Der heilige Baum von Augusta
Der Eisenhower Tree war mehr als nur ein Baum. Die mächtige Loblolly Pine links im Fairway von Loch 17 gehörte jahrzehntelang zu den bekanntesten Wahrzeichen von Augusta National – und wohl zu den berühmtesten Bäumen im Golfsport überhaupt.
Seinen Namen verdankte der Baum dem ehemaligen US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower. Eisenhower war Mitglied in Augusta National und spielte regelmäßig auf dem Platz. Allerdings hatte er ein Problem: Immer wieder landeten seine Abschläge an Loch 17 im Baum. So sehr, dass er 1956 bei einem Club-Meeting angeblich beantragte, die Kiefer einfach zu fällen. Der Antrag wurde allerdings umgehend abgelehnt. Damit war der Name geboren: Eisenhower Tree.
Ein Hindernis für Präsidenten und Profis
Der Baum stand etwa 210 Yards (192 Meter) links vom Abschlag des 17. Lochs und war rund 20 Meter hoch. Spieler mussten entscheiden, ob sie aggressiv über den Baum schlagen oder lieber konservativ rechts bleiben wollten. Über Jahrzehnte wurde der Eisenhower Tree so zu einem festen strategischen Bestandteil des Lochs.
Nicht nur Eisenhower hatte Probleme mit dem Baum. Auch viele Profis blieben dort hängen – darunter Tiger Woods. 2011 verletzte sich Woods sogar unter dem Baum am Knie und an der Achillessehne, nachdem er auf den Kiefernnadeln ausgerutscht war.
Das Ende nach mehr als 100 Jahren
Im Februar 2014 wurde der Eisenhower Tree schließlich doch gefällt – nicht wegen schlechter Abschläge, sondern wegen eines schweren Eissturms. Große Teile der Krone waren beschädigt worden, Gutachter sahen keine Möglichkeit mehr, den Baum zu retten. Der damalige Augusta-National-Chairman Billy Payne sprach von einem „schwierigen Verlust“.
Der Baum war zu diesem Zeitpunkt vermutlich zwischen 100 und 125 Jahre alt. „Wir haben mit den Beratungen darüber begonnen, wie wir am besten die Zukunft des 17. Lochs gestalten und diesem ikonischen Symbol unserer Geschichte Tribut zollen können“, erklärte Payne damals.
Die Legende lebt weiter
Und so ließ der Augusta National kurz nach der Fällung mehrere Ableger und einen Sämling des Eisenhower Tree heranziehen. Heute existieren drei Nachkommen des Baums, die auf dem Gelände des Clubs weiter gepflegt werden. Einer davon steht in der Nähe von Loch 17, ein weiterer am Par-3-Course. Augusta hat den berühmtesten Baum des Platzes also nicht ersetzt – aber seine Geschichte bewusst weiterleben lassen.
Auch an anderer Stelle erinnert Augusta an den Baum. Teile des Holzes wurden an die Eisenhower Presidential Library übergeben, andere Stücke dienen als Erinnerungsstücke für Champions und Mitglieder. Beim Champions Dinner 2015 erhielten frühere Masters-Sieger sogar Plaketten aus Holz des gefällten Baums. Zudem steht im Weinkeller des Clubhauses ein Tisch, der aus Teilen des Eisenhower Tree gefertigt wurde.
Augusta ohne Ike's Tree
Mit dem Verschwinden des Eisenhower Tree veränderte sich auch Loch 17. Die Sicht wurde offener, die linke Seite verlor einen Teil ihres Schreckens. Viele Spieler und Fans fanden, dass Augusta damit eines seiner markantesten Details verlor. Sechsfach-Masters-Sieger Jack Nicklaus nannte den Baum damals einen „ikonischen Bestandteil“ des Platzes. Und obwohl er seit mehr als zehn Jahren verschwunden ist, sprechen Spieler und Fans in Augusta noch immer gerne über „Ike's Tree“, als stünde er noch immer links im Fairway von Loch 17.









