McIlroy provoziert, Reitan überrascht und Rahm lenkt ein
Der kommende Ryder Cup in Adare Manor, Irland, ist zwar noch einige Zeit entfernt, dennoch bekommt man in dieser Woche beim Blick auf das Tableau der mit 20 Millionen Dollar dotierten Truist Championship einen hervorragenden Eindruck vom Zustand des europäischen Teams. Denn nicht nur etablierte Profis wie Nicolai Højgaard (T2), Tommy Fleetwood (T5) und Ludvig Åberg (T8) mischten vorne mit, sondern auch Namen drängen sich auf, die man bislang nicht zwingend in die engere Auswahl der Kandidaten gepackt hätte.
Allen voran natürlich Kristoffer Reitan. Der Norweger, der sich in jungen Jahren gegen eine Karriere als Fußballer und für den Golfsport entschied, hatte zuvor bereits zweimal auf der DP World Tour gewonnen. Mit insgesamt 15 unter Par kam er zwei Schläge vor Rickie Fowler und Højgaard ins Ziel. Lange Zeit sah es nach einem offenen Vierkampf aus, ehe sich der Rookie auf den letzten Löchern nervenstark behauptete und den Sieg (3,6 Millionen Dollar Preisgeld) mit einem Par auf der 18 perfekt machte.
Fitzpatricks nächstes Top-Ergebnis, Rahms Einsicht
Mittendrin im Titelrennen war auch Alex Fitzpatrick, dessen Karriere zuletzt eine bemerkenswerte Beschleunigung aufgenommen hat. Der jüngere Bruder von Major-Sieger Matt Fitzpatrick feierte Ende März seinen ersten Titel auf der DP World Tour in Indien, triumphierte zuletzt an der Seite seines Bruders bei der Zurich Classic und wird in dieser Woche bei der PGA Championship abschlagen. Bei der Truist Championship landete der 27-Jährige auf Rang vier. Fest steht: Die jüngsten Entwicklungen um Reitan und Fitzpatrick dürften auch Luke Donald nicht entgangen sein.
Auch Jon Rahm machte einen entscheidenden Schritt zurück Richtung Team Europe. Der Spanier hat seinen monatelangen Streit mit der DP World Tour beigelegt, zahlt laut Berichten rund drei Millionen Dollar an ausstehenden Strafgeldern und akzeptiert Auflagen für sogenannte „Conditional Releases“. Dadurch kann der zweifache Major-Sieger weiterhin LIV-Events spielen und gleichzeitig wieder auf der DP World Tour antreten – eine zentrale Voraussetzung für eine mögliche Ryder-Cup-Teilnahme. In einer Phase wachsender Unsicherheit rund um LIV Golf wirkt der Schritt wie eine strategische Absicherung mit Blick auf Europas Team in Adare Manor.
Rory McIlroy war bei seinem ersten Start seit dem Masters-Sieg solide unterwegs. Eine 75 am Samstag warf die Nummer zwei der Welt bei der Truist Championship zurück, mit einer 67 am Sonntag endete das Turnier im Quail Hollow Club versöhnlich auf Rang 19. Gewohnt meinungsstark trat der sechsmalige Major-Sieger im Vorfeld auf. Angesprochen auf mögliche Rückkehr-Szenarien für LIV-Spieler fiel seine Antwort offen und durchaus provokant aus: „Wenn du der wettbewerbsfähigste Golfer sein willst, dann ist das hier der richtige Ort. Und wenn du hier nicht spielen willst, sagt das etwas über dich aus.“
Snedeker-Sieg in Myrtle Beach, Thitikul zum Zweiten
In Myrtle Beach fand parallel ein weiteres Turnier der PGA Tour statt. Und mit dem Pokal posierte am Ende ein alter Bekannter: Brandt Snedeker feierte seinen ersten PGA-Tour-Sieg seit fast acht Jahren. Der 45-Jährige spielte am Sonntag eine starke 66er-Runde (-5) und gewann mit insgesamt 18 unter Par knapp vor Mark Hubbard. Für Snedeker war es der zehnte Titel auf der PGA Tour – und ein emotionaler Erfolg nach schwierigen Jahren mit Verletzungen und einer Brustbein-Operation. „Das bedeutet mir alles“, sagte der Presidents-Cup-Kapitän, der zuletzt 2018 bei der Wyndham Championship triumphiert hatte. Der Sieg bringt ihm nicht nur einen Platz bei der PGA Championship, sondern auch eine zweijährige Tour-Karte.
Jeeno Thitikul hat mit einer souveränen Schlussrunde die Mizuho Americas Open gewonnen und damit ihren zweiten LPGA-Tour-Sieg der Saison gefeiert. Die Thailänderin spielte am Sonntag eine 69 (-3) und setzte sich mit vier Schlägen Vorsprung vor Ruoning Yin durch. Für die ehemalige Weltranglistenerste war es bereits der neunte LPGA-Titel ihrer Karriere. Thitikul erklärte nach der Runde, dass sie zuletzt nicht vollkommen zufrieden mit ihrem Spiel gewesen sei und erst ein Gespräch mit ihrem Coach die nötige Lockerheit zurückgebracht habe. Vor zwei Wochen hatte sie die Führung in der Weltrangliste an Nelly Korda verloren.
Erfreulich aus deutscher Sicht war der Auftritt von Polly Mack aus dem National Team Germany. Die Berlinerin kam auf Runden von 69, 75, 72 und 69 Schlägen (-3 total) und belegte Rang 14. Mack hatte sich erst am Montag über das Qualifikationsturnier einen Platz im Feld erspielt.
Michelle Wie West ist Major-Siegerin und ein seit Jahren weltweit bekanntes Gesicht des Frauengolfs. Bei ihrer Rückkehr auf die LPGA Tour erlebte die 36-Jährige direkt wieder die ganze emotionale Bandbreite des Profigolfs. Die Gastgeberin der Mizuho Americas Open spielte bei ihrem ersten Turnierauftritt seit den US Women’s Open 2023 eine 82 (+10) und kämpfte dabei vor allem mit Nervosität und Problemen auf den Grüns. „Holy s- - -!“, sagte Wie West über ihre Gefühle am ersten Abschlag. Nach frühen Bogeys sowie einem Triple- und Double-Bogey lag sie schnell weit über Par, benötigte insgesamt 37 Putts und sprach offen darüber, wie nervös sie auf dem Platz gewesen sei. Unterstützt wurde sie dabei von ihrem Ehemann Jonnie, der als Caddie fungierte und sie „die ganze Runde über beruhigen musste“.
14 Schläge Vorsprung
Es sind Zahlen, die man bei einem Profi-Turnier nur selten sieht: Yurav Premlall hat bei der Catalunya Championship seinen ersten Titel auf der DP World Tour gefeiert. Der 22-jährige Südafrikaner gewann mit rekordverdächtigen 14 Schlägen Vorsprung – und hatte damit genauso viele Schläge Vorsprung auf den zweitplatzierten Shaun Norris wie dieser auf die Spieler auf Rang 70. Nach seiner spektakulären 63 am Samstag ließ Premlall auch am Finaltag nichts anbrennen und spielte sich mit zahlreichen Birdies früh weit von der Konkurrenz ab. Zwischenzeitlich lag sogar der 26 Jahre alte Rekord von Tiger Woods für den höchsten Sieg auf der Tour in Reichweite, am Ende fehlte nur ein Schlag.
Was LIV Golf betrifft, beschränkten sich die Schlagzeilen zuletzt häufig auf mögliche Zukunftsszenarien. In dieser Woche übernahm wieder der Sport die Hauptrolle: In Virginia siegte Lucas Herbert deutlich vor Sergio Garcia und Bryson DeChambeau. Martin Kaymer mischte zunächst vorne mit, musste sich am Ende aber mit Rang 38 begnügen.







