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Die niederländische Vizekapitänin Anne van Dam fuhr gemeinsam mit Eva-Lotta Strömlid die neun Kilometer von Den Bosch nach Bernardus. | © LET / Approach the Green

Auf zwei Rädern zum Solheim Cup

Wer beim Solheim Cup 2026 in den Niederlanden dabei sein möchte, sollte sich auf eine etwas andere Anreise einstellen. Denn direkt vor dem Bernardus Golf in Cromvoirt wird kein Auto stehen. Dieses Konzept wurde bewusst gewählt: Die Organisatoren wollen den Verkehr auf den schmalen Straßen rund um den Golfplatz entlasten und gleichzeitig ein möglichst nachhaltiges Großereignis auf die Beine stellen. Dabei spielt das Fahrrad eine zentrale Rolle.

 

„Auf zwei Rädern zum Solheim Cup“ ist deshalb nicht nur ein gut gemeinter Vorschlag, sondern Teil des offiziellen Mobilitätskonzepts. Parkplätze gibt es ausschließlich abseits des Veranstaltungsortes. Von dort aus geht es entweder mit dem Fahrrad oder dem Shuttle weiter. Auch wer mit dem Zug anreist, steigt in ’s-Hertogenbosch auf das Rad oder einen Pendelbus um.

6.000 Fahrräder pro Tag?

Wie ernst es den Organisatoren mit dem Fahrrad ist, zeigt eine bemerkenswerte Zahl: Für die drei Wettkampftage von Freitag bis Sonntag werden nach Angaben des Mobilitätsmanagers Roy Hirs bis zu 6.000 Fahrräder pro Tag am Bernardus erwartet. Damit dürfte das Turnier in dieser Hinsicht eine Premiere im professionellen Golfsport darstellen.

 

Die Rechnung dahinter ist einfach. Bernardus Golf liegt in einer ländlichen Umgebung mit schmalen Straßen und begrenzter Infrastruktur. Würden mehrere zehntausend Zuschauer gleichzeitig mit dem Auto anreisen, wären Verkehrsprobleme kaum zu vermeiden. Stattdessen werden die Besucherströme bereits vor der Ankunft auf unterschiedliche Verkehrsmittel verteilt. Dieses Konzept wurde unter anderem von den Erfahrungen beim Formel-1-Rennen in Zandvoort inspiriert, bei dem ebenfalls viele Zuschauer mit dem Fahrrad zum Veranstaltungsort gelangen.

Von Den Bosch durch die Natur

Der wichtigste Verkehrsknotenpunkt ist der Bahnhof von ’s-Hertogenbosch, kurz Den Bosch. Von dort aus führt eine rund neun Kilometer lange Fahrradroute nach Bernardus Golf. Je nach Tempo dauert die Strecke etwa 20 bis 30 Minuten. Fahrräder können vor Ort gemietet werden, es ist aber auch möglich, das eigene Rad zu nutzen. Am Golfplatz steht in unmittelbarer Nähe zum Zuschauereingang eine große Fahrradabstellanlage zur Verfügung. Die Strecke führt nicht über vielbefahrene Straßen, sondern durch die Natur. Das Turniererlebnis soll demnach bereits am Bahnhof beginnen: Mit dem Fahrrad geht es durch die typisch niederländische Landschaft, vorbei an Wiesen und Feldern.

 

Wer mit dem Auto anreist, muss ebenfalls auf das Fahrrad umsteigen. Beim sogenannten „Park and Bike“ stehen in Drunen unter anderem Parkplätze zur Verfügung. Von dort sind es rund fünf Kilometer bis zum Golfplatz. Eine weitere Möglichkeit ist das „Park-and-Bike“-Angebot an der Deutersestraat nördlich von Bernardus: Von dort aus sind es rund sieben Kilometer mit dem Fahrrad. Alternativ steht ein Park-and-Shuttle-Angebot zur Verfügung.

Die Kapitäninnen machten es vor

Die Kapitäninnen haben bereits gezeigt, dass die ungewöhnliche Mobilitätsstrategie nicht nur für die Zuschauer gedacht ist. Vor einem Jahr fuhren Anna Nordqvist und Angela Stanford gemeinsam mit ihren Assistentinnen auf Tandems nach Bernardus. Die Aktion war Teil der „Year-to-Go“-Feierlichkeiten und sollte auf das nachhaltige Verkehrskonzept aufmerksam machen.

 

Noch konsequenter ging Eva-Lotta Strömlid vor. Die Leiterin der Abteilung „Client Partnerships“ der Ladies European Tour machte sich im September 2025 in Schweden auf den Weg Richtung Bernardus. Rund 1.000 Kilometer legte sie überwiegend mit dem Fahrrad zurück, ergänzt durch Zug- und Bootsfahrten. Auf der letzten Etappe wurden sie unter anderem von Nordqvist und Stanford begleitet.

 

Im Juni 2026 wiederholte sich die symbolische Reise auf einer kürzeren Strecke. Die niederländische Vizekapitänin Anne van Dam fuhr gemeinsam mit Strömlid die neun Kilometer von Den Bosch nach Bernardus – exakt auf jener Route, die nun auch die Fans nutzen können. „Fahrradfahren ist ein so wichtiger Bestandteil der niederländischen Kultur”, sagte van Dam und hoffte, dass sich möglichst viele Zuschauer für das Rad entscheiden würden.

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Inzwischen gehört das ungewöhnliche Bild zur Einstimmung auf den Solheim Cup. Sowohl die US-amerikanischen als auch die europäischen Teammitglieder haben die niederländische Fahrradkultur kennengelernt. Für die Zuschauer dürfte das Fahrrad dagegen schnell vom PR-Gag zum praktischen Verkehrsmittel werden. Denn es ist schlicht nicht möglich, direkt zum Bernardus Golf zu fahren. Es gibt weder Parkplätze am Turniergelände noch einen normalen Auto-Drop-off. Auch Taxi- und Ride-Sharing-Angebote enden am Bahnhof von Den Bosch.

Das Wetter könnte zum Faktor werden

Ob das ambitionierte Konzept tatsächlich reibungslos funktioniert, dürfte allerdings auch vom Wetter abhängen. Für die Wettkampftage werden Tausende Fahrräder erwartet, gleichzeitig sind Regen und Nebel nicht ausgeschlossen. Bei schlechtem Wetter könnte der Shuttleverkehr stärker belastet werden. Genau dieses Szenario beobachten die Organisatoren mit Spannung.

 

Die Niederlande bieten dafür allerdings beste Voraussetzungen. Das Land gilt als eine der weltweit führenden Fahrradnationen und verfügt über ein dichtes Netz an Radwegen. Rund ein Viertel aller Wege werden dort mit dem Fahrrad zurückgelegt. Für ein Golfturnier ist es ungewöhnlich, die Zuschauer zum Radfahren aufzufordern. Für einen Solheim Cup in den Niederlanden könnte es jedoch kaum passender sein. Während Europa und die USA ab Freitag um den Pokal kämpfen, dürfte rund um Bernardus Golf eine ganz andere Frage für Gesprächsstoff sorgen: Wie viele Fahrräder passen eigentlich auf einen Golfplatz?

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