Warm-up auf der Range: Cowan setzt auf Gefühl statt Technik
Die letzten Minuten vor einem Turnierstart können oft über den Verlauf einer gesamten Runde entscheiden. Das kennen Profis genauso wie Amateure. Noch schnell am Schwung tüfteln? Die Distanzen auf der Driving überprüfen? Den einen oder anderen Ball mehr schlagen, bis endlich das gewünschte Gefühl entsteht? Olivia Cowan aus dem Golf Team Germany setzt auf einen unkomplizierteren Ansatz. Mit ihrer Vorbereitung verfolgt sie vor allem ein Ziel: den Körper auf Betriebstemperatur bringen und das Gefühl für den Schwung finden. Rund 40 Minuten vor ihrer Startzeit beginnt Cowan mit dem spielbezogenen Teil ihres Warm-ups, zunächst auf dem Putting-Grün, anschließend auf der Driving Range. Zuvor wärmt sie ihren Körper etwa 20 bis 25 Minuten mit Stretching und Kraftübungen auf. Das kurze Spiel lässt sie unmittelbar vor dem Start dagegen aus. „Das trainiere ich einfach auf dem Platz während der Proberunde und die Tage davor. Dann stresse ich mich auch nicht so“, erklärt Cowan in einem Video (s.u.).
Locker in Bewegung kommen
Auch auf der Range bleibt der Ansatz simpel. Einen Launch-Monitor benutzt Cowan nicht. Ohnehin bezeichnet sie sich eher als Gefühlsspielerin. Bei den ersten Wedge-Schlägen geht es zunächst darum, locker in die Bewegung zu kommen. Später sucht sie sich konkrete Ziele und verwendet einen Alignment-Stick, um ihre Ausrichtung zu kontrollieren. Eine feste Zahl an Bällen pro Schläger gibt es ebenfalls nicht in ihrem Training. Cowan entscheidet nach Bauchgefühl: Braucht sie ein paar Schläge mehr, schlägt sie mehr. Stimmt das Timing schnell, geht es weiter. Insgesamt schlägt sie im Warm-up vor einer Runde ungefähr 30 bis 40 Bälle.
Vom Wedge bis zum Driver
Eine gewisse Struktur gibt es dennoch. Nach dem Sandwedge folgen bei Cowan normalerweise Eisen neun, sieben und fünf, danach Holz drei und schließlich der Driver. Je nach Platz ergänzt sie beispielsweise ein Hybrid, wenn sie diesen Schläger während der Runde häufig benötigen wird. Nach dem Driver greift sie noch einmal zum Eisen acht – aber nur für zwei letzte Schläge. Interessant für Amateure: Das Warm-up ist für Cowan kein Techniktraining. Sie versucht nicht kurz vor der Runde, ihren Schwung umzustellen. Vielmehr sucht sie das Vertrauen in das, was funktioniert.
Hauptsache Rhythmus
Das zeigt sich auch bei der Flugkurve. Cowan spielt am liebsten ihren natürlichen Draw. Natürlich könne sie bei Bedarf auch einen kleinen Fade schlagen, erklärt sie im Video (s.o.). Trotzdem lautet ihre Devise: „Ich finde, Golf ist schon schwer genug und ich möchte es nicht noch komplizierter machen.“ Deshalb bleibt sie möglichst bei dem Schlag, mit dem sie sich am wohlsten fühlt.
Und noch einen Gedanken gibt es, der Cowan durch ihr Warm-up begleitet: Rhythmus. Unabhängig davon, ob mit Wedge, Eisen, Holz oder Driver versucht sie, das Tempo ihrer Schläge möglichst konstant zu halten. Wenn am Ende der Trainingseinheit das Gefühl stimmt, kann die Runde beginnen ...







