es für Deutschlands Golfanlagen deshalb vor allem darum, ihre vorhandenen Fairways mit den erprobten Grassorten wieder in Form zu bringen. Hier kann ein Beratungsgespräch mit den Experten der Saatgutfirmen helfen. Die nämlich züchten auch innerhalb einer Gattung stets neue Spezialisten, die besonders gut auf die eine oder andere Herausforderung reagieren.

Individuelle Konzepte entwickeln

Wichtig ist deshalb jetzt, da sind sich Thieme-Hack, Hunt und Steinhauser einig, die Entwicklung eigener Konzepte für jeden Club, um in den nächsten Jahren Trockenheit und Hitze besser begegnen zu können. „Eine Anpassung kann durch neu integrierte trockenheitstolerantere Arten geschehen oder durch angepasste Sorten erfolgen“, rät Daniel Hunt den Golfanlagen. 

 

Wie immer bei der Golfplatzpflege gilt aber: Nachsaatprogramme sind kein Schnellschuss. Vielmehr ist Geduld bei den Verantwortlichen im Club wichtig. Schließlich müssen die Gräser langfristig integriert werden. Das heißt: Der Rasensamen wird auch nicht nur einmal verteilt, sondern die Nachsaaten werden immer wieder wiederholt, so dass sich der prozentuale Anteil der trocken- und hitzeresistenten Arten erhöht. 

 

Keine Frage – das verlangt Expertise. Der Golfer merkt meist wenig davon. Er realisiert nur, wenn die Kahlstellen weniger werden, der Platz auch bei großer Hitze gut zu spielen ist. Dann hat der Greenkeeper sein Ziel erreicht: Hohe Qualität – auch bei Extremwetter.

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