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Der Austragungsort des ersten Majors des Jahres im Golf.de-Location-Check | © Augusta National GC

Location-Check: Augusta National – The Masters Tournament

Elf Monate im Jahr wirkt Augusta wie eine ruhige, fast verschlafene Kleinstadt. Doch in der Woche des Masters Tournament verändert sich alles. Dann erblühen nicht nur die Azaleen rund um den Amen Corner, sondern auch die Stadt selbst. Hotels sind ausgebucht, Vorgärten werden zu Parkplätzen, Restaurants platzen aus allen Nähten, und plötzlich richtet sich der Blick der gesamten Golfwelt auf einen Ort, der sonst kaum im internationalen Rampenlicht steht.

Der berühmteste Golfplatz der Welt

Es gibt tatsächlich noch exklusivere Clubs, modernere Anlagen oder spektakulärere Landschaften. Doch kein Platz dieser Welt besitzt die Aura von Augusta National Golf Club.

 

Gegründet wurde Augusta National Anfang der 1930er Jahre von Bobby Jones und Clifford Roberts auf dem Gelände einer ehemaligen Plantage und Baumschule namens Fruitland. Verantwortlich für das Design war der legendäre Architekt Alister MacKenzie, dessen Handschrift bis heute überall sichtbar ist: breite Fairways, raffinierte Winkel, ondulierte Grüns und eine natürliche Schönheit, die fast surreal wirkt. 

 

Besonders bemerkenswert: Die frühere Baumschule prägt den Platz bis heute. Jedes Loch trägt den Namen einer Pflanze oder eines Baumes – von Tea Olive bis Holly. Auch die berühmten Azaleen, Magnolien und Dogwoods sind Teil dieses botanischen Erbes.

Mehr als nur ein Golfturnier

Das Masters ist kein gewöhnliches Major. Es ist das einzige Herrenturnier, das jedes Jahr auf demselben Platz stattfindet – und genau daraus entsteht seine besondere Magie. Jeder Golffan kennt die Bilder von Magnolia Lane, Amen Corner, dem Green Jacket oder dem Champions Dinner.

 

Die Traditionen sind fast ebenso wichtig wie das sportliche Geschehen. Sieger erhalten das berühmte grüne Jackett, ehemalige Champions kehren Jahr für Jahr zurück und selbst Kleinigkeiten wie die Pimento Cheese Sandwiches gehören längst zum Mythos von Augusta.

Traditionen und Details

Ein großer Teil der Faszination von Augusta National liegt in den kleinen Details. Vor dem Clubhaus steht etwa der große Oak Tree, der einer der bekanntesten Treffpunkte der Anlage ist. Unter seinen Ästen herrscht reges Treiben, Interviews werden geführt und Mitglieder begrüßt. Im Inneren des Clubhauses befinden sich die Champions Locker Rooms, die ausschließlich ehemaligen Masters-Siegern vorbehalten sind. Auch das berühmte Champions Dinner, das seit 1952 jeweils vom Vorjahressieger ausgerichtet wird, findet hier statt.

 

Viele Besucher sind überrascht, wie kompakt Augusta National tatsächlich wirkt. Im Fernsehen erscheinen die Hügel größer, die Fairways breiter und die Distanzen weiter auseinander. Vor Ort wirkt vieles deutlich intimer und enger zusammenliegend, als man es erwartet. Teil der besonderen Atmosphäre ist auch das strikte Handyverbot. Während der Turnierwoche dürfen Besucher – und auch Journalisten – auf der Anlage keine Mobiltelefone verwenden. Dadurch entsteht ein fast schon ungewohnt ruhiges Erlebnis, bei dem die Aufmerksamkeit vollständig auf den Platz, die Spieler und die Umgebung gerichtet bleibt.

Amen Corner

Trotz seiner scheinbaren Idylle zählt Augusta National zu den anspruchsvollsten Prüfungen im Weltgolf. Breite Fairways laden zunächst zum Angriff ein, doch die eigentliche Herausforderung beginnt rund um die Grüns. Extreme Ondulierungen, rasante Putts und heikle Anspielwinkel bestrafen jeden unpräzisen Schlag. 

 

Die berühmteste Ecke des Platzes ist natürlich der Amen Corner – die Löcher 11, 12 und 13, wo das Masters oft vorentschieden wird – und an der Träume regelmäßig platzen.

 

  • #11 – White Dogwood: Ein langes, anspruchsvolles Par 4 mit Wasser links vom Grün. Traditionell eines der schwierigsten Löcher des Platzes.
  • #12 – Golden Bell: Vielleicht das berühmteste Par 3 der Welt. Nur rund 140 Meter lang, aber mit wechselnden Winden, Rae’s Creek und einem schmalen Grün kann dieses Loch innerhalb weniger Minuten ein ganzes Turnier zerstören. Links vom Grün befindet sich die berühmte Hogan Bridge, benannt nach Ben Hogan und eine der bekanntesten Brücken im Golfsport.
  • #13 – Azalea: Ein ikonisches Par 5, das nach seinem Umbau noch mehr Länge verlangt. Gleichzeitig bleibt es eines der wichtigsten Risk-Reward-Löcher des gesamten Turniers.

Der kleine Bruder

Fast ebenso traditionsreich wie der Championship Course selbst ist der Par-3-Course von Augusta National. Die kompakte Anlage mit ihren neun Löchern liegt direkt neben dem Hauptplatz und dient den Spielern in der Masters-Woche vor allem zur Vorbereitung und Entspannung. Am Mittwoch vor Turnierbeginn findet dort der beliebte Par-3-Contest statt – eines der lockersten und familiärsten Events der gesamten Woche. Spieler treten gemeinsam mit Ehefrauen, Kindern oder Freunden an, viele Caddies tragen weiße Overalls in Kindergröße und selbst Superstars wirken für einen Nachmittag erstaunlich entspannt. Sportlich hat der Wettbewerb allerdings einen besonderen Ruf: Noch nie konnte ein Spieler im selben Jahr sowohl den Par-3-Contest als auch das Masters gewinnen.

Medienzentrum auf Zeit

Augusta National investiert nicht nur laufend in den Platz, sondern auch in die Infrastruktur rund um das Masters. Vor einigen Jahren wurde ein neues, hochmodernes Pressezentrum eröffnet, das während der Turnierwoche Tausende Journalisten, Fotografen und TV-Teams beherbergt.

 

Besonders kurios: Im Gebäude befindet sich auch ein eigenes Restaurant, das ausschließlich während des Masters geöffnet ist. Für nur eine Woche im Jahr entsteht dort eine kleine Welt für Medienvertreter – mit Arbeitsplätzen, Studios, Pressekonferenzen und Verpflegung direkt neben dem wohl exklusivsten Golfturnier der Welt.

Eine Woche Ausnahmezustand

Für Augusta ist das Masters weit mehr als nur ein Sportereignis. Während die Stadt die meiste Zeit des Jahres eher ruhig wirkt, herrscht rund um das Turnier Ausnahmezustand. Privathäuser werden vermietet, Einfahrten und Vorgärten zu Parkplätzen umfunktioniert, Restaurants und Hotels arbeiten am Limit. Für viele Einwohner ist die Masters-Woche wirtschaftlich und gesellschaftlich der wichtigste Moment des Jahres. Gleichzeitig entsteht eine besondere Mischung aus Südstaaten-Atmosphäre, lokaler Gastfreundschaft und globalem Spitzensport. 

Location-Score

  • Architektur: 10/10
    Augusta National verbindet die Genialität von Alister MacKenzie mit ständiger Weiterentwicklung und vielleicht der schönsten Präsentation im Golfsport.
  • Dramaturgie: 10/10
    Amen Corner, das Finish über 15, 16, 17 und 18 sowie die konstante Spannung machen Augusta zum Maßstab für Turnierdramaturgie.
  • Amateur-Tauglichkeit: 5/10
    Vom Tee oft breiter als gedacht, rund um die Grüns aber brutal schwierig. Vor allem die Geschwindigkeit und Ondulierung der Grüns machen Augusta für Amateure extrem anspruchsvoll.
  • Reise-Faktor: 9/10
    Das Masters einmal live zu erleben, gehört für viele Golfer zur Bucket List. Gleichzeitig ist Augusta National einer der exklusivsten und am schwersten zugänglichen Orte im Sport.

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