Schmid träumt vom Titel – Kaymer trotzt Schmerzen in München
Die Vorfreude auf die BMW International Open ist den deutschen Aushängeschildern anzumerken. Matti Schmid und Martin Kaymer gehen mit unterschiedlichen Voraussetzungen in das einzige deutsche Turnier der DP World Tour. Ein Ziel eint sie jedoch: Sie wollen in München um den Sieg spielen.
Schmid: „Für mich geht es nur um den Sieg“
Für Matti Schmid hat die BMW International Open einen besonderen Stellenwert. Das liegt nicht nur am Heimspiel, sondern auch an der Geschichte des Turniers. „Wenn ich durchs Clubhaus gehe und die Bilder von Martin Kaymer oder Bernhard Langer sehe, dann bewundere ich sie. Ich würde gerne selbst einmal Teil dieser Geschichte sein“, sagte der 28-Jährige in seiner Pressekonferenz am Mittwoch vor Turnierbeginn.
Schmid lobte besonders die Organisation des Turniers: „Von den klassischen Turnieren ist das für mich mit Abstand das beste auf der DP World Tour. BMW macht das einfach richtig gut.“ Sportlich formuliert der gebürtige Regensburger ein klares Ziel. Anders als bei vielen anderen Starts geht es ihm diesmal nicht darum, wichtige Punkte zu sammeln.
„Für mich ist das kein klassisches PGA-Tour-Event. Es geht nicht um eine Top-Ten-Platzierung – für mich geht es nur um den Sieg.“ Die Unterstützung der Zuschauer sei dabei ein zusätzlicher Motivationsschub. In den USA stehen die Fans naturgemäß eher hinter Spielern wie Scottie Scheffler. „Hier freuen sich die Leute mit dir. Das macht das Turnier noch spezieller.“

Fußball-Talk mit Lahm und Bierhoff
Beim Pro-Am spielte Schmid gemeinsam mit Philipp Lahm und Oliver Bierhoff. Dabei sollte Golf nicht das einzige Gesprächsthema bleiben. „Mich interessiert, was man vom Fußball lernen kann. Ich fand es zum Beispiel spannend, wie Jürgen Klopp, Thomas Müller und Mats Hummels zuletzt taktische Dinge analysiert haben. Da möchte ich Philipp schon ein paar Fragen stellen.“
Bei Pro-Am-Runden hält sich Schmid inzwischen bewusst mit Ratschlägen für Amateure zurück. „Ein Tipp verändert das Spiel eines Golfers nicht innerhalb weniger Löcher. Wenn jemand fragt oder Hilfe auf den Grüns möchte, bin ich natürlich da.“ Für Lacher sorgte seine Erinnerung an einen Amateur, der erst auf der zweiten Spielbahn bemerkte, dass er versehentlich linkshändige Schläger im Bag hatte.
Auch zur geplanten Umstrukturierung der PGA Tour äußerte sich Schmid. Das neue Modell mit verschiedenen Leistungsebenen könne er grundsätzlich nachvollziehen: „Für mich ist das Ziel klar Tier 1, denn dort finden die größten Turniere statt.“
Kaymer: „Ein Erfolg ist für mich nur ein Sieg“
Während Schmid mit viel Selbstvertrauen anreist, steht Martin Kaymer erneut vor einer körperlichen Herausforderung. Der einzige deutsche Sieger der BMW International Open kämpft aktuell mit Beschwerden an Schulter und Ellenbogen. „Es ist ein ständiges Auf und Ab. Gestern war ich noch bei Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und habe Spritzen bekommen”, berichtete der 41-Jährige. Das einst verletzte Handgelenk bereitet dagegen keine Probleme mehr.
Trotz der eingeschränkten Vorbereitung bleibt sein Anspruch unverändert hoch. „Ein erfolgreiches Turnier ist für mich, wenn ich gewinne.“ Top-Ten- oder Top-20-Ergebnisse seien zwar objektiv gute Resultate, doch langfristig erinnere sich niemand daran. „Ob Martin Kaymer 2026 Sechzehnter geworden ist, interessiert in zehn Jahren keinen mehr.“
Mehr Mobilität statt mehr Länge
Im Laufe seiner Karriere hat sich sein Training deutlich verändert. Während früher Kraft und Technik im Mittelpunkt standen, legt er heute den Schwerpunkt auf Mobilität und allgemeine Fitness. „Ich werde den Ball mit 41 nicht plötzlich 15 Meter weiter schlagen. Da muss man realistisch sein.“
Neben Golf trainiert er regelmäßig auf dem Fahrrad, geht joggen oder absolviert intensive Ausdauereinheiten. Gerade diese helfen ihm eigenen Angaben zufolge auch gegen den Jetlag. Eine Rückkehr auf die PGA Tour ist für ihn derzeit kein Thema. Er habe sich gemeinsam mit seiner Familie bewusst für Europa entschieden.
„Wenn man dauerhaft auf der PGA Tour vorne mitspielen möchte, muss man auch dort leben. Ich sehe mich nicht mehr in Amerika.“ Sollte LIV Golf über 2026 hinaus bestehen, läge sein Fokus weiterhin dort. Gleichzeitig bleibt die DP World Tour emotional seine „Heimattour“.

Inspiration statt Geheimtipps
Kaymer bedauert es ein wenig, dass jüngere Spieler ihn kaum nach seiner Erfahrung fragen. Er erinnert sich gerne daran, wie sehr ihn einst die gemeinsamen Runden mit Bernhard Langer inspirierten. „Es ging gar nicht darum, wie man einzelne Löcher spielt. Mich hat einfach fasziniert, wie Bernhard als Mensch und Golfer gearbeitet hat.“
Auch privat setzt Kaymer auf Kontinuität: Seine Ehefrau Irene wird erneut sein Bag tragen. „Sie ist mein Lieblingsmensch. Nach über 20 Jahren auf diesem Platz brauche ich niemanden mehr, der mir das siebte Loch erklärt. Wir wollen einfach eine gute Woche zusammen haben.“

Eagles für den guten Zweck
Die BMW International Open setzt nicht nur sportlich, sondern auch gesellschaftlich Akzente. Gemeinsam mit der Philipp Lahm Stiftung führt BMW die Initiative „Eagles for Education” fort. Für jeden während des Turniers erzielten Eagle fließen 1.000 Euro in die Philipp-Lahm-Sommercamps, in denen Kinder durch Bewegung, gesunde Ernährung und Persönlichkeitsentwicklung gefördert werden.
„Jeder von uns hat Stärken, man muss sie nur herausfinden”, sagte Lahm. „Wir wollen Kinder für ihre Zukunft stärken und ihnen gemeinsame Erlebnisse ermöglichen.“ Seit 2009 nehmen jährlich zahlreiche Kinder an den Camps im Münchner Umland teil. BMW unterstützt das Projekt inzwischen zusätzlich mit eigenen Botschafterinnen und Botschaftern, die den Kindern das Thema Mobilität auf spielerische Weise näherbringen.







