O Captain! Bye Captain!
Anna Nordqvist hat sich ihren Abschied vom Profisport anders vorgestellt. Nicht unbedingt den Zeitpunkt, aber die Reihenfolge. Erst Karriereende, dann Solheim Cup – dazwischen liegen gerade einmal zwölf Tage. Am vergangenen Sonntag ging Nordqvist bei der FM Championship in Boston zum letzten Mal als Spielerin auf eine LPGA-Tour-Runde. Am 11. September steht sie bei Bernardus Golf in den Niederlanden wieder auf dem Golfplatz – allerdings dann als Kapitänin des europäischen Solheim-Cup-Teams. Dann allerdings als Kapitänin des europäischen Solheim-Cup-Teams.
Die 39-Jährige hatte am 26. August überraschend angekündigt, ihre Spielerkarriere nach dem Turnier in Boston zu beenden. „Ich wollte meine Karriere zu einem Zeitpunkt beenden, an dem mir das Spiel noch Spaß machte, und ich hatte das Gefühl, dass alles sowohl auf dem Platz als auch abseits davon gut lief”, sagte sie. Sie wollte aufhören, solange sich Golf wieder richtig anfühlte. Das war nicht selbstverständlich.
Nordqvist beendet ihre 18-jährige LPGA-Karriere mit neun Siegen und drei Major-Titeln. Bereits bei ihrem fünften Start auf der Tour gewann sie 2009 die LPGA Championship. 2017 folgte die Evian Championship und 2021 gewann sie die Womens Open in Carnoustie. Dazu kommen neun Teilnahmen am Solheim Cup als Spielerin. 2009 gab sie in Chicago ihr Debüt. Insgesamt gewann sie 17 Matches und holte fünfmal den Cup. Bei den beiden letzten Austragungen war sie als Playing Vice-Captain Teil des europäischen Teams. Nordqvist war damit bereits eine Führungspersönlichkeit, bevor sie zur Kapitänin ernannt wurde.
Nun endet genau diese Spielerrolle. Bei der FM Championship war der Abschied zunächst eine Nebensache. Nordqvist wollte das Turnier wie jedes andere spielen. Gleichzeitig holten sie die Emotionen ein. Nach ihrer letzten Runde wurde sie von Spielerinnen und Caddies empfangen. Nordqvist hatte 18 Jahre lang gegen sie gespielt. Jetzt war es ihre letzte Runde. Sie beendete sie mit einer Even-Par-70 und einem Gesamtergebnis von eins unter Par.
Die Entscheidung kam nicht aus dem Nichts
Die Nachricht kam für viele überraschend, für Nordqvist offenbar nicht. In den vergangenen beiden Jahren hatte sie mit körperlichen Problemen und Formschwankungen zu kämpfen. Bei der Evian Championship im Juli sagte sie, sie sei „durch die Hölle und zurück“ gegangen. Sie sei stolz darauf, nicht aufgegeben zu haben. Gerade deshalb wirkt der Zeitpunkt ihres Rücktritts bemerkenswert. Nordqvist verabschiedet sich nicht nach einer langen Phase, in der sie kaum noch konkurrenzfähig war. Bei der Evian Championship im Juli belegte sie den siebten Platz.
Sie wollte jedoch nicht warten, bis ihr Körper oder ihr Spiel diese Entscheidung für sie treffen würden. „Endlich bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich mich sowohl auf dem Platz als auch abseits davon wirklich wohlfühle und wieder Spaß am Spiel habe“, sagte sie während ihrer Abschiedswoche.
Nordqvist nannte ihre Gesundheit und ihre Familie als wichtige Gründe für diesen Schritt. Seit 2009 lebt sie überwiegend in den USA, während ihre Familie in Schweden geblieben ist. Die Distanz war stets Teil ihrer Karriere. Nun möchte sie mehr Zeit mit ihren Angehörigen verbringen. „Ich freue mich darauf, mehr Zeit mit meinen Lieben zu verbringen, in der ich ganz für sie da sein kann und mich nicht gehetzt fühle“, sagte sie nach der FM Championship. Auch einen persönlichen Wunsch sprach sie offen an. Nordqvist möchte sich die Möglichkeit geben, eine eigene Familie zu gründen. „Es wird vielleicht kein leichter Weg dorthin, aber ich möchte mir zumindest eine Chance geben.“ Das ist ein anderer Grund für einen Karriereabschluss als eine fehlende sportliche Perspektive.
Von der Spielerin zur Kapitänin
Viel Zeit, um sich an das Leben nach der Tour zu gewöhnen, bleibt Nordqvist allerdings nicht. Bereits am 11. September beginnt bei Bernardus Golf in den Niederlanden der Solheim Cup. Nordqvist wird dort Europa gegen die USA anführen. Die Vorbereitungen dafür laufen seit rund 18 Monaten. Sie hat mögliche Spielerinnen beobachtet, Gespräche geführt, den Auswahlprozess begleitet und die Aufgaben des europäischen Stabes koordiniert.
Als sie 2024 als Kapitänin für 2026 bekannt gegeben wurde, ging Nordqvist noch davon aus, auch nach ihrer Ernennung weiterzuspielen. Am Ende entschied sie sich jedoch dagegen. „Als ich das Amt der Kapitänin übernommen habe, sagte ich, dass ich diese Reise mit den Mädchen machen möchte“, sagte sie bei der Bekanntgabe ihres Rücktritts. „Ich habe mein Bestes gegeben und war während der ganzen Zeit für sie da.“ Jetzt kann sie sich vollständig auf die Mannschaft konzentrieren.
Ein anderes Verhältnis zum Spiel
Als Spielerin war sie für ihren eigenen Score verantwortlich. Als Kapitänin sind es zwölf andere Spielerinnen, Pairings, Kommunikation und die Atmosphäre innerhalb der Mannschaft. „Es braucht wirklich ein ganzes Dorf, um eine solche Veranstaltung auf die Beine zu stellen“, sagte sie nach ihrer letzten LPGA-Runde. Nordqvist kennt diese Rolle bereits. 2023 und 2024 war sie Playing Vice-Captain. Nun fällt das Spielen weg. Ihre Aufgabe ist es nun, dafür zu sorgen, dass ihre Spielerinnen ihre beste Leistung abrufen können.
Was bleibt
Nach ihrer letzten Runde wollte Nordqvist nicht endgültig mit dem Golf abschließen. „Ich liebe dieses Spiel und hoffe, auf irgendeine Weise weiterhin involviert zu sein“, sagte sie. Wie genau, weiß sie selbst noch nicht. Zunächst wartet jedoch der Solheim Cup. Nur zwölf Tage nach ihrem letzten Auftritt als Spielerin wird Nordqvist dort wieder auf dem Platz stehen. Allerdings nicht mit Scorekarte in der Hand, sondern als Kapitänin. Erst hat sie sich vom Spielen verabschiedet. Nun übernimmt sie Europa.







