Geier und Maier-Borst gewinnen – USA holen den Cup
Croimvort/Niederlande – Nach dem ersten Wettkampftag war die Ausgangslage eindeutig. Die USA hatten die Foursomes mit 5:1 und die Fourballs mit 4,5:1,5 für sich entschieden. Europa brauchte am Dienstag zehn Punkte aus den zwölf Einzeln, um den PING Junior Solheim Cup noch zu gewinnen. Was gegen einen so starken Gegner nach einer kaum lösbaren Aufgabe aussah, entwickelte sich im Laufe des Vormittags zu einer bemerkenswerten Aufholjagd. Auf den Leaderboards wurde immer mehr Blau sichtbar, Europa lag in zahlreichen Matches vorne und hielt die Entscheidung lange offen.
Mittendrin: Lena Geier vom GC Bad Griesbach und Sofia Maier-Borst vom GC St. Leon-Rot. Beide hatten am ersten Tag gemeinsam ihre beiden Matches verloren. Im Einzel holten nun beide einen Punkt für Europa.
Geier bleibt cool
Lena Geier traf auf Aubrey Hilgers, gegen die sie bereits am Montag im Fourball gespielt hatte. Die Niederbayerin erwischte den besseren Start und ging mit zwei frühen Birdies in Führung. Hilgers verkürzte auf Loch 5. Auf der Back Nine wurde das Match enger. Geier gewann die 11 mit Birdie, Hilgers antwortete auf den beiden folgenden Bahnen und stellte das Match wieder All Square.
Geier blieb ruhig. Auf Loch 15 profitierte sie von einem Bogey ihrer Gegnerin, ehe sie auf der 16 selbst das sportliche Ausrufezeichen setzte. Mit einem Eagle erhöhte die Deutsche auf 2auf. Hilgers verkürzte mit einem Birdie auf der 17 noch einmal. Damit ging Geier mit 1auf auf das letzte Tee. Dort ließ sie nichts mehr anbrennen, sicherte das Par, gewann auch das Schlussloch und damit ihr Einzel 2auf.
„Ich habe mein Einzel heute am letzten Loch gewonnen. Ich bin 1 auf auf die 18 gegangen und konnte das Match dann dort für mich entscheiden. Das war schon extrem cool, vor allem mit der ganzen Atmosphäre hier“, freute sich Geier.
Maier-Borst setzt sich gegen Zalsman durch
Auch Sofia Maier-Borst hatte eine anspruchsvolle Aufgabe. Amelie Zalsman ist im World Amateur Golf Ranking deutlich vor der Deutschen platziert und hatte zuletzt unter anderem bei der U.S. Girls' Junior Championship das Finale erreicht. Zalsman startete mit einem Birdie und ging sofort in Führung. Maier-Borst antwortete direkt, glich aus und lag wenig später selbst 1auf. Auf Loch 7 stellte die Amerikanerin mit einem Birdie noch einmal auf All Square.
Danach lag Maier-Borst im weiteren Verlauf immer wieder vorne, ohne sich entscheidend absetzen zu können. Zalsman hielt das Match eng. Die Amerikanerin gewann Loch 10, Maier-Borst konterte auf der 11. Auf der 12 teilten beide das Loch mit Birdie. Auch das Par auf dem anspruchsvollen Inselgrün der 15 brachte keine Entscheidung. Auf der 16 gelang Maier-Borst ein sauberes Birdie und ging 2auf. Ein Loch später war der 2&1-Sieg perfekt.
Die Freude darüber war der Deutschen auch lange nach dem letzten Putt noch anzumerken: „An der 17 konnte ich den Sack schon zumachen und ich war dann wirklich einfach extrem glücklich, einen Punkt gewonnen zu haben. Dieser Sieg ist besonders wertvoll, weil Amelie echt Golf spielen kann. Deswegen war ich wirklich sehr, sehr glücklich und einfach generell haben wir auf dem Platz wirklich gemerkt, dass die europäische Seite so stark war. Hier sind überall auch Leaderboards und es wurde wirklich jedes Mal blauer, wenn ich geschaut habe. Es war krass und ich bin einfach sehr glücklich über die Art und Weise, wie wir noch einen Kampf daraus gemacht haben, sodass die Amerikaner wirklich ins Zittern gekommen sind. Es war einfach der Wahnsinn.“
Für Maier-Borst war dabei nicht nur der eigene Punkt entscheidend. Je weiter der Vormittag fortschritt, desto deutlicher spürte sie, wie sich die Stimmung auf dem Platz veränderte. Die europäischen Spielerinnen gewannen früh etliche Löcher, die Zuschauer gingen mit und die Hoffnung auf eine außergewöhnliche Wende blieb lange bestehen.
Viel Blau auf dem Leaderboard
Europa gewann acht der zwölf Einzel. Der große Vorsprung, den sich die USA am Montag erspielt hatten, reichte dennoch. Aus dem 2,5:9,5 wurde am Ende ein 11:13.
Bundestrainerin Esther Poburski erlebte die europäische Aufholjagd unmittelbar auf dem Platz: „Das war heute toll. Es war viel Blau auf der Tafel zu sehen. Die Mädels haben wahnsinnig gekämpft, so durch die Bank weg.“
Aus ihrer Sicht trat Europa am zweiten Tag in mehreren Bereichen verbessert auf. Coursemanagement, Wedgespiel und Putten hätten besser funktioniert, auch mit dem Wind seien die Spielerinnen gut zurechtgekommen. Besonders freute sich Poburski über die beiden deutschen Punkte. Geier und Maier-Borst hätten hochklassig gespielt und viel Kampfgeist gezeigt.
Auch Sebastian Buhl, Heimtrainer von Sofia Maier-Borst, sah früh eine vollkommen andere Dynamik als noch am Vortag. Viele Europäerinnen gingen schnell in Führung, wodurch sich das Momentum zunehmend auf die Seite des Teams von Kapitänin Anne van Dam verschob. „Das Wunder von Bernardus lag in der Luft. Die Amerikanerinnen kamen echt schlecht raus und gingen in fast allen Matches sehr früh down. Das europäische Team hat dadurch sehr früh sehr viel Momentum bekommen, was sie dann über die Runde getragen hat“, so Buhl.
Maier-Borsts Leistung gegen die im WAGR auf Rang 26 geführte Zalsman wertete Buhl auch mit Blick auf ihre weitere sportliche Entwicklung hoch. Die Spielerin des GC St. Leon-Rot habe deutlich weniger Fehler gemacht als am ersten Tag und das Match am Ende sicher nach Hause gebracht.
Die Kapitänin
Die Kapitänin Anne van Dam war nach diesem sehr besonderen Finaltag mehr als zufrieden mit ihrem Team. Mehr als diese Rekord-Punkteausbeute Europas wäre in den Einzeln nicht mehr möglich gewesen, zu erkämpfen.
„Ich musste heute Morgen nicht viel sagen“, sagte van Dam, die 2013 beim PJSC spielte und 2019 zum europäischen Sieg in Gleneagles beitrug. „Sie hätten nicht mehr geben können. Ich bin super stolz auf mein Team. Sie haben sich eine Chance erarbeitet, die zu Beginn des Tages niemand für möglich gehalten hätte. Es begann damit, dass Annabel Peaford einen brillanten Punkt gegen Asterisk Talley holte. Den ganzen Tag über stand so viel Blau auf der Anzeigetafel, was allen einen enormen Schub gab. Alle haben diese Erfahrung geliebt.“
Sportlich fair gratulierte Anne van Dam Morgan Pressel und dem US-Team zum Sieg.
Eine besondere Woche
Der PING Junior Solheim Cup wurde 2026 erstmals auf demselben Platz ausgetragen wie der Solheim Cup. Entsprechend nah waren die 24 Juniorinnen an der großen Bühne. Viele Zuschauer und Schulklassen begleiteten die Matches auf Bernardus Golf, dazu kamen und kommen noch Begegnungen und Programmpunkte rund um die Profiteams. Für Lena Geier bleibt deshalb weit mehr als der Punkt aus ihrem gewonnenen Einzel: „Mein Fazit ist auf jeden Fall, dass es ein richtig besonderes und unvergessliches Event war. Die ganzen Tage mit dem Team, die Matches und alles drumherum waren einfach mega.“
Noch euphorischer fiel die Bilanz von Sofia Maier-Borst aus. Schon während der Woche hatte unter anderem Esther Henseleit das deutsche Duo bei einem Match begleitet. Dazu kommen Treffen mit den Solheim-Cup-Spielerinnen und weitere gemeinsame Programmpunkte. „Wir sind so ein gutes Team als europäisches Team, waren irgendwie vor der Woche schon sehr, sehr eng und sind noch mehr zusammengewachsen. Also es ist wirklich unbeschreiblich. Keine Ahnung. Es ist die tollste Woche überhaupt, die ich je mit Golf erlebt habe und es motiviert mich, einfach weiterzumachen. Es macht mich halt super glücklich“, sprudelten die positiven Emotionen aus der in Madrid geborenen Spielerin des GC St. Leon-Rot heraus.
Sportlich endet der PING Junior Solheim Cup mit dem 13:11 für die USA. Für Geier und Maier-Borst geht die Woche auf Bernardus Golf noch weiter. Beide bleiben vor Ort und erleben anschließend den Solheim Cup mit den besten Spielerinnen Europas und der USA.







